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7 Fragen - 7 Antworten: Timo Kümmel - Arkham und andere düstere Plätze

Redakteur: Michael Schmidt

 

Fantasyguide: Hallo Timo. Stell dich doch unseren Lesern mal vor!

 

Timo Kümmel: Wie gerne würde ich einfach Boris Kochs gewieftes Manöver aus dem Interview Ende letzten Jahres zitieren … Aber sei es drum, eine krude Kernspintomographie meiner Person:

80er Fabrikat. Nach den üblichen Verwirrungen im und durchs Schulsystem und einer Ausbildung zum Holzbildhauer, studiere ich derzeit Freie Malerei und Grafik in Karlsruhe.

Vom Erstlesealter an verfiel ich der phantastischen Literatur, erinnere mich unter einem breiten Grinsen an Titel wie etwa „Die Vampire von Gurgelbeiß“ …

Auch wenn man mich ob meiner Arbeiten klar dem Horror-Genre zuordnen mag, bevorzuge ich als Konsument damals wie heute keine bestimmte Spielart der Phantastik, sondern wildere nach Lust und Laune in allen greifbaren Gefilden.

In der Szene bin ich seit nunmehr zehn Jahren unterwegs – mal mehr, mal weniger präsent. Nachdem ich vor zwei Jahren kurz davor war, mich als Aktiver zurückzuziehen, habe ich die letzten anderthalb Jahre so viel gewerkelt wie noch nie zuvor …

Neben der Kunst und Literatur ist die Musik meine dritte große Leidenschaft. Ich bin aber auch hier kein Hardliner, sondern erschrecke meinen Ohrenschmalz vorzugsweise mit unerträglichen Arrangements jeglicher Couleur.

 

 

Fantasyguide: Im Atlantis Verlag erscheint „Das Arkham Sanatorium“ von Markus K. Korb und Tobias Bachmann (Arkham Sanatorium) . Erzähl doch mal von dem Buch und was spielst du dabei für eine Rolle.

 

Timo Kümmel: Die beiden visionären Wortschmiede haben damit einen Episodenroman geknüpft, der einer beidseitig geschliffenen Klinge gleichkommt. Ein Werk um den Wahnsinn und die unauslotbaren menschlichen Abgründe der Bewohner eines nur allzu bekannten Küstenstädtchens. Die Leidenswege und Albrealitäten der Insassen des Sanatoriums von Arkham verschmelzen zu einer apokalyptischen Sturmfront kosmischer Ausmaße, die unerbittlich über dem Horizont des Menschengeschlechts heraufzieht …

… um es mal leidenschaftlich zu umschreiben ;-).

Aber zu mehr will ich mich auch nicht hinreißen lassen – Lesen lautet die Devise.

 

Gewiefte mögen es bereits vermuten: mein Anteil äußert sich in der visuellen Gestaltung.

Angefangen bei dem Cover, über Vignetten der Zwischenkapitel, bis hin zu einleitenden Illustrationen aller dreizehn Hauptkapitel.

Darüber hinaus habe ich eine Autogrammkarte gestaltet, die allen Vorbestellern als kleines Dankeschön beigelegt wird – natürlich von Tobias, Markus und mir signiert. Diese, wie auch zwei meiner Innenillustrationen kann man auf der Page zum Buch einsehen.

 

 

Fantasyguide: Ich sprach auf dem Bucon Guido Latz auf das Buch an und er meinte, das Buch wird immer dicker, da fast täglich Emails eines gewissen Timo Kümmel eintrafen.

 

Timo Kümmel: Gegen mich helfen auch keine Antibiotika ;-).

Naaa, ich schätze es sehr, mit den Autoren und Verlegern über meine Illustrationen Zwiesprache zu halten. Deren Meinung ist mir sehr wichtig, und nicht selten kommen von dieser Adresse die besten Anregungen und auch die ebenso gewichtigen Bedenken und Korrekturvorschläge.

Wir haben ja auch direkt wegen dem Sanatorium einen umtriebigen Rundmailzirkel ins Leben gerufen ...

 

 

Fantasyguide: Deine Bilder haben einen recht hohen Wiedererkennungswert. Wie würdest du deinen Stil charakterisieren? Gibt es Vorbilder?

 

Timo Kümmel: Und ich dachte immer, ich hätte keinen Stil … Eine Charakterisierung dieser Lücke hebe ich mir fürs nächste Interview auf, hehe.

 

Es gibt unglaublich viele großartige Genrekünstler, aber bewusst orientiere ich mich an keinem. Auch wenn man das ob des Kontrastes zu meinen Arbeiten nicht vermuten mag, halte ich Gerald Brom für sehr wichtig – seinen eher künstlerisch genuinen Arbeiten sieht man Obsession und Herzblut an, die bei mir den richtigen Nerv anbohren. Seine gängigeren Genrebilder werden derweil aber von so vielen in Stil und Duktus kopiert, dass sie leider viel Kraft einbüßen und verbraucht wirken.

 

Mein Lieblinge rekrutieren sich vielmehr aus der Freien Bildenden Kunst wie etwa Jenny Saville, Gottfried Helnwein oder Heike Ruschmeyer.

