Interview: Felix Mertikat und Benjamin Schreuder (Comic: Jakob)
 
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Interview mit Felix Mertikat und Benjamin Schreuder

Redakteur: Olaf Kieser

 

Für ihr Comic-Debut „Jakob“ erhielten Felix Mertikat und Benjamin Schreuder auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse gleich einen der renommierten Sondermann-Preise. Felix Mertikat könnte Rollenspielern bekannt sein, war er doch schon als Illustrator für verschiedene Systeme tätig ( z.B. Shadowrun und das). Benjamin Schreuder ist als Lektor für diverse Filmproduktionsfirmen tätig. Beide sind Mitbegründer des Crossmedia Studios ZEITLAND. FantasyGuide.de sprach mit Felix Mertikat und Benjamin Schreuder über ihren Comic „Jakob“.

 

 

FantasyGuide: Glückwunsch zur Auszeichnung mit dem Nachwuchs-Sondermann. Wie fühlt man sich, wenn man mit seinem Debüt gleich einen renommierten Preis erhält?

 

Felix : Super! Es ist unglaublich, dass eine Arbeit, in die man alle Kraft steckt, am Ende auch von der Öffentlichkeit so belohnt wird. Das wäre natürlich niemals möglich gewesen, ohne all die Menschen die hinter uns standen und uns Kraft gegeben haben.

 

Benjamin : Besonders Filip Kolek und Andreas Mergenthaler von Cross Cult möchten wir danken. Sie haben einen tollen Job gemacht und immer an uns geglaubt. Wie es sich für mich anfühlt? Seit Anfang des Jahres geht es Schlag auf Schlag, im besten Sinne: Für uns als Comic-Debütanten war es schon was ganz Besonderes, die frisch gedruckten Bücher in Händen zu halten. Dann die Einladung zum Comic Salon Erlangen mit großzügiger Ausstellungsfläche, der dortige Run auf unsere Bücher und das gesamte „Jakob“-Programm (mit Führungen, interaktivem Comic-Maker und Multimedia-Lesung), das fantastische überregionale Medienecho... der Nachwuchs-Sondermann ist sicherlich die Krönung all dessen.

 

 

FantasyGuide: Wie lange habt ihr an „JAKOB“ gearbeitet?

 

Felix: Manchmal kommt es mir so vor, dass die Zeit viel zu schnell vorbeiging. De facto haben Konzeption und Textarbeit zehn Monate benötigt, das Zeichnen und die Postproduktion (optische Feinarbeiten, Festlegung von Sprechblasen und Schrift) haben dann nochmal drei, vier Monate in Anspruch genommen.

 

 

FantasyGuide: Was hat euch als Inspiration gedient?

 

Felix: Im Prinzip die Geschichte selbst. Ich habe es selten zuvor so erlebt, dass mich eine Geschichte so stark antreibt und die Macher von sich aus anleitetet. Für die visuelle Gestaltung habe ich mir andere Comics angeschaut, allen voran „Hellboy“. Vom Zeichnen her haben mich Bilder von Sergio Toppi, der visuelle Stil von Studio Ghibli-Filmen und alte Aquarelle von mir unbekannten Künstlern inspiriert.

 

Benjamin: Obwohl ich in den letzten 10 Jahren durchgängig in Städten wohnte, kann ich meine Herkunft vom Land nicht verleugnen. Die intensivsten Ideen kommen mir unter freiem Himmel oder basieren zumindest auf Erlebnissen in der Natur. Auch Träume und Automatisches Schreiben liefern mir viele Ideen. Literarische Einflüsse kommen unter anderen von „Der kleine Prinz“, „Momo“, „Pinocchio“, den Märchen der Grimms und von Hans Christian Andersen. E.T.A Hoffmann (und viele andere Autoren der Deutschen Romantik), Kafka und Haruki Murakami haben sicher auf ihren Stempel hinterlassen.

 

 

FantasyGuide: „JAKOB“ wirkt beim Lesen ziemlich elegisch. Möchtet ihr eure Leser deprimieren?

 

Felix: Für mich hat „Jakob“ trotz aller Schwermut, die in der Geschichte mitschwingt, genug Enthusiasmus und Lebensfreude mit auf den Weg bekommen, um den Leser über alle 64 Seiten zu tragen. Wir als Erschaffer, sehen in jedem Fall mehr lebensbejahende Ermahnungen als ins depressive ziehende Tendenzen.

 

Benjamin: Mit „Jakob“ hatten wir keine bestimmte Absicht dem Leser gegenüber. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Respekt vor dem individuellen, mündigen Menschen, der das Buch in die Hand nimmt. Das Ende stößt womöglich manchen vor den Kopf, da wir keinen utopischen Ausweg, keine Lösung präsentieren – aber wir sagen zugleich auch nicht, dass mit dem Tod alles endet und außerdem hat er für Jakob nichts Bedrohliches. Ansonsten umfasst Jakobs Reise bei allen Enttäuschungen auch die schönen Momente des Lebens. Vor allem die Freundschaft mit dem Schildkrötenjungen ist ein schöner Trost. Um der Ambivalenz gerecht zu werden, könnte man Jakob als „Elegie aufs Leben“ bezeichnen.

 

 

FantasyGuide: Gibt es Pläne für weitere gemeinsame Comic-Projekte?

 

Felix: Cross Cult hat uns für ein weiteres Comicprojekt an den Tisch zurückholen können. Was die Frage zur Hälfte schon beantwortet hat. Die Geschichte wird in einem Steampunk-Universum spielen. Für skurrile Charaktere, bizarre Kriminalfälle, groteske Maschinen und seltsame physikalische Phänomene wird also gesorgt sein. Das Ganze wird deutlich unterhaltsamer, in Teilen „erwachsener“ und vielleicht auch mainstreamtauglicher, allerdings in Verbindung mit der inhaltlichen und emotionalen Tiefe, die wir bei „Jakob“ angestrebt haben. Der Titel des ersten Bandes wird „Das Kupferherz“ lauten.

 

 

FantasyGuide: Mal angenommen „JAKOB“ sollte verfilmt werden. Welchen Regisseur würdet ihr auswählen und würde es ein Animations- oder ein Realfilm werden?

 

Felix/Benjamin: Wir können uns beide Formen SEHR GUT vorstellen, da sie dem Zuschauer ganz unterschiedliche Erlebnisse bieten würden. Ein Realfilm bräuchte in jedem Fall stark geschminkte und kostümierte Schauspieler – und auch die Tierwesen sollten von realen Schauspielern interpretiert werden. Als Regisseur werfen wir Jean-Pierre Jeunet in den Ring mit Wes Anderson und Terry Gilliam (mit „Tideland“-Qualität) in den Ring und würden die drei unter sich regeln lassen, wer den Zuschlag bekäme. Beim Zeichentrick würden wir definitiv Studio Ghibli, die mit „Totoro“ und „Mononoke“ geistige Väter eines möglichen Jakob-Zeichentrickfilms sind, vorziehen.

 

 

FantasyGuide: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202402272329233cab72ab
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MEDIUM: Comic

Jakob

Autor: Felix Mertikat und Benjamin Schreuder

Zeichnungen: Felix Mertikat

CROSS CULT, Ludwigsburg 2010

Gebunden

64 Seiten, 16,80 Euro

ISBN 978-3-941248-82-3

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 12.11.2010, zuletzt aktualisiert: 16.10.2023 21:13, 11251