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Die Bürde des Blutes von Sarah Pinborough

Reihe: Dog-faced Gods Trilogy Band 1

 

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Im Grunde war es längst keine Frage der Zeit mehr, sondern vielmehr bereits überfällig, bis sich auch die Phantastik mit der Weltwirtschaftskrise beschäftigt; jenem globalen Erbeben, dessen Erschütterungen bis heute nachhallen, verursacht durch Gier und Gleichgültigkeit von Seiten der großen Banken und Immobilienmakler. Monster in Menschengestalt? Moderner Horror? Für Sarah Pinborough scheint es darin keinerlei Zweifel zu geben, wenngleich in ihrem deutschen Einstand die Köpfe der Hydra von einst längst geköpft sind, und es mit »der Bank« nur noch ein solches, dafür allerdings überlebensgroßes Kreditinstitut im Vereinigten Königreich der nicht allzu weit entfernten Zukunft gibt.

Ja, das Morgen – in der (noch) fiktiven Welt von Die Bürde des Blutes ist es definitiv kein besonders farbenfroher Ort. Zumindest nicht im britischen Part davon. »Jeder ist sich selbst der nächste« könnte dort das passende Credo sein, den neuesten Verordnungen innerhalb des Gesundheitswesens und Beamtentums sei Dank. Aber nicht nur dort. Protagonist Cass Jones gehört zu der zweiten Sorte. Ein verbitterter Detective Investigator innerhalb der Londoner Police Force, dessen Ehe ebenso wenig als Vorbild taugt wie die Affinität zu bewusstseinserweiternden Substanzen und der Tatsache, dass er auch mal zur Seite blickt, wenn das zugesteckte Geld stimmt. Auf der anderen Seite resultiert seine nihilistische Weltauffassung sicherlich auch von einem hässlichen Undercovereinsatz, dessen schreckliche Resultate den Mann bis heute heimsuchen. Ausgerechnet ihm wird nun die Betreuung eines weiteren, gleichermaßen bizarren wie abstoßenden Mordfalles anvertraut. Der mittlerweile vierte des Phantoms, den die Presse den »Fliegenmann« getauft hat.

Das Opfer diesmal: eine junge Frau. Brutal zugerichtet und die Worte »Nichts ist heilig« auf den Oberkörper geschrieben – mit Blut. Und auch diesmal fehlt das Markenzeichen des Serienmörders nicht: Fliegeneier, verborgen in den Augenhöhlen seiner jeweiligen Opfer. Doch was kann Cass bewirken? Der Fall ist eine Sackgasse – ähnlich wie jener andere, bei dem anstelle einer bekannten Gangstergröße zwei unschuldige Schulkinder den abgefeuerten Kugeln zum Opfer fielen. Doch damit sind noch nicht alle schlechten Karten ausgespielt, hält das Schicksal ein weiteres Ass für den Detective Investigator bereit. Trotzdem erweist sich der dritte Fall nicht nur als der verworrenste des Trios, sondern zudem als der persönlichste, handelt es sich bei dem Täter um keinen geringeren als seinen kleinen Bruder Christian, der Frau und Kind erschossen und zuletzt sich selbst gerichtet hat. Aber welchen Grund hätte es dafür geben sollen? Warum ermordet ein erfolgreicher Angestellter seine Liebsten und dann sich selbst? Die Suche nach Antworten führt Cass zurück in die Vergangenheit und letztlich hin zu der ominösen »Bank«, bei der auch sein kleiner Bruder angestellt war – und auch mit den beiden anderen Mordfällen in Verbindung zu stehen scheint …

 

Wer »Die Bürde des Blutes« schon im Vorfeld als weiteren Vertreter der Urban Fantasy brandmarkt, der irrt sich gewaltig. Bis auf den sagenumwobenen »Fliegenmann« gibt es praktisch kein Element, das eindeutige phantastische Züge besitzt. Die klassischen Thrillerelemente überwiegen und weisen damit alles andere mehr oder weniger in die Schranken – auch die überwiegend von Hoffnungslosigkeit geprägte Stimmung, die im Verlaufe der Geschichte wunderbar mit ebenjener verschmilzt.

Stilsicher wirft die Autorin scheinbar vollkommen unterschiedliche Versatzstücke in ihren eigenen Sudkessel, gewürzt durch mehrere, überraschend heftige Einsprengsel, bei denen selbst erprobte Horrorleser danach erst mal kräftig durchatmen müssen. Doch sind besagte brutale Passagen keineswegs reine Effekthascherei. Vielmehr reihen sie sich bestens in die vorherrschenden Grundtöne ein und unterstreichen die dunkle Stimmung; eine Spezialität, die scheinbar besonders britische Autoren perfekt beherrschen. Als hervorragende Exempel seien hier stellvertretend James Herbert, der frühe Clive Barker oder Shaun Hutson erwähnt, eine Liste, die nun durch Sarah Pinborough weibliche Verstärkung erhält und deren Ausblick in die Zukunft ebenso konsequent und ernüchternd ist wie jene der großen Vorbilder und –gänger. Als i-Tüpfelchen darf ferner der verbitterte Antiheld des Romans, Cass Jones angesehen werden; ein Individuum, welches mit seiner verbitterten, aber zu keinem Zeitpunkt aufgezwungen erscheinenden Desillusioniertheit dem Werk eine zusätzliche, grimmige Note verleiht.

 

Fazit:

Sieben trifft auf Urban Fantasy. Mit »Die Bürde des Blutes« legt Sarah Pinborough einen vertrackten, spannenden, oftmals sehr heftigen Roman vor, der dank der ernüchternden Weltsicht niemals in Reich der puren Fantasie abdriftet. Ein toller Einstand!

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Buch:

Die Bürde des Blutes

Reihe: Dog-faced Gods Trilogy Band 1

Original: Matter of Blood

Autorin: Sarah Pinborough

Übersetzerin: Catrin Frischer

Otherworld Verlag, 28. Januar 2011

Taschenbuch, 479 Seiten

 

ISBN-10: 3800095351

ISBN-13: 978-3800095353

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B004WBSMTO

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 08.07.2011, zuletzt aktualisiert: 12.04.2019 16:18