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KLP - Kurd Laßwitz Preis wird 25 Jahre

Redakteur: Michael Schmidt

 

Der Kurd Laßwitz Preis wird 25 Jahre alt. Grund genug, ihm ein paar persönliche Fragen zu stellen.

 

Fantasyguide: Lieber KLP. Stell dich doch mal kurz vor. Wer bist du, seit wann gibt es dich und welche Ziele verfolgst du?

 

KLP: Ich wurde 1980 von Uwe Anton, Werner Fuchs und Hans-Ulrich Böttcher ins Leben gerufen, um der Übermacht englischsprachiger SF ein Label entgegen zu setzen, das zumindest einigen Werken die Möglichkeit gibt, positiv aufzufallen. Als Literaturpreis für deutschsprachige Science Fiction in derzeit sieben Kategorien (Roman, Kurzgeschichte, Übersetzung, Titelgraphik/Illustration, Hörspiel, ausländisches Werk und Sonderpreis) versuche ich, mit dem Label „Ausgezeichnet mit dem Kurd Laßwitz Preis“ den prämierten Autoren, Übersetzern, Graphikern und Herausgebern einen Bonus zu verschaffen, in den Verlagen und im Buchhandel. Die Kategorie „bestes ausländisches Werk“ wurde übrigens nur geschaffen, um auch von englischen und amerikanischen Fachmagazinen wahrgenommen zu werden – letztendlich mit allen Kategorien. Die Wahl findet seither alljährlich schriftlich statt, nominiert werden pro Kategorie zwischen zwei und mehr als dreißig Werke, das ist sehr unterschiedlich. In 25 Jahren waren das rund 3000 Nominierungen, aus denen bislang 179 mal ein Preisträger gekürt wurde.

Wer mehr über mich wissen will, findet mich im Internet unter www.kurd-lasswitz.de. Dort findet man nicht nur alle Wahlergebnisse und die Nominierungen der letzten Jahre, sondern auch Hintergründe zur Geschichte des Preises, die Statuten, alle nominierten Stories und Graphiken, und schließlich viele Links auf die nominierten Werke (Rezensionen), Künstler (Homepages) und Verlage.

 

Fantasyguide: Was steckt eigentlich hinter dem Begriff „Abstimmungsberechtigte“? Wer darf beim KLP mitmachen und wer nicht? Und warum ist das so?

 

KLP: Die Idee der Gründer war, einen Preis „von Profis für Profis“ zu schaffen. Damit soll ich mich ganz bewusst von einem Leserpreis abgrenzen. Denn nicht das meistgelesene Werk, sondern das nach Wahl von Kennern beste Werk soll prämiert werden. Das heißt zum einen, dass nur professionell veröffentlichte Werke nominiert werden können, und zum anderen, dass nur Personen, die sich professionell mit der SF beschäftigen, an der Nominierung und der Wahl teilnehmen können. In der Adressliste sind rund 450 Personen erfasst, also Autoren, Übersetzer, Graphiker, Verleger, Lektoren, Herausgeber, Fachjournalisten, Hörspielregisseure und ehemalige Preisträger. Rund die Hälfte hat entweder darum gebeten, mangels Kenntnis der Jahresproduktion an SF aus dem Verteiler genommen zu werden, oder beteiligt sich nie. Die andere Hälfte ist aktiv und nominiert bzw. stimmt ab. Nicht jeder in jedem Jahr, aber die Resonanz ist recht gut. Im letzten Jahr haben sich beispielsweise 102 der deutschsprachigen SF-Profis an der Wahl beteiligt. Wer in die Liste der Abstimmungsberechtigten aufgenommen werden will, muss seine Eignung dem Treuhänder gegenüber glaubhaft machen.

 

Fantasyguide: Der KLP ist ja das Pendant des amerikanischen NEBULA. Allerdings gewannen beim NEBULA Autoren wie Fritz Leiber, Michael Moorcock oder Anne McCaffrey, die wohl eher der Fantasy zuzurechnen sind. Warum wird der KLP nicht auf das ganze Gebiet der Phantastik ausgeweitet? Gerade auch unter dem Hintergrund, dass die Genregrenzen immer mehr vermischen.

