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Die Zwerge der Meere von Michael H. Schenk

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Das Meer und seine Reichtümer unter Wasser bestimmen das Leben der Zwerge. Varnum ist ein junger Schürftaucher, auf der Suche nach Reichtum und dem Herzen der jungen Zwergin Besana. Er ahnt nicht, dass die Handelswege der Meere vom Kriegszug der Sendar bedroht sind. Doch als die Zwerge einem havarierten Schiff des menschlichen Reiches Telan beistehen, werden sie in einen unbarmherzigen Konflikt hinein gezogen.

Mit pragmatischem Humor und dem Einfallsreichtum des Zwergenvolkes stellen sich Varnum und die anderen der Bedrohung. Gemeinsam bestehen sie manches Abenteuer auf und unter dem Wasser.

 

Rezension:

Der Autor Michael H. Schenk ist vor allem durch seine Fantasybuchreihe Die Pferdelords bekannt geworden. Dem Fantasy-Genre bleibt er auch in seiner neuem Roman treu. Die Zwerge der Meere ist zwar ein Einzelroman, auf der Homepage zu Serie verrät der Autor jedoch ein weiterreichendes Konzept:

»Die Zwerge der Meere« wurden als Einzelroman konzipiert. Dennoch verrät die Weltkarte, dass sich hier noch viele Abenteuer erleben lassen. Das ist in sich auch kein Widerspruch, denn »Zwerge der Meere« soll als Oberbegriff gelten. Neben dem Clan der Eldont´runod sollen auch die Abenteuer anderer Zwerge erzählt werden, deren Leben mit dem Meer verbunden ist. Jeder Roman soll also etwas völlig Neues bieten und die Weltkarte zunehmend mit Leben erfüllen.

 

Die titelgebenden Zwerge sind im klassischen Sinne Bergbauer, jedoch schürfen sie nicht im Gebirge, sondern am Meeresgrund. Sie lieben auf schwimmenden Städten, die sie über ertragreiche Stellen befördern um dort, in nicht allzu großer Tiefe, Metalle und Weißkristalle abzubauen. Diese Kristalle werden von Korallen gebildet und sind nicht leicht zu bearbeiten. Jedoch ist es möglich, in ihnen Licht zu speichern. Im weiteren Verlauf des Romanes stoßen wir auf eine militärische Anwendung dieser Technik in Form von Lichtdruckkanonen.

Die Zwerge sind in verschiedenen Clans organisiert, die in einer Art Kollektiv leben, in dem jedem seinen Anteil am Gemeinwohl beiträgt - im Gegensatz zu den später vorgestellten Menschen, denen eine typische frühneuzeitliche Monarchie verpasst wurde.

Schenk stellt uns zunächst den Schürfer Varnum und seinen Freund, den Pumper Oldrum, vor. Während Varnum in einem Tauchanzug zum Meeresboden herunterschwebt, ist Oldrum dafür zuständig, mittels einer Pumpe Luft über einen Schlauch zum Anzug seines Freundes zu pumpen und den Schürfer auch wieder zurück zu holen. Beide sind noch Grünschnäbel und müssen sich ihren zweiten, den Ehrennamen, erst noch verdienen, denn nur dann kann man um eine Zwergin werben. Eine geeignete Kandidatin gibt es auch bereits - Besana, angehende Heilerin. Wie nicht anders zu erwarten, finden beide das Mädel toll.

Doch nicht nur dadurch wird ihre Freundschaft auf die Probe gestellt, Stürme und Krieg bedrohen das friedliche Leben der Zwerge, denn im fernen Reich Anram greift das Volk der Sendar nach der Macht. Die Insektuiden kennen auf ihrem Vormarsch keine Gnade und sehen in den Menschen nur Fressfeinde, die ihrer territorialen Ausbreitung im Wege stehen ...

 

Man spürt von der ersten Seite an, dass Schenk seine Zwerge liebt. Voller Hingabe beschreibt er ihren Alltag, entwickelt typische Lebensweisen und pflegt seine zwergischen Figuren bis zum Schluss. Die Handlungsebene der Eldont´runod ist daher auch am ausgefeiltesten und birgt eine Menge Stoff für Fortsetzungen.

