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Interview mit Frank Festa

Redakteur: Michael Schmidt

 

 

_Frank Festa - Verleger des Festa-Verlag. Der Festa-Verlag begeistert die Leser aus dem Bereich Horror und Phantastik immer wieder mit neuen sehr guten Romanen. Mit Reihen wie z.B. Nosferatu, Lovecrafts Bibliothek und Edition Metzengerstein weiß Frank Festa sehr gut den Geschmack der Leser zu treffen. Wir haben Frank Festa einige Fragen zu seiner Person, zu den Zielen des Festa-Verlag und über sein neues Literaturmagazin "Omen" gestellt.

 

 

Fantasyguide: Hallo Herr Festa, es würde uns freuen wenn Sie unseren Lesern, sich und den Festa Verlag einmal kurz vorstellen würden.

 

Frank Festa: Ich bin 1966 geboren, als erstes Kind von sechs. Gelesen habe ich immer sehr viel, besonders Horror und Phantastik. Ich wollte Schriftsteller werden, aber einfach so kann man seine Jugendträume nun mal nicht verwirklichen, die Realität funkt dann dazwischen. Um Geld zu verdienen, machte ich eine Lehre zum KFZ-Mechaniker und später arbeitete ich in Fabriken – so blieb der Kopf frei für die Literatur. 1990 lernte ich meine Frau kennen, mit er ich seit 1992 glücklich verheiratet bin. Wir haben zwei Kinder, Laura und Dorian. Irgendwann habe ich ein Buch verlegt mit Kurzgeschichten vom Malte Schulz-Sembten, es folgte ein zweites, ein drittes … Das war Anfang 1997. Der Verlagsname war Edition Metzengerstein. Seit April 2001 führe ich den Festa Verlag, der spezialisiert ist auf Horror und Dark Fantasy. Wir sind recht erfolgreich, haben Taschenbuchlizenzen an Verlage wie Heyne oder Bastei verkauft, dazu auch Hörbuch- und ebook-Lizenzen und der Verlag wächst stetig.

 

 

Fantasyguide: Die meisten Literatur interessierten Menschen wollen Autor werden. Wie kommt man auf den Gedanken, Verleger zu werden?

 

Frank Festa: Tja, da wächst man rein, eher zufällig. Aus Liebe zum geschriebenen Wort.

 

 

Fantasyguide: Haben Sie einen Verleger als Vorbild? Ein Konzept dem Sie nacheifern, oder ergab sich die Richtung Ihres Verlages aufgrund eines persönlichen Gedanken?

 

Frank Festa: Alle guten Verleger sind mir Vorbild, von Samuel Fischer bis Klaus Wagenbach. Wohlgemerkt, wir reden hier über Verleger, nicht über diese Konzerne, an deren Spitzen Manager, aber keinesfalls Verleger sitzen. Mein großes Vorbild ist Ernst Rowohlt, der sich nie hat von Verkaufszahlen leiten lassen, sondern vom Bauch heraus. Wenn er meinte, dieses oder jenes Manuskript ist etwas wert, hat er es gemacht, und es war ihm egal, ob es vielleicht ein finanzieller Flop wird. Die Saat muss man großzügig streuen, und falls sie gut ist, wird die eine oder andere Blume schon blühen.

 

 

Fantasyguide: Ein Verlag muss aber Geld verdienen. Welcher Teil Ihres Programms ist die kommerziell tragende Säule und welcher Teil derjenige welchen Sie aus persönlichem Interesse unterstützen?

 

Frank Festa: So einfach kann man das nicht sagen. Eigentlich läuft alles recht gut, besonders die Vampirromane und die H. P. Lovecraft-Reihe. Die Sekundärliteratur zur Phantastik läuft nicht so toll, aber das war mir klar. Dieses Segment unterstütze ich, weil ich es wichtig finde, und zwar aus zweierlei Gründen: erstens ist die sekundäre Beschäftigung mit Literatur für Fans und junge Leser wichtig und zweitens ist dieses Segment nötig für das Verlagsprofil; ich versuche eine runde Sache aufzubauen.

 

 

Fantasyguide: Ein Kleinverlag muss mit Sicherheit mehr bieten wie ein großer, etablierter Verlag. Worin sehen Sie die Besonderheit ihres Verlages? Gibt es einen speziellen, literarischen Anspruch im Vergleich zur Konkurrenz? Worin sehen Sie das Besondere in Ihrem Programm?