 

KLP: Mein Vorbild war tatsächlich der Nebula Award. Und wie dieser wurde ich als SF-Preis konzipiert. Allerdings nehmen es die Amerikaner nicht so genau mit den Genregrenzen wie wir Deutschen. Wir haben vor zwei Jahren eine Umfrage unter den Abstimmungsberechtigten gemacht, ob der KLP auf die anderen phantastischen Genre ausgeweitet werden soll, und zwei Drittel haben sich dagegen entschieden. Also bleibe ich ein SF-Preis. Es gibt allerdings den guten Vorschlag, einen Fantasy-Preis ähnlich wie den KLP ins Leben zu rufen. Mit Kategorien für Übersetzer und Graphiker. Denn auch diese hätten eine entsprechende Würdigung verdient, da sie bei Phantastikpreisen nicht berücksichtigt werden. Für so einen Preis benötigt man nur einen engagierten Treuhänder, besser noch ein agiles Team. Diese haben sich aber nicht blicken lassen, und mein Treuhänder ist schon voll ausgelastet ...

 

Fantasyguide: Bekannte KLP Gewinner sind Thomas Ziegler, Wolfgang Jeschke, Thomas Mielke und Andreas Eschbach, allerdings gewannen auch für mich unbekannte Künstler wie Richard Hey oder Reinmar Cunis. Wie kann man den Werbeeffekt des KLP charakterisieren? Und wo steht er im Vergleich zu anderen Literaturpreisen, speziell in der Phantastik?

 

KLP: Wie gesagt, wurde ich wegen diesem Werbeeffekt ins Leben gerufen. Das Problem ist aber, dass ein Buch schon eine Nachauflage erreichen muss, um das Label „Ausgezeichnet mit dem KLP“ für dieses Werk auf dem Cover zu erhalten. Andererseits gibt es mehr als 100 Bücher, wo meist der Autor, manchmal auch der Übersetzer oder der Graphiker, als Kurd Laßwitz Preisträger hervorgehoben wird. Das steht aber fast immer auf dem Backcover. Innerhalb der SF-Szene gilt die Auszeichnung mit dem KLP schon als etwas Besonderes, dass aber ein Autor deswegen mehr Bücher hat verkaufen können oder ein besseres Honorar aushandeln, lässt sich nicht nachweisen. Einen sehr guten Ruf genieße ich in den Rundfunkanstalten, dort wird auf die prämierten Hörspiele und deren Regisseure sehr positiv reagiert.

Im Fandom kommt oft die Frage nach der Konkurrenz auf, aber die anderen SF-Preise sind entweder Publikumspreise oder werden von zahlenmäßig kleinen Jurys vergeben. Somit bin ich mit einem definierten Abstimmungskreis von über hundert Fachleuten schon etwas besonderes – wie die anderen Preise auch, keine zwei Preise gleichen sich, wir ergänzen uns eher. Zumal viele Preise sich auch nicht auf die SF beschränken, sondern die gesamte Phantastik betrachten. Außerhalb der Szene werde ich aber genau so wenig wahrgenommen wie die anderen Genre-Preise. Ich bin halt auch nicht dotiert, dafür fehlt der Sponsor. Wichtig ist mir aber, dass immer auch die „verborgene Perle“ eine Chance haben sollte, nicht nur die bekannten Namen und die viel gelesenen, weil in großen Verlagen publizierten Werke. Falls Reinmar Cunis schon vergessen ist, wäre das wirklich schade. Wenn aber die Tatsache, dass er als Kurd Laßwitz Preisträger auftaucht, dazu führt, dass seine Werke noch gelesen werden, habe ich meine Daseinsberechtigung erfüllt.

 

Fantasyguide: Wenn Autoren, Zeichner, Übersetzer und Verleger sich selbst zur Wahl stellen, besteht ja immer die Gefahr von Seilschaften. Die Szene ist klein, jeder ist mit jedem verwoben. Wie repräsentativ sind denn die Ergebnisse des KLP? Oder ist der KLP nur Selbstbeweihräucherung?

 

KLP: Wenn über vierzig Fachleute nominieren und über hundert an der Wahl teilnehmen, ist das schon repräsentativ. Man kann sich als Abstimmungsberechtigter zwar selbst zur Nominierung vorschlagen, aber ohne eine breite Anerkennung landet man auf den hinteren Plätzen - wenn nicht das Vorauswahlgremium den Nominierungsvorschlag vorher schon mangels Qualität abgelehnt hat. Weder bei der Nominierung, noch bei der Vorauswahl und schon gar nicht bei der Wahl kann ein Einzelner oder eine kleine Gruppe maßgeblich das Ergebnis bestimmen. Dafür nehmen zu viele Personen teil. Natürlich gibt es knappe Ergebnisse, aber das weiß während der Wahl ja niemand außer dem Treuhänder.

