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Divergent von Veronika Roth

Reihe: Divergent Band 1

Rezension von Kai Bosse

 

Rezension:

Warum würde jemand der gute spekulative Romane mag, eine der neuen »Pop«-Buchserien loben? Eine dieser Serien, die gerade überall in der englischsprachigen Szene auftauchen, offensichtlich an Jugendliche und junge Erwachsene gerichtet? (u.a. Harry Potter, Twilight, Tribute von Panem) Die meisten der bisherigen Angebote sind nicht gerade gut geschrieben, einige davon noch nicht mal spannender Lesestoff. Persönlich fand ich H.P. und die Tribute besonders enttäuschend im Sinne des Schreibkönnens, so deutlich, dass ich in beiden Fällen nur den ersten Roman der jeweiligen Serie las.

 

Im ersten Teil der neuen Bestimmung-Trilogie malt zum einen Neulingsautorin Veronica Roth, nicht viel älter als ihre Protagonistin Beatrice, eine Sicht einer echten Utopie – eine, die in 100 Jahren in der Zukunft stattfindet – mit gradlinigen Gesetzen, die scheinbar Kriegsgelüste aus der Gesellschaft ausmerzen. Zumindest aus dieser eingezäunten Gesellschaft eines damals ruinierten Chicagos, getrennt vom Rest der Welt, umgeben von einer riesigen Ödnis. Die Gesellschaft kontrolliert sich selbst durch strikte Ausfsplittung in fünf »Faktionen« – so ähnlich wie mittelalterliche Gilden: Die Selbstlosen, die Friedlichen, die Ehrlichen, die Intelligenten, die Tapferen. Die letzten beiden »regieren« letztendlich, da sie Technologie und Verteidigung bieten; aber die Selbstlosen, zu denen Beatrice ursprünglich gehört, sind die amtlichen Stadtregierenden. Diese leben nur für Andere, und unterstützen u.a. diejenigen, die die strengen Antrittsriten jeder Faktion nicht bestehen, wenn Teenager erwachsen werden und wählen müssen, zu welcher Faktion sie nun gehören wollen.

 

Ich liebe Utopien, besonders solche, die sich als Dystopien entpuppen. Sie sind traditioneller Bestand spekulativer Fiktion, seit der so fromme Thomas More sein politisches Pamphlet vor Jahrhunderten verteilte. Es gab einige erstaunliche Dystopien in den letzten 100 Jahren, z.B. Huxleys »schöne neue« und Orwells einparteiige in einem quälend-imaginären 1984. In letzter Zeit haben wir digitale Dystopien, wie in die der MATRIX-Reihe, beschert bekommen. Also setzt Roth hier auf eine eingefleischte Tradition – das Szenarium in dem wir, die Leserschaft, anfangs Sympathie für das System empfinden und möglicherweise verleitet werden, zu glauben dass dies eine erstrebenswerte Zukunft sein könnte – und das kommt zumindest mir entgegen.

 

Aber es gibt zwei weitere Gründe warum ich das Buch empfehle: Es verlässt sich nicht zu sehr auf futuristische Apparate, konzentriert sich statt dessen auf Menschen, und wie sie sich verhalten und entwickeln in dieser neo-urbanen Welt; in diesem Sinne ist es eher Social Fiction als Science Fiction. Und: Die Prosa wurde besser hin bekommen als bei den oben erwähnten Enttäuschungen.

Der Schreibstil im Original ist einfach, aber treffend. Er ist nicht wirklich vergleichbar mit, aber erinnert mich an, den – für mich – größten Stilisten englischer Sprache in spekulativer Romanschreibe der letzten Jahre, den ewig-undurchschaubaren Cormac McCarthy. Also bin ich hin und weg wegen der möglichen kommenden Erzeugnisse dieser jungen neuen Vertretung der Schreibkunst.

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Eure Meinung:

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Buch:

Divergent

Divergent Series 1

Autorin: Veronica Roth

Sprache: Englisch

Taschenbuch, 576 Seiten

Katherine Tegen Books, 28. Februar 2012

 

ISBN-10: 0062024035

ISBN-13: 978-0062024039

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 14.01.2015, zuletzt aktualisiert: 11.06.2019 19:38