 

Frank Festa: Wir machen nicht aus alt mach neu wie die meisten der Phantastik-Verlage. Also alte Heftromane in Buchformat nachzudrucken. Festa füllt eine Nische des Marktes, und zwar Horror und Phantastik, Schwerpunkt angloamerikanische Autoren. Diese Nische ist nicht groß, aber sie bietet einem kleinen Verlag genug Raum zum Überleben – und zur Entfaltung. Man kann also sagen, das Besondere an Festa ist, das wir die Nachfrage nach neuer phantastischer Literatur stillen, kein Recycling durchführen. Und wir unterscheiden uns von Großverlagen dadurch, dass wir in einem Bereich arbeiten, wo keine hohen Auflagen zu erreichen sind. Und das hoffentlich in guter Qualität zu fairen Preisen.

 

 

Fantasyguide: Gibt es Ihrer Meinung nach beim Kleinverlag im Vergleich zum Großverlag Unterschiede zum Verhältnis Verlag und Autor?

 

Frank Festa: Ein wenig. Bei den großen Verlagshäusern muss der Programmleiter alles erst absegnen lassen, und hat er alles geplant und der Autor ist schon Feuer und Flamme, da passiert es oft, dass die Vorgesetzen oder die Verlagsvertreter einfach ablehnen. Die ganze Kreativität verpufft im Nichts. Schade. Bei einem Kleinverlag wird viel focusierter gearbeitet ... Zumindest bei Festa.

 

 

Fantasyguide: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Zaubermond-Verlag und was bedeutet diese für Sie und auch im Bezug auf die Leser?

 

Frank Festa: Wir haben eine gemeinsame Reihe gestartet, die SF-Serie ASHES des Amerikaners William W. Johnstone, und zudem ein gemeinsames Prospekt drucken lassen. So konnten Leser von Zaubermond den Festa Verlag kennen lernen und umgekehrt. Wir hatten da keine Berührungsängste. Ich glaube, das war sehr professionell von uns durchdacht und hat beiden Verlagen wirklich viel gebracht. Weitere Projekte sind zur Zeit aber nicht geplant.

 

 

Fantasyguide: Welche Bücher in Ihrem Programm gefallen Ihnen persönlich am Besten. Welche können Sie unseren Lesern empfehlen?

 

Frank Festa: Natürlich kann ich alle Titel empfehlen ... Hmmm, das ist natürlich etwas unfair manchen Titeln gegenüber. Ich finde S. P. Somtows ›Dunkle Engel‹ ist ein geniales Buch. Es spielt zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs, das Grauen auf den Schlachtfeldern hat Somtow sehr intelligent mit dem literarischen Horror verquickt. Er hat ungeheuer viele Elemente eingesetzt. Durch Voodoo streifen geisterhafte Leoparden durch New York und toten Armeen erheben sich, Edgar Allan Poe und Lord Byron spielen eine Rolle, er schildert die Sklavenzeit und übt Sozialkritik ... Es ist wirklich ein Meisterwerk und hervorragend übersetzt. Für Vampirfreunde kann ich natürlich die diversen Reihen empfehlen: Brian Lumleys ›Necroscope‹-Saga bietet Super-Action, P. N. Elrods ›Vampirdetektiv Jack Fleming‹ verbindet das Thema mit Krimi-Elementen und Humor, Chelsea Quinn Yarbro soll laut den Fans die bessere Anne Rice sein. ›Kai Meyers Mythenwelt‹ bietet skurrile Fantasy ... Übrigens zeigen sich bei dieser Reihe alle Vorteile eines Kleinverlages. Ein amerikanischer Autor schreibt nach den Konzept eines deutschen Bestsellerautors sieben Romane für den deutschen Markt. An so etwas Exklusives hat sich doch noch kein großer Verlag herangetraut. Oder? Ist mir nicht bekannt.

 

 

Fantasyguide: Das stimmt. Mir ist da auch nichts bekannt ... Allgemein heißt es, Kurzgeschichtensammlungen verkaufen sich schlecht. Sie haben aber eine, wie ich finde, beachtliche Zahl solcher Anthologien in Ihrem Programm. Ein Widerspruch?

