Die Kinder der Schattenstadt (Autor: Frank W. Haubold)
 
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Die Kinder der Schattenstadt von Frank W. Haubold

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

In einem verlassenen Schacht begegnet der zwölfjährige Fabian zum ersten Mal dem dunklen Vogel, einem geheimnisvollen Wesen aus dem Grenzland zwischen Leben und Tod. Entsetzt ergreift er die Flucht, doch das unheimliche Geschöpf verliert nie seine Spur. Unerbittlich konfrontiert es Fabian mit den Schattenseiten einer Welt, die mehr und mehr aus den Fugen gerät. Erst vierzig Jahre später offenbart ihm der dunkle Vogel sein grausames Geheimnis.

 

Rezension:

Die Kinder der Schattenstadt ist kein gewöhnlicher Roman. Der Stoff begleitet den Autor Frank W. Haubold bereits eine ganze Zeit. Er fand sich wieder im Debüt Am Ufer der Nacht von 1997 und der Epilog Thors Hammer erschien in der vom Autor selbst herausgegebenen Anthologie Das Mirakel in der Schriftenreihe Fantasia des EDFC.

Im Nachwort geht der Autor kurz auf die Editionsgeschichte und weist darauf hin, dass persönliche Erinnerungen in das Projekt flossen.

Genau das spürt man auch beim Lesen.

 

Der Roman beginnt mit dem erwähnten Prolog und installiert eine böse Bedrohung als Nazi-Hinterlassenschaft, verbunden mit dem Wirken eines mysteriösen und boshaften Wesens.

Jahre später stoßen einige Jugendliche auf das vergessene Problem und setzen unbewusst einen Prozess in Gang, der nicht nur ihr Leben verändern wird, sondern sogar das Überleben der gesamten Menschheit gefährdet...

 

Im Zentrum steht dabei Fabian, der sich immer mehr zu einer Art Alter Ego des Autors entwickelt. Der gesamte erste Teil beschreibt Jugend und Leben in der DDR. Gerade hier gelingt Haubold eine Authentizität, der man die eigenen, teilweise schmerzhaften Erinnerungen anmerkt.

 

Doch danach beginnt der Roman zu zerfasern. Immer wieder werden neue Figuren vorgestellt, Perspektiven gewechselt, Lebensläufe erzählt, es gibt diverse Rückblenden und Binnenerzählungen. Der Ton jedoch ändert sich nie. Mit einer seltsam kühlen Distanz beschreibt der Erzähler sowohl Liebesszenen als auch Gewalt und Träume. Das führt dazu, dass man der Handlung zunehmend teilnahmslos folgt.

Unterstützung findet dieser Abstand durch einen wenig überzeugenden Plot um eine Weltverschwörung.

Neben dem guten Fabian gibt es noch den dicken Damian. Ja, der Name ist Programm und Omen zugleich. Wegen seiner Körperfülle gehänselt, bietet er das ideale Opfer um den bösen Einflüsterungen einer uralten Kreatur zu verfallen. Mit hauptsächlich finsteren Mitteln schafft er sich die finanziellen und technischen Möglichkeiten, um die ganze Welt zu zerstören. Nebenbei bringt er alle Kumpels aus der Vergangenheit um, beziehungsweise organisiert tödliche Unfälle.

Fabian hat das Glück, dass er schon bald eine Beschützerin bekommt, die ihn liebt und seltsamerweise recht unmotiviert aus dem Roman verschwindet, ohne dass das Potential der Figur auch nur ansatzweise genutzt wird. Ähnlich verhält es sich mit den einigen der anderen Nebenfiguren. Teilweise werden sie mit einer Vielzahl an Details vorgestellt, um direkt danach zu sterben. Das erinnert stark an den dramatischen Aufbau von Katastrophenfilmen, ohne jedoch wirklich mit den Einzelschicksalen berührend umzugehen.

Der dargestellten politischen Entwicklung merkt man ihre Entstehungszeit an. Der Bürgerkrieg auf dem Balkan lieferte ebenso pessimistische Zukunftsprognosen, wie das instabile Russland der 90er Jahre. Leider wird auch hier eher mit konventionellen Mitteln ein Konflikt konstruiert, der zu gewöhnlich und bekannt erscheint, um Spannung zu entwickeln.

Letztlich kann Haubold im gesamten Teil des phantastischen Plots nicht überzeugen. Seine Stärken liegen eindeutig in jenen Passagen, in denen er als Chronist eigener Erlebnisse fungiert.

 

Fazit:

»Die Kinder der Schattenstadt« ist ein Roman über Deutschland, bestreut mit etwas Weltverschwörung, cthuloidem Schauer und zaghaftem Horror, allerdings in keinem gelungenen Verhältnis.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2024061501583839a93b79
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Buch:

Die Kinder der Schattenstadt

Autor: Frank W. Haubold

Taschenbuch, 318 Seiten

Blitz, 2012

Cover: Mark Freier

 

ISBN-10: 3898400123

ISBN-13: 978-3898400121

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 16.02.2012, zuletzt aktualisiert: 10.04.2024 18:52, 12374