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Enter Sandman. Inspiration Metallica – Anthologie hrsg. von Michael Haitel

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

»Es gibt Augenblicke im Leben, in denen man am liebsten aus der Haut fahren möchte, ein Hindernis sich einem wie ein Ungeheuer entgegenstellt, oder sich ein vertrauter Mensch dermaßen abartig verhält, dass man sich fragt, wer ist das eigentlich?« »Dieses Gefühl der Hilflosigkeit, der Wut, und vor allem der Wut auf sich selbst, weil man nicht den Mumm hat, etwas zu ändern, beherrscht Hank, meinen Protagonisten, zu Beginn der Story. Ich glaube, es gibt keinen anderen Song, der dieses Gefühl so perfekt rüberbringt.« »[…] weil es Metallica gelingt, zu einer hämmernden Musik in wuchtigen sprachlichen Bildern devote Ergebenheit zu schildern.« »Auch dort geht es um innere Dämonen, verborgene Ängste und die Hoffnung auf Erlösung. Und davon hat jeder Mensch genug, die er mit sich herumschleppt. Manchmal sind es verborgene Aversionen, manchmal sind es offene Ressentiments. Und manchmal sind es die kleinen Betrügereien, sich sich summieren und dann Bahn brechen.« »Jedenfalls war es dieser Moment, als es irgendwo in meinen Synapsen ›Päng!‹ machte. Auf einmal hatte ich den Ausgangspunkt klar vor mir. Allerdings nur diesen. Es brauchte ein Weilchen, bis sich die Puzzlestücke zusammensetzten. Raten Sie mal, wo das geschah: im Wartezimmer beim Orthopäden. Diesmal war ich übrigens der Patient.« Metallica. Inspiration. Unter dem Bett. Im Wandschrank.

 

Rezension:

In der Reihe AndroSF veröffentlichte der Tausendsassa Michael Haitel bereits eine ganze Menge spannender Bücher für den Science Fiction Club Deutschland. Und da er offenbar nie genügend Projekte haben kann, faszinierte ihn die Idee der Hinterland-Anthologie, die sich als Inspiration ihrer Geschichten der Musik David Bowies zuwandte. So entstand im Forum SF-Netzwerk die Idee, das auch mit Songs von Metallica und Kate Bush zu probieren. Enter Sandman. Inspiration Metallica ist nun der erste Streich der neuen SF-Anthologien aus dem p.machinery Verlag.

 

Mit Matthias Falke eröffnet ein gestandener Autor die Anthologie und er überrascht mit einer schrägen Satire.

In Justice! Nothing Else! läuft eine Inspektion von Minen auf einem abgelegenen Hinterwäldlerplaneten aus dem Ruder. Schuld ist der uralte Konflikt zwischen Metal und Hardrock. Wenn man sich dem Augenzwinkern hingibt, mit dem Falke seine kleine Actionstory an diesem Konflikt entlang schrieb, kann sie großen Spaß bereiten.

 

Marianne Labisch widmet sich dem Ausbruch einiger Menschen aus den Fängen einer Maschinen beherrschten Welt. Die typische Story um eine Postzivilisation ist solide geschrieben und bleibt dicht an den Figuren, kommt aber nie recht in Fahrt und endet ohne Höhepunkt.

 

Recht ungewöhnlich arbeitet sich Enzo Asui in Das Ende einer Salatschüssel an dem Song Leper Messiah ab. Die Fußballkarriere eines Jungen beginnt mit einem Traum von der Meisterschaftsschale und wird in dem kurzen Text schnell weitergesponnen. Dabei baut Asui geschickt SF-Elemente ein um dann im Finale den Song-Bezug etwas irritierend mit der Moralkeule reinzuhämmern.

 

Enter Sandman gab nicht nur der Anthologie ihren Namen, der Song ist durch seinen Text prädestiniert, eine Quelle dunkler Phantastik zu werden. Bettina Ferbus entführt die LeserInnen in eine Gefängniswelt. Strafverkürzung erkauft man sich hier durch brutalste Umstände. Dabei liegt das Grauen in klitzekleinen Würmern, die den Schläfer nachts infiltrieren, wenn man nicht auf ihre Spuren im Sand achtet.

Eine rasant erzählte Psycho-Orgie, die elegant von einer erbarmungslosen Zukunft berichtet.

 

Simone Wertenbroch Story Prof. Dr. Hybris ist eine hochchaotische Tour durch diverse SF-Topoi. Es gibt den bösen Wissenschaftler, Menschenexperimente, Staatsüberwachung und das ganze in wahnsinniger Geschwindigkeit durch den Mixer gejagt. Leider passt der verwendete Schreibstil nicht zum Tempo und so bleibt der Eindruck einer kruden Ideensammlung ohne entsprechende Verarbeitung.

 

Fantasyguide-Redakteur Torsten Scheib ist bekennender Metal-Fan und horror-Autor. So wundert es nicht, dass Schwester Sexy eine böse kleine Horror-Geschichte wurde. Scheib wühlt tief in den Ängsten eines Unfallopfers, der sich an nichts erinnern kann und den Mächten des Krankenhauses und seines Geistes erbarmungslos ausgeliefert ist.

