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Ich will dich nicht töten von Dan Wells

Rezension von Bine Endruteit

 

"Ich will dich nicht töten", so lautet der Titel der dritten Geschichte um den Soziopathen John Cleaver, der sein Bestes gibt, um nicht zu einem Killer zu werden, obwohl er genau weiß, dass er alle Voraussetzungen dafür mitbringt. Wer die beiden vorangegangenen Romane noch nicht kennt, sei jedoch gewarnt: In dieser Inhaltsangabe kommen Dinge zur Sprache, die gerade im ersten Teil eine Schlüsselrolle spielen. Wer die gesamte Serie noch mit Spannung lesen möchte, sollte also an dieser Stelle lieber zum Buch "Ich bin kein Serienkiller" greifen, anstatt hier weiterzulesen, es lohnt sich! Für alle anderen:

 

Inhalt:

John Cleaver hat bereits zwei Dämonen umgebracht. Er weiß, dass die meisten Serienkiller keine Menschen, sondern grausame Wesen mit übermenschlichen Kräften sind, die sich aus unterschiedlichen Gründen auf die Jagd nach Menschen gemacht haben. Nach seinem letzten Abenteuer hat er "Niemand", einem Dämon, der zu den Anführern zu gehören scheint, offen am Telefon den Krieg erklärt und wartet nun darauf, dass er oder sie ihn holen kommt. Vorerst rechnet John, der sich als Soziopath ausschließlich auf sein analytisches Talent verlässt, mit einer Frau, da er am Telefon eine Frauenstimme gehört hat. Es dauert zwar eine Weile, aber irgendwann scheint "Niemand" tatsächlich den Weg in die kleine Stadt gefunden zu haben, in der John lebt, denn es werden Menschen gefunden, die auf grausamste Weise getötet werden: Erst werden sie erschossen, dann trennt ihr Mörder ihnen die Hände ab und schneidet die Zunge heraus und anschließend sticht er mit einem Messer wild auf sie ein. Als Abschluss steckt er ihnen Pfähle in den Rücken. Dieser Serienkiller wird von allen nur Handlanger genannt und John ist sich sicher, dass er es hier mit dem Dämon zu tun hat, den er nun jagen will, der aber ebenso nach ihm Ausschau hält.

 

Zum Glück muss sich der Jugendliche diesmal nicht alleine mit dem Fall beschäftigen, den er hat eine Freundin gefunden. Marci ist das hübscheste Mädchen an der Schule, allerdings nervt es sie gewaltig, dass ihr immer nur alle Jungs in den Ausschnitt schauen. John ist da ganz anders, er redet mit ihr auch über ernsthafte Dinge und starrt sie nicht an, weshalb sie immer mehr Zeit mit ihm verbringt. Nur ist Soziopath John verwirrt deswegen und kann nicht recht zuordnen, was passiert. Allerdings schätzt er es sehr, dass er sich mit ihr über den Fall des Handlangers unterhalten kann, zumal Marcis Vater Polizeibeamter ist und er so an zusätzliche Informationen kommt.

 

Rezension:

Im dritten und letzten Band der Trilogie wird John auf das heftigste mit seinen eigenen Gefühlen konfrontiert. Der Autor Dan Wells lässt seinen Protagonisten mit dessen neuer Freundin Marci ein eigentlich recht gewöhnliches Szenario von erster Liebe durchleben, nur dass bei einem Soziopathen, der Dämonen jagt, alles viel verwirrender und intensiver ausfällt. Wells gelingt es perfekt, sich in die Psyche eines solchen Menschen hineinzuversetzen und lässt die Gedanken seiner Romanfigur äußerst glaubwürdig erscheinen.

 

Die Geschichte ist äußerst komplex. Nachdem der Leser bereits zwei Bände der Geschichte gelesen hat und weiß, womit John es zu tun hat, ist es natürlich eine Herausforderung, die Fortsetzung ebenso spannend zu gestalten. Das gelingt Wells diesmal nicht nur durch die besondere Tragik, wie im letzten Teil, sondern auch durch einen besonders tiefen Einblick in die Psyche von John. Natürlich hat er das bei den Vorgängern auch getan, nur hat sich der Protagonist inzwischen extrem weiterentwickelt und steht diesmal vor einem noch kniffligeren Fall bei der Suche nach dem Dämonen. Auch neu ist, dass er dabei Unterstützung bekommt.

 

"Ich will dich nicht töten" ist die bisher vielschichtigset Erzählung aus dem John Cleaver-Zyklus von Dan Wells. Besonders das Ende ist wirklich überraschend. Gerade als man meint zu wissen, was passieren könnte, kommt es doch ganz anders. Und das gleich an mehreren Stellen, so dass man vor Spannung das Buch am liebsten gar nicht mehr beiseite legen möchte, bis man weiß, was noch mit John passiert. Trotz (oder vielleicht gerade wegen?) des empathischen Mangels des Protagonisten wird der Leser besonders tief in die emotional aufwühlende Welt hineingezogen, von der hier erzählt wird.

 

Auch die Aufmachung des Buches ist wieder rundum gelungen. Der Einband wirkt fast wie eine (Dämonen)Haut und der ungerade Schnitt an der Seite passt gut zu der Stimmung des Buches. Bloß der Klappentext ist leider ein Desaster, ein kurzes und knappes Desaster. Denn er macht zwar neugierig, beschreibt den Inhalt aber total falsch, beginnt er doch damit, dass John behauptet, er sei verliebt, was ein Siziopath, wie er hier dargestellt wird, nie sagen würde. Das ist aber auch schon der einzige Wermutstropfen.

 

Fazit:

Ein rundum gelungener Fantasy-Thriller, den man in kürzester Zeit mit Spannung verschlingen kann und wird. Aber bitte nur mit den Augen, denn Dämonen fressen Menschen, keine Bücher!

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Buch:

Ich will dich nicht töten

Original: Full of Holes

Autor: Dan Wells

Übersetzer: Jürgen Langowski

Broschiert, 448 Seiten

Piper, 13. September 2010

ISBN-10: 3492267815

ISBN-13: 978-3492267816

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.11.2010, zuletzt aktualisiert: 12.07.2019 15:15