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Imperium von Robert Harris

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

M. Tullius Tiro wechselt im Alter von 24 Jahren in den Sklavendienst bei seinem neuen Herren Marcus Tullius Cicero, einem geschickten, aufstrebenden Anwalt, der vor allem mit seiner versierten Sprache von sich reden macht. Doch Cicero verfolgt höhere Ziele, schafft es in den Senat und bringt sogar den Mut auf, den gefürchteten Betrüger Verres auf die Klagebank zu setzen – und dies an der Seite von Tiro, der mittels eines ausgeklügelten Kurzschriftsystems ständig skizziert, was Cicero mit seinen Worten zustande bringt.

Seine offensive Arbeit und die Entwicklung seiner Redekunst machen Cicero zu einer der am meisten gefürchteten aber auch beliebtesten Personen des Römischen Reiches, obschon er als homo novus unter den befeindeten Aristokraten überhaupt kein Ansehen genießt. Denoch geht er seinen Weg, immerzu mit Tiro an seiner Seite, kandidiert für den Posten des Prätors und legt sich selbst im höchsten Rang mit den mächtigen Personen an der Spitze des Staats an. Doch nur so gelingt es ihm fortwährend, die Gerechtigkeit zu wahren und einen bevorstehenden Staatsstreich aufzudecken, bevor er vollzogen wird – auch wenn hierzu oftmals unliebsame Bündnisse notwendig sind…

 

 

Rezension:

Robert Harris avancierte bereits mit seinem letzten Roman „Pompeji“ sowie der gewagten, fiktiven Historienanalyse „Vaterland“ zu einem der gefragtesten Autoren in diesem Bereich und gilt seither als der mitunter lebendigste Erzähler auf dem Gebiet der antiken Literatur. Eben diesen Ruf untermauert der talentierte Schriftsteller nun auch mit seinem neuen Meisterwerk „Imperium“, einer etwas frei interpretierten Biografie des römischen Staatsmannes Cicero, die sich in erster Linie mit dessen politischem Werdegang auseinandersetzt.

Harris schildert die Dinge aus der Sicht seines privaten Sekretärs Tiro, der von Anfang an von Ciceros Edelmut gegenüber der Sklaverei profitiert, seinem Stand durch sein ungeheures Talent als Schreiber entfliehen kann und somit zur gefürchteten Waffe seines Herren wird – ohne dies überhaupt zu realisieren. Maßgeblich beteiligt er sich an der Inszenierung mehrerer politischer Attacken, bereitet Ciceros wortgewandte Reden vor, ist ihm Stütze in den schweren und kritischen Zeiten und riskiert zum Ende hin sogar sein Leben für die Gerechtigkeit, die der einstige Anwalt sein Leben lang zu vertreten ersucht. Unterdessen macht Cicero mit behäbigen Fortschritten Karriere, schlägt den Widerstand gegen seine nicht-aristokratische Herkunft mit großem Erfolg nieder, muss sich aber permanent weiteren Ränkespielen stellen, denen solch große Figuren wie sein Anwaltskollege Hortensius, der triumphale Kriegsherr Pompeius sowie der junge Caesar angehören – Namen, denen Cicero im Verlauf seiner stringent voranschreitenden politischen Karriere immer wieder die Stirn bieten muss, und denen er durch Raffinesse und Redegewandtheit stets einen Schritt voraus sein muss.

 

Dies alles klingt zunächst einmal weniger spannend, entsteht doch leicht der Eindruck, es handele sich bei Harris’ Roman lediglich um eine biografische Abhandlung der wichtigsten Eckpunkte in Ciceros Leben, was grob betrachtet auch tatsächlich so sein mag, dem literarischen Genie des Autors aber nicht mal im Ansatz gerecht würde. Dieser nämlich schmückt die Historie mit stattlichen Elementen eines Thrillers aus, führt die eleganten Rhetorik-Künste des Protagonisten mit einer unbeschreiblichen Leidenschaft auf und belebt somit einen Teil der nüchternen Geschichte, in dem er sie in den Rahmen eines beispiellosen, gewissermaßen unterhaltsamen, vor allem aber sprachlich begeisternden Abenteuers packt, das man als interessierter Analytiker der römischen Geschichte auf jeden Fall gelesen haben sollte – nicht zuletzt, weil Harris sich in keinem Part von Fakten und Tatsachen distanziert, zumindest nicht wirklich spürbar. Somit ist „Imperium“ nicht nur belebte Geschichte, sondern auch realistisch ausgerichtete Polit-Thriller-Kost in einem außergewöhnlichen, beeindruckenden Setting.

 

 

Fazit:

Robert Harris ist und bleibt ein fantastischer Erzähler, ganz egal mit welchen historischen Inhalten er sich nun beschäftigt. Die Ausschmückungen sowie der generelle Inhalt in „Imperium“ sind für einen Roman dieses Genres außerordentlich lebendig, die Geschichte selber ein geradezu perfektes Beispiel einer sympathischen Hymne auf einen großen Staatsmann. Folgerichtig gelingt Harris mit „Imperium“ einmal mehr ein Sieg auf ganzer Linie. Diejenigen, die schon von „Pompeji“ und „Vaterland“ begeistert waren und vor allem den unverkennbaren Stil des Autors – ganz unabhängig von der Story – lieben, kommen an seinem neuesten Werk nicht vorbei.

 

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Imperium

Autor: Robert Harris

Broschiert: 479 Seiten

Verlag: Heyne TB (März 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453470834

ISBN-13: 978-3453470835

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 21.04.2008, zuletzt aktualisiert: 12.07.2019 15:15