In zwei der Kategorien, nämlich Hörspiel und Übersetzung, werden die Preisträger von eigenen Jurys bestimmt. Das hat rein praktische Gründe, weil Hörspiele nur einmalig ausgestrahlt werden und somit bei der Wahl nicht nachträglich verfügbar sind (außer für die Jury, die Mitschnitte erhält), und weil zum Beurteilen einer Übersetzung auch die Kenntnis des Originals gehört. Auch hier bekommen die Juroren vom Treuhänder Kopien von nominierten Übersetzungen und zugehörigen Originalen. Die Jurys bestehen aus Fachleuten, und wenn ein Juror nominiert wird, pausiert er in diesem Jahr. Aber auch in den anderen Kategorien wird sehr ernsthaft abgestimmt, und wer in manchen Kategorien zu wenig Ahnung hat, stimmt nur in den anderen ab. Es gibt auch pro Kategorie die Option, in dem aktuellen Jahr keinen Preis zu vergeben, wenn sich keine Nominierung als herausragend genug erweist. Und die Wähler haben das in 25 Jahren bislang 14 Mal genutzt. Das halte ich für ein Qualitätsmerkmal. Und schließlich erfolgt alles schriftlich. Der Treuhänder trennt zwar den eingesandten Wahlbogen vom Briefumschlag mit Adresse, aber richtige Seilschaften würde er dabei schon bemerken. Den Wählern ist aber der Preis anscheinend wichtig genug, so dass es bislang noch zu keinen Beeinflussungsversuchen kam.

 

Fantasyguide: Wird es in Zukunft Änderungen in den Kategorien geben oder sollen die bisherigen beibehalten werden? Und warum gibt es keine eigene Kategorie für Verlage?

 

KLP: Änderungen in den Kategorien gab es immer wieder, schließlich will ich ein lebendiger und aktueller Preis sein. So hatten wir mal zwischen Kurzgeschichte (bis 10 Seiten) und Erzählung (bis 100 Seiten) unterschieden. Oder es gab mal eine Kategorie Film. Beides macht hierzulande aber wenig Sinn. Die Trennung „short story“ und „novella“ ist US-spezifisch, und deutsche SF-Filme sind zu selten. Sie können aber für den Sonderpreis nominiert werden. Aktuell gibt es den Vorschlag, den Sonderpreis zu splitten, für einmalige Aktionen und für langjährige Verdienste. Wir werden das testen anhand der Nominierungen in den nächsten Jahren. Die Notwendigkeit einer Kategorie „Bester Verlag“ sehen wir nicht. Was sollte hier ausgezeichnet werden? Das Gesamtprogramm? Die verkaufte Auflage? Die Häufung von guten Autoren? Wie könnte man Heyne dann mit Shayol vergleichen? Die Arbeit des Verlegers oder Lektors? Das erfolgt bereits über den Sonderpreis. Den Layouter und den Umschlaggestalter? Das wäre zwar eine gute Anregung für Sonderpreis-Nominierungen, aber rechtfertigt keine eigene Kategorie. Aber ich bleibe für gute Argumente offen. SF-Computerspiele ist auch ein Kandidat für eine Kategorie, wo es schwierig würde, die Leistung vergleichbar zu machen und den Personen zuzuordnen. Aber auch dafür wurde der Sonderpreis geschaffen, für herausragende Leistungen, die nicht in die anderen Kategorien passen.

 

Fantasyguide: Und zuletzt: Wer ist Udo Klotz, Treuhänder des KLP?

 

KLP: Udo Klotz kam 1990 zum Kurd Laßwitz Preis als Nachfolger von Uwe Luserke, der sich seiner Literarischen Agentur vollzeit widmen wollte. Als Mitherausgeber des „Golem“, eines Jahrbuchs zur phantastischen Literatur, konnte Udo Klotz die Nominierungsunterlagen erstellen, und danach war der Weg zum Treuhänder nur kurz. Seither läuft alles über seinen Schreibtisch, vom Nominierungscheck bis zur Preisverleihung. Daneben gibt er seit zwei Jahren wieder ein Jahrbuch heraus - zusammen mit Hans-Peter Neumann -, das im Shayol Verlag erscheint. Seinen Lebensunterhalt verdient er aber als Produktmanager in der Telekommunikationsbranche im weltweit größten Software-Konzern in München. Er ist 43 Jahre alt, verheiratet und teilt seine Wohnung zudem mit rund 11000 Büchern.

 

Fantasyguide: Wir bedanken uns für das interessante Gespräch und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.

 

 

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Tobias
Samstag, 19. November 2005 13:08 Uhr
Sehr erfreulich, dieses Gespräch! Tatsächlich scheint mir der KLP sehr renommiert zu sein, und doch weiß man als Outsider nicht viel über ihn. Ich zumindest bin jetzt positiv informiert worden!

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Erstellt: 07.11.2005, zuletzt aktualisiert: 17.11.2018 10:28