 

Frank Festa: Gut beobachtet ... Diese Anthologien sind bei uns ja in Reihen eingeschoben, keine Einzelveröffentlichungen. Nein, es ist kein Widerspruch. Ein kleiner Verlag kann von niedrigen Verkaufszahlen leben, bei größeren Verlagen ist der Kostenaufwand zu hoch, da lohnt sich so etwas nicht wirklich. Aber es ist eine Tatsache: Anthologien verkaufen sich nicht gut. Das ist sehr bedauerlich, denn gerade im phantastischem Bereich werden die besten Arbeiten in der kurzen Form verfasst.

 

 

Fantasyguide: Einzig deutscher Roman in Ihrem Programm ist ›Imagon‹ von Michael Marrak. Gibt es einen bestimmten Hintergrund dass so wenig deutsche Autoren bei Ihnen im Verlag zu finden sind?

 

Frank Festa: Das stimmt nicht, ich habe einigen deutschen Autoren Platz eingeräumt, und es werden einige Titel aus deutscher Feder erscheinen. Sie wollen jetzt hören, ich mag deutsche Autoren nicht, sie sind schlecht und so etwas in diese Richtung. Nun, deutsche Autoren bieten mir zu 99% Kurzgeschichten an, und die kann ich selten unterbringen, abgesehen von der furchtbaren Qualität. Entschuldigung, aber es ist meist wirklich schlimm, was mir da angeboten wird. Etwas Originelles ist eigentlich so gut wie nie dabei. Ich stehe nicht auf schlechte Kopien, da kümmere ich mich lieber um die Originale.

 

 

Fantasyguide: Sie finden also, die deutschen Autoren äffen die Amerikaner nach?

 

Frank Festa: Allgemein gesprochen, ja, sie äffen die Bestellerautoren nach. Ist es denn nicht so? Ich meine das übrigens nicht böse, ich stelle es nur fest. Wie heißen denn die Serien und deren Helden? Bitte, sollen wir uns anlügen oder die Tatsachen erkennen? Sagen Sie mir nicht Hohlbeins Werke seien typisch deutsch! Oder diese ganzen Fantasy-Klone! Ohne King, Lovecraft, Barker, Tolkien und Prachett sähe die moderne deutsche Phantastik ganz anders aus. Dieses Getue um die deutsche Phantastik ist so dumm, die Autoren sollten lieber versuchen, in sich hineinzuhorchen um eigene literarische Wege zu gehen. Andererseits ist das heute wohl sehr schwer für einen jungen Kreativen, diesen Einflüssen zu entgehen, denn TV, Buchmarkt usw. sind absolut durchtränkt von US-Vorlagen. Das ist sehr schade.

 

 

Fantasyguide: Aber Sie tun ja das selbe mit Ihrem Programm?

 

Frank Festa: Genau – ich habe doch auch nie etwas anderes behauptet. Ich finde die Originale eben viel besser. Sollte mir etwas frisches, eigenständiges angeboten werden, würde ich es wahrscheinlich veröffentlichen. Aber entweder sind es Kurzgeschichten, oder Klon-Romane oder Selbstanalysen der Autoren. Letzterer Schwerfälligkeit und Langweiligkeit ist zumindest typisch deutsch, aber das interessiert niemanden.

 

 

Fantasyguide: Laut Ihrer Werbung stehen die Romane von P. N. Elrod (Reihe ›Nosferatu‹) regelmäßig auf den US-Bestsellerlisten. Wie schaffen Sie es, diese Romane in Ihrem Programm aufzunehmen? Schlafen die großen Verlage?

 

Frank Festa: Nein, aber sie können ja nicht alles drucken. Und, wie gesagt, sie haben oft keinen Mut etwas Neues zu versuchen, nur ja kein Risiko eingehen. Da bleiben eben Nischen für kleinere Verlage offen. So produzieren die Großen einen endlosen Brei immer gleich bleibender Ausrichtung, und hat irgend ein Buch Erfolg, folgen sie dieser Windrichtung. Öde, oder? Das ist richtig traurig. Vor Jahren hat sich, ich glaube in Frankreich, ein bekannter Verleger einen Scherz mit dieser Horde gemacht. In einer Fernsehsendung wurde er gefragt, was der neue Trend wird, und er sagte mit bierernster Miene: Piratenromane. Und was ist passiert? Genau - alle diese ideenlosen Programmleiter kauften Romane über Piraten ein. Diese Welle schwabte sogar bis nach Deutschland rüber. War für die Verlage natürlich ein Flop.

