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Die Schwärmer von Willi Hetze

Rezension von Marianne Labisch

 

Verlagsinfo:

Teo ist ein junger Postbote aus einem vergessenen Teil des Landes. Als das Briefverteilzentrum seiner Provinz aus unbekannten Gründen geschlossen wird, muss er in die Hauptstadt reisen, um der Sache nachzugehen. Dort zeigt sich, dass eine neue Technologie, der »Schwarm«, das Briefeschreiben überflüssig gemacht hat. Die »Schwärmer« verbinden sich über einen Funknerv, den sie im Kopf haben, und tauschen dort nicht nur Nachrichten, sondern auch Gefühle aus.

Als seltsame Albträume sich unter den Nutzern verbreiten, greift schnell auch eine unaufhaltsame Angst um sich: Unbekannte Feinde sollen ihr Unwesen in der Provinz treiben, aus der Teo stammt.

Und auch Teo gerät in den Datenstrudel aus Gerüchten und Fake News. Die Schwärmer entsenden Truppen und ein schwer durchschaubarer Krieg um die digitale Evolution wird entfesselt.

 

Rezension:

Der Autor stellt uns seinen Hauptprotagonisten Teo schon als Kleinkind vor. Das ist von Bedeutung, um sein späteres Verhalten zu verstehen. Die Handlung beginnt gemächlich und ist auf den ersten Blick nicht gleich als SF zu erkennen.

Teo eifert bei der Berufswahl seiner Mutter nach und wird Postbote. Die Probleme beginnen, als vom Hauptpostamt keine Briefe mehr kommen. Telefonate werden nicht angenommen, Briefe nicht beantwortet. Teos Mutter will wissen, was los ist und schickt ihren Sohn in die Hauptstadt. Sie meint, es könne ihm dabei helfen endlich selbstständig zu werden. Teo fühlt sich im Elternhaus sehr wohl und sieht keine Veranlassung, dort auszuziehen. Aber seine Mutter enttäuschen möchte er auch nicht und so nimmt er den Auftrag an und verreist zum ersten Mal.

 

In der Hauptstadt beginnt dann die eigentliche SF. Die Stadt erneuert sich ständig. Die Straße, auf der man gestern noch ging, gibt es heute schon nicht mehr. Alles ist permanent in Bewegung und das verwirrt den armen Teo ohne Ende. Er fragt sich, wie die Bewohner sich in dieser Welt überhaupt zurechtfinden können und bekommt heraus, dass sie sich mittels Funknerv in Schwarmwesen verwandelt haben. Jeder im Schwarm weiß alles, was im Schwarm bekannt ist. Dort werden Erinnerungen abgelegt, man findet Straßenpläne, und kann sich darüber auch austauschen und finden. Selbst wenn man stirbt, kann man sein Wissen, vorher einspeisen, damit es erhalten bleibt.

 

In der Stadt lernt Teo einen Verfechter dieses Systems kennen, der nur die Vorteile sieht, aber auch einen »Analogen«, der vor dieser Entwicklung warnt. Er verbringt seine erste Nacht mit einer Frau, in die er sich prompt verliebt.

Nach langem vergeblichen Suchen ist er überzeugt, das Hauptpostamt nur mithilfe eines Funknerven zu finden und schluckt ihn.

Und tatsächlich wird er fündig. Allerdings wurde das Amt geschlossen, weil es überflüssig ist, wenn jeder sich mit jedem austauschen kann.

Der Obrigkeit sieht keine Eile geboten, die Provinz in den Schwarm aufzunehmen.

 

Teo kehrt zurück nach Hause und weiß selbst noch nicht so genau, was er von dieser Entwicklung halten soll. Dennoch vermisst er den Empfang des Schwarmwissens, den er zu Hause noch nicht abrufen kann. Zu gerne würde er nach der Frau suchen, die als Journalistin arbeitet und ihn nach der gemeinsam verbrachten Nacht ohne Abschiedsworte verließ.

Im Dorf stoßen seine Neuigkeiten auf geteilte Reaktionen, einige sagen, sie würden sich dem Fortschritt verweigern, andere sehen große Chancen darin.

 

Bevor er noch alle Empfindungen teilen kann, bricht ein Krieg aus, der auch vor der Provinz nicht halt macht. Als Teo einen Bericht der Journalistin von der Front sieht, beschließt er, sie dort zu suchen. In diesem Krieg geschehen seltsame Dinge, über die ich nicht mehr verraten möchte.

 

Der Autor bedient sich einer bildhaften Sprache und davon bin ich nur bedingt Fan. Ich habe viele Storys gelesen, in denen die Autoren es übertreiben, nicht können und mich damit abschrecken, teilweise sogar verärgern. Das ist mir in diesem Roman nicht ein einziges Mal so gegangen. Hetze beherrscht diesen Stil, jedes seiner Bilder passt und ich bin oft hängen geblieben und dachte, das er bestimmte Passagen sehr schön ausgedrückt hat. Hinzu kam, dass der Autor in der Gegenwart ganz genau so gekonnt schreibt, wie in der Vergangenheit. Kaum war ich mir einig, dass mich kaum ein Autor im Präsenz so wenig genervt hat wie Hetze, musste ich feststellen, dass er die Zeit längst gewechselt hatte, ohne dass es mich im geringsten gestört hätte.

 

Die Gefahren der Digitalisierung sind zwar Thema, aber nicht von einem Autoren, der alles besser weiß und den Finger hebt, sondern von einem, der den Leser dazu bringen möchte, nachzudenken, wo die Grenzen gezogen werden sollten.

 

Die Freitaxis, die jeder immer und überall anfordern und benutzen kann, kamen mir vor, wie eine Idee, die vielleicht irgendwann einmal umgesetzt werden könnte.

 

Das Buch bekommt von mir 5 von 5 Sternen, ich kann es jedem SF – Fan empfehlen, aber auch Personen, die gerne Stoffe lesen, die sich einer schönen Sprache bedienen. Man merkt dem Text an, dass jede Stelle, jeder Vergleich sehr sorgfältig überdacht und formuliert wurde. Wie ich eingangs erwähnte, fängt das Buch gemütlich an. Hektisch wird es nie, dennoch schafft es der Autor, eine gewisse Spannung aufzubauen. Man möchte wissen, was Teo widerfährt und auch herausbekommen, was es mit diesem seltsamen Krieg auf sich hat. Solche Romane findet man selten.

 

Weil mir das Buch so gut gefallen hat, habe ich den Autoren interviewt.

Das Interview wird auch in der nächsten Ausgabe der Andromeda Nachrichten zu finden sein.

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Eure Meinung:

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Buch:

Die Schwärmer

Autor: Willi Hetze

salomo publishing, 15. März 2018

Taschenbuch, 376 Seiten

 

ISBN-10: 3941757849

ISBN-13: 978-3941757844

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B07B7S8KQ9

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 22.06.2018, zuletzt aktualisiert: 19.02.2019 10:19