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Fahrenheit 451 von Ray Bradbury

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

451 Grad Fahrenheit oder 232 Grad Celsius – die Temperatur, bei der Papier verbrennt. Guy Montag ist Feuerwehrmann. Es ist seine Aufgabe, Bücher zu beschlagnahmen und zu verbrennen. Denn Bücher sind die Quelle allen Unglücks ... Mit "Fahrenheit 451" hat Ray Bradbury Literaturgeschichte geschrieben – neben Orwells "1984" und Huxleys "Schöne neue Welt" gibt es nichts Vergleichbares.

Zum 90. Geburtstag von Ray Bradbury – einer der bedeutendsten Romane der Literaturgeschichte in einer einzigartigen Sonderausgabe.

 

Rezension:

Tatsächlich gibt es Romane, denen ihr Alter nicht ohne weiteres anzusehen ist. Dazu gehört Fahrenheit 451 von Ray Bradbury, der am 22. August 90 Jahre alt geworden ist. Der Heyne-Verlag nutzte die Gelegenheit für eine ganz besondere Ausgabe des Romans. So findet sich in dem Buch auch die ursprüngliche Kurzgeschichte The Fireman von 1951. Dadurch hat der Leser die Gelegenheit, herauszufinden, worin das Besondere an Bradburys grandiosem Roman ist.

 

Das Offensichtlichste ist die Sprache. Möglicherweise ist das auch den unterschiedlichen Übersetzern geschuldet, aber man spürt schon, dass Bradbury in der Romanbearbeitung fast jeden Satz auf den Prüfstand stellte und sich um eine größere Klarheit bemühte, die durch die sorgfältige Bilderwahl teilweise an Lyrik erinnert.

Aus der zwar spannenden, aber nicht besonders berührenden Geschichte, deren Idee von der Umkehrung der Aufgabe des Feuerwehrmannes durchaus innovativ war, schmiedet Bradbury so ein komplexes und in sich geschlossenes Werk, das weit über die Idee der Novelle hinausgeht.

 

Bradburys zukünftige Gesellschaft erscheint als eine folgerichtige Entwicklung der Gegenwart. Konsum, Medien und Fortschritt führen zu einer geschlossenen Lebensweise, die keine Bedrohung durch Weiterentwicklung verkraftet. Der Status Quo beruht auf das konsequente Festschreiben des Bestehenden. Bücher mit ihren irrealen Welten, die die Vorstellungskraft anregen und die Wirklichkeit eventuell in Frage stellen, werden verbrannt. Sie gelten plötzlich als Ursache aller Zivilisationsprobleme, müssen ausgelöscht werden. Die allmählich vollzogene Gleichschaltung des Denkens, nah an der Auflösung der Individualität wird als Gipfel der Evolution verstanden. Das Leben im Jetzt führt zur fast manischen Angst vor dem Gestern, fördert das automatische Vergessen und verdammt alles, das über das Heute hinausgeht.

Diese verstörende Utopie kleidet Bradbury in eine kraftvolle und hochdramatische Handlung, in der Feuerwehrmann Guy Montag aus seinem Leben ausbricht. Wir erleben diesen Ausbruch zunächst als langsames Erwachen, bis es dann zu einer schnellen Befreiung in letzter Sekunde wird und in der Zerstörung der Stadt gipfelt. Obwohl der Krieg die gesamte Handlung über im Hintergrund dräut und droht, legt Bradbury sie mit der Ankunft Montags in der ungewissen Freiheit zusammen. Auch hier liegen Stille und Lärm beieinander, eine konträre Situation, die das Buch durchzieht. Man könnte es auch als Geburt beschreiben. So wie die Gesellschaft sich in sich selbst zurückgezogen hat, so gräbt sich Montag Schicht für Schicht aus ihr hervor.

Als Leser verfolgt man das zum Teil atemlos, so virtuos verbindet Bradbury die einzelnen Bedeutungsebenen mit einer effizienten und eindringlichen Sprache. Auch nach fast 60 Jahren ist der Roman so heiß und wuchtig, wie zu seinem Erscheinen. Und gerade diese Alterslosigkeit, die Gültigkeit auch für den heutigen Alltag mit all seinen dunklen Ahnungen der Zukunft, sind die Überraschungen der Lektüre.

 

Sascha Mamczak liefert in seinem Nachwort eine sehr ausführliche Auseinandersetzung mit dem Werk und ihrer Bedeutung, was die Würdigung durch den Heyne-Verlag noch unterstreicht.

 

Fazit:

„Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury ist sowohl literarisch, als auch thematisch ein herausragender Klassiker. Wer ihn bisher noch nicht gelesen hat, erhält mit dieser Gedenk-Ausgabe die Gelegenheit, tiefer in die Werksgeschichte einzusteigen und anhand der zugrundeliegenden Novelle selbst herausfinden, worin der ganz besondere Reiz des Buches besteht.

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Eure Meinung:

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Buch:

Fahrenheit 451

Original: Fahrenheit 451, 1953; The Fireman, 1951

Autor: Ray Bradbury

Übersetzer: Fritz Güttinger und Jürgen Langowski

Nachwort: Sascha Mamczak

Taschenbuch, 304 Seiten

Heyne, 12. Juli 2010

 

ISBN-10: 3453527038

ISBN-13: 978-3453527034

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 11.12.2010, zuletzt aktualisiert: 05.08.2019 18:51