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Interview mit Mirko Thiessen - Autor von "Rückkehr des Wolfes"

Mirko Thiessen

Redakteur: Christoph Weidler

 

Der 1970 in Lübeck geborene und in Hamburg lebende Autor Mirko Thiessen gelang mit seinem Erstlingswerk "Die Rückkehr des Wolfes" ein fesselnden Fantasyroman, welcher viele Freunde bei den Lesern gefunden hat.

Man darf positiv gespannt sein, was uns sein kommendes Werk "Bund der Raben" bieten wird.

 

Mit "Die Rückkehr des Wolfes" ist dem Mirko Thiessen ein fantasievoller, spannender und anspruchsvoller Fantasyroman gelungen. Er weiß durch den wunderbaren Stil des Autoren und den liebevoll und gut gezeigten Protogonisten in der fantastischen Welt Elva und ihrem Kampf ums Überleben ihrer Welt sehr zu überzeugen.

 

Hier nun ein paar Antworten von Mirko Thiessen auf unsere Fragen:