 

 

Fantasyguide: Die deutsche Kleinverlagslandschaft hat in den letzten Jahren kräftig Zuwachs bekommen. Wer hat das Potential, zu den Großen dauerhaft aufzuschließen?

 

Frank Festa: Keiner!

 

 

Fantasyguide: Sehen Sie keine Überlebenschancen der Kleinverlagsszene?

 

Frank Festa: Doch, der eine oder andere Verlag kann sicher einige Zeit überleben, aber mit Phantastik wird keiner »groß«. Man kann dies als Sprungbrett benutzen, doch dann sollte man diversifizieren. Obwohl ich phantastische Literatur verlege, bin ich Realist!

 

 

Fantasyguide: Wie sehen sie das Programm der großen Verlage?

 

Frank Festa: Fade und langweilig ...

 

 

Fantasyguide: Welchen deutschen Phantastik-Autoren trauen Sie eine große Zukunft zu?

 

Frank Festa: Finanziell gesehen sind da einige, die gut verdienen könnten. Überragende literarische Talente sehe ich nicht – wir reden jetzt ausschließlich über die Phantastik-Autoren. Ich erhoffe mir von Michael Marrak noch einige großartige Romane. Er ist einer, der nicht nach den Markt schielt, sondern der aus einem Bedürfnis heraus schreibt. Aber ich befürchte, er wird in den Mühlen der großen Verlage »glattgeschliefen« werden, wie so manch anderer.

 

 

Fantasyguide: Sehen Sie einen Zusammenhang der Marktbeherrschung amerikanischer Filme zu deren Marktbeherrschung der phantastischen Literatur?

 

Frank Festa: Natürlich, unsere gesamten Medien sind absolut in den Händen der USA. Fast alle traditionellen Verlagshäuser sind an ausländische Konzerne verkauft werden. Der kürzliche Riesendeal mit Heyne, Ullstein, Econ, List und deren Unterverlage, die gingen an Random House, das mal Bertelsmann hieß. Das Unternehmen ist mehr oder weniger völlig amerikanisiert. Und solche Konzerne gestalten nun mal die weltweite Film- und Musikbranche. Unternehmen aus anderen Ländern passen sich den englischsprachigen Erfolgen an, sie müssen ja Umsatz machen, um zu überlegen.

 

 

Fantasyguide: Letzte Frage: Was wünschen Sie sich, ihrem Verlag und der deutschen Phantastikszene für die Zukunft?

 

Frank Festa: Unerwartete Erfolge. Eine neue Bewegung, neuen Schwung.

 

 

Fantasyguide: Kann es sein, dass Sie diese ›Bewegung‹ durch Ihr Literaturmagazin OMEN schaffen wollen?

 

Frank Festa: Volltreffer! Es ist der Versuch, jungen Talenten eine Plattform zu geben, den Austausch unter den Fans zu fördern. Zusammen mit unseren Hörbuchpartner LPL records haben wir daher auch unter www.Horror-Forum.com ein Online-Forum eingerichtet. Was nutzt mir der heutige Erfolg, wenn es morgen niemanden interessiert, was ich mache.

 

 

Fantasyguide: Jetzt aber wirklich die letzte Frage: Wann erscheint die erste Ausgabe von OMEN?

 

Frank Festa: Im Mai/Juni. Es wird ein Paperback-Magazin mit Stories von bekannten Autoren, etwa Michael Marschall Smith, Richard Laymon oder Kim Newman, und neuen Talenten aus den USA und Deutschland, Jeffrey Thomas, Holger Kutschmann, Andreas Gruber. Dazu auch eine klassische Erzählung, wahrscheinlich William Hope Hodgson. Alles natürlich in deutscher Erstveröffentlichung. Daneben gibt es Autorenporträts, Buchbesprechungen und Essays, etwa ›Lovecrafts Einfluss auf Fritz Leiber‹. Mit etwa 176 bis 200 Seiten soll es ein- bis zweimal pro Jahr erscheinen und etwa 12,95 Euro kosten.

 

 

Fantasyguide: Wir bedanken uns für das informative Interview und wünschen Ihnen in Zukunft Gesundheit und Erfolg!

 

Frank Festa: Ich habe zu danken!

 

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Erstellt: 31.12.2005, zuletzt aktualisiert: 17.11.2018 10:28