Daneben gibt es noch diverse Handlungsstränge, die sich um Seefahrer und Überlebende drehen, denen Begegnungen mit den Sendar in den Knochen stecken. Hier geht der Autor den Weg von Katastrophenfilmen, wo wir zunächst ausführlich verschiedene Personen kennenlernen, deren Schicksal dann in der eigentlichen Katastrophe kurz umrissen wird. Das ist nicht unbedingt stringent und verliert auch an Spannung, verbreitert aber die erschaffene Fantasywelt.

Noch schwieriger gestaltete sich die Darstellung der Feinde. Auch hier wählte Schenk die Innensicht von mehreren Sendar, um Motive und Kultur aufzudecken. Jedoch gelang es ihm nicht in voller Konsequenz, die Fremdartigkeit einleuchtend zu beschreiben. Zu oft wirken die feindlichen Handlungen aufgesetzt und vermögen daher kaum, der Haupthandlung eine größere Dramatik zu geben. Dadurch wirken die Sendar als Feind auch nicht wirklich bedrohlich, sondern eher langweilig. So erobern sie etwa ein komplettes Menschenreich im Handumdrehen und ziehen sofort per Schiff weiter. Dabei hätte es schon interessiert, wie die Großinsekten mit den Hinterlassenschaften der Menschen zurechtkommen, ob sie durch die Kultur auch für sich Neues lernen oder welche logistischen Probleme sie mit den eroberten Gebieten haben. Etwas dünn muss man auch die Absätze zum Verbleib der menschlichen Überlebenden und Gefangenen nennen. Zwar versucht der Autor die unfassbaren Gräueltaten im Rahmen der Nichtmenschlichkeit rein sachlich zu beschreiben, jedoch scheint dort sehr viel erzählerisches Potential verschwendet worden zu sein.

 

Aber das Hauptaugenmerk des Autors liegt in der Beschreibung einer alternativen Zwergen-Gesellschaft und hier kann er durchaus punkten. Zwar bewegt sich diese Gesellschaft im Rahmen einer Utopie, die kaum Probleme, aber viele Lösungen kennt, aber es macht durchaus Spaß, dem Clan bei seiner Arbeit zuzuschauen.

Es gibt nur wenig explizit beschriebene Gewalt, auch Sex gibt eher nicht, obwohl Schenk eine ganze Reihe Frauenfiguren ins Spiel bringt, etwa als Kapitän eines menschlichen Schlachtschiffs. Zum Glück benehmen sich alle Soldaten und Seemänner anständig, die bösen Buben werden mit Drohungen von grundehrlichen Leuten oder mit einem Povoll bekehrt.

»Die Zwerge der Meere« ist also ohne Probleme auch für Kinder und Jugendliche geeignet, Highfantasy Fans werden hingegen nicht ganz auf ihre Kosten kommen, dafür ist der Roman doch zu brav.

 

Das Cover ist angenehm klassisch und schwimmt explizit nicht auf dem allgemeinen Fantasy-Covertrend, großes Lob hier an Carsten Winkel. Für weitere Romane aus der Welt der »Zwerge der Meere« wünscht man sich eine Fortsetzung dieser Cover-Art.

 

Fazit:

Zwerge im Wasser? Ja, es mag unglaubwürdig klingen, aber Michael H. Schenk gelingt es, der ausgelatschten Fantasyrolle neue Aspekte hinzuzufügen und einen unterhaltsamen Roman zu schreiben. Seine Zwerge sind brave Leute, die einem unbarmherzigen Feind tapfer entgegen sehen, an der Seite von munteren Freunden. Fantasy für gemütliche und ruhige Stunden.

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Buch:

Die Zwerge der Meere

Autor: Michael H. Schenk

Taschenbuch, 491 Seiten

Arcanum Fantasy Verlag, 10. September 2010

Cover: Carsten Winkel

 

ISBN-13: 978-3939139119

ASIN: 3939139114

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 04.07.2011, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35