 

Zurück in die Postzivilisation führt uns Abel Inkun in Mutter sagt …. Das Trennen von der mütterlichen Überinstanz verbindet Inkun mit einer kurzen und insgesamt stark an der Oberfläche bleibenden Geschichte von einem Wach-Klon der sich aus der Befehlskette verabschiedet, um frei zu sein. Zu kurz, um der Figur Glaubwürdigkeit zu verleihen.

 

Frederic Brake hingegen lässt seine beiden Protagonisten durch eine Dialog-Story lebendig werden. In Rein gewaschen erleben zwei befreundete Piloten das Scheitern ihrer Flucht und sprechen sich ein letztes Mal so richtig aus. Kurz, knackig und im Ton wunderbar schnodderig. Eine perfekte Story um sie in einer Weltallkneipe nachts um halb drei zu erzählen.

 

Ebenfalls tief in ihre Figur wühlt sich Sabine Frambach in ihrer Geschichte Der Meister ein. Wir erleben den Kampf einer Frau gegen eine Operation. Einfühlsam erzählt und durch die Trostlosigkeit der Situation umso überzeugender, wünscht man sich, mehr über die Welt zu erfahren. Sehr gelungene Interpretation von Master of Puppets.

 

Flo P. Schmidt schrieb mit Wolken über Jawaigoth eine Military-SF Geschichte in die er eine Masse Metallica-Titel in ihrer deutschen Übersetzung einbaute. Leider sind sie kursiv im Text zu finden, was immer wieder aus der Handlung reißt.

Zwar würzt er seine Geschichte mit einer gigantischen Schlacht gegen Insekten aber darüber hinaus bietet sie wenig.

 

In die flirrende Hektik einer Clubnacht stürzt Carsten Thomas seinen Helden in T-Ex. Kurz und präzise wie ein Video-Clip splittert Thomas die nächtliche Realität und fügt ihr zudem noch eine glaubwürdige SF-Erklärung hinzu.

 

Direkt mit Metallica-Frontman James Hetfield beschäftigt sich Sven Klöpping in 150.000.000 neue Fans. Um den Jahrhunderte alten Kult um die Band weiter kommerziell ausbeuten zu können, wird Hetfield regelmäßig geklont und auf Tour geschickt. Das Problem ist nur, dass er ganz andere Fans erwartet.

Die typische Pointenstory kann sich nicht so recht entscheiden, ob sie die Psyche des Sängers beleuchten oder der seltsamen Pointe dienen will.

 

Hans Jürgen Hetterling wagt zum Schluss der Anthologie eine logisch erscheinende Verbindung zwischen Metallica und H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos. Dinge, die es nicht geben sollte ist eine klassisch erzählte Horror-Story um die Erweckung des Schrecklichen. Der Autor kann dem allseits bekannten Stoff jedoch nichts Neues hinzufügen.

 

Die Anthologie glänzt mit zumeist unterhaltsamen Interpretationen von Metallica-Songs, wobei Horror eindeutig der Gewinner ist. Große Klasse zudem ist das Cover von Lothar Bauer, dessen brennende Gitarren auch auf ein Albumcover passen könnten.

 

Fazit:

Krachende Geschichten zu bekannten Liedern der Band, die Metal den Namen gab, finden sich nur zum Teil in »Enter Sandman. Inspiration Metallica«. Die Mischung ist größtenteils leicht bekömmlich, es gibt horrorlastige Highlights und chaotische Ausfälle, aber insgesamt lohnt es sich durchaus, die Boxen aufzudrehen und den AutorInnen in den blutigen Staub der Metallica-Nacht zu folgen. Turn the page!

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Eure Meinung:

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lothar
Mittwoch, 23. Oktober 2013 17:23 Uhr
Freue mich das man als Cover Artist auch mal Erwähnung findet. Geschieht eigentlich viel zu selten.

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Buch:

Enter Sandman. Inspiration Metallica

Anthologie

Reihe: AndroSF 34

Herausgeber: Michael Haitel

Taschenbuch, 210 Seiten

p.machinery, 14. August 2013

Titelbild: Lothar Bauer

 

ISBN-10: 3942533715

ISBN-13: 978-3942533713

 

Erhältlich bei: Amazon

Inhalt:

  • Matthias Falke: Justice! Nothing Else!
  • Marianne Labisch: Ausbruch
  • Enzo Asui: Das Ende einer Salatschüssel
  • Bettina Ferbus: Spuren im Sand
  • Simone Wertenbroch: Prof. Dr. Hybris
  • Torsten Scheib: Schwester Sexy
  • Abel Inkun: Mutter sagt …
  • Frederic Brake: Rein gewaschen
  • Sabine Frambach: Der Meister
  • Flo P. Schmidt: Wolken über Jawaigoth
  • Carsten Thomas: T-Ex
  • Sven Klöpping: 150.000.000 neue Fans
  • Hans Jürgen Hetterling: Dinge, die es nicht geben sollte

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Erstellt: 22.10.2013, zuletzt aktualisiert: 22.10.2019 16:08