 

Fantasyguide: Gönne uns doch mal einen Blick in deine Künstlerwerkstatt. Wie gehst du beim Erstellen der Illustrationen vor?

 

Timo Kümmel: In meinen Anfängen als reiner Tuschegrafiker stieß ich irgendwann an meine Grenzen, war unzufrieden mit dem Medium und den beschränkten Möglichkeiten. Erst der Schritt zur digitalen Kunst vor zwei Jahren brachte mir die nötigen Horizonte für Vision und Entfaltung zurück. Dabei verstehe ich die Vorbehalte einiger nur allzu gut. Ich komme ja selbst aus dem Handwerk und hätte bei meinen ersten digitalen Versuchen in den Tisch beißen können, als ich sah mit welch simplen Tricks und Filtern sich mancherlei Effekte zaubern lassen. Aber hier wie auch im Handwerk muss man sein Material und das Medium beherrschen, braucht einen ästhetischen Blick fürs Gesamtbild und die Details, sonst geht es über unharmonisch zusammen gepappte Arrangements mit Lamettaglitzer nicht hinaus .

Nur weil ein Schreiberling die Vorzüge der modernen Textverarbeitung mit der von Gott gegebenen Rechtschreib- und Grammatikkorrektur nutzt, anstatt per Hand auf Papier zu schreiben, wird er noch lange nicht zum guten Autoren ...

Natürlich gibt es in der digitalen Kunst ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Manche davon mögen weniger aufwendig und simpler als die anderen sein ... Da sollte man wohl noch die schlichte Bildbearbeitung ausklammern.

Meine Arbeiten sind ein Gemisch aus direktem digitalem Malen und der Einflechtung von Fotomaterial, die mal in einem größeren Detail, aber sehr oft nur als Strukturquelle für selbst gebastelte Objekte und Arrangements zum Einsatz kommen. In der Regel bestehen meine Bilder aus 30 bis 100 einzelnen Schnipseln, die ich ineinander arbeite. Dabei bin ich in erster Linie ein klarer Konstrukteur, weiß eigentlich immer genau wo ich hin will und arrangiere demnach alle nötigen Strukturen und Bildelemente. Den weiteren Ablauf zu schildern ist ungleich schwieriger. Im aufwendigsten Fall bastele ich aus wenigen Quadratzentimetern Steinstruktur ein ganzes Haus, mal verändere ich Referenzen nur in unzähligen Details. Der an Zeit und Energie intensivste Abschnitt folgt erst nach der abgestimmten Komposition. Hier verwebe ich dann alles miteinander, male mit Farben und Strukturen darüber, bis sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt.

Seit einigen Wochen malträtiere ich unter holprigen Gehversuchen ein Grafiktablett. Dieses edle Werkzeug wird zweifellos mehr und mehr Gewicht in meinen Arbeiten gewinnen.

Freikünstlerisch bin ich übrigens nach wie vor ein reiner (nahezu fotorealistischer) Ölmaler.

 

Fantasyguide: Neben deinen Illustrationen bist du zusammen mit Markus Kastenholz Herausgeber des Magazins Nocturno (Nocturno). Der letzte Band erschien im März 2006. Gerüchten zu Folge ist die 7 nicht mehr allzu weit. Ist da was dran?

 

 

Timo Kümmel: Nein, wir arbeiten derzeit an keiner neuen Ausgabe. Nach der #6 nahmen wir uns eine Auszeit, und haben nun beschlossen, diese ohne feste Begrenzung zu verlängern.

NOCTURNO liegt Markus und mir wirklich sehr am Herzen, aber eine Anthologie dieser Art verlangt auch einfach, dass man sich ihr mit gebührendem Respekt, Energie und Zeit widmet. An Letzterem hapert es im Moment leider bei uns, denn eine Fortsetzung soll ja nicht einfach ein Schnellschuss aus schlechtem Gewissen heraus, sondern ein weiterer Schritt nach vorne werden.

Gerade die klare Absage an jeglichen Termindruck gibt uns derzeit ein gutes Gefühl von Freiheit, das wir sehr genießen. Wenn die Zeit für die #7 kommt, werden wir ein paar Scheite im Ofen der Gerüchteküche drapieren ...

 

Fantasyguide: Werf doch mal einen kurzen Blick in die Zukunft und sag uns, was wir in nächster und auch ferner Zukunft noch von Timo Kümmel zu erwarten haben?

 

 

Timo Kümmel: Ach, die Zukunft, dieses schlüpfrige kleine Scheißerchen ...

Natürlich pflege ich meine Wünsche, Träume und Ambitionen. Hoffe, wie jeder Kreativling, dass meine Arbeiten Anklang finden, ich an interessanten Projekten mitarbeiten darf und aus der Leidenschaft längerfristig gar ein materielles Standbein wird.

Ein paar Projekte und Vorhaben sind natürlich in der Schwebe, aber ich rede ungern über halbgare Kartoffeln – man sieht sich ;-).

 

 

Fantasyguide: Wir bedanken uns für das interessante Gespräch und wünschen dir für die Zukunft alles Gute.

 

 

Timo Kümmel: Ich danke - an dieser Stelle auch mal als Leser eures engagierten eZines!

 

Eure Meinung:

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Erstellt: 31.01.2007, zuletzt aktualisiert: 14.03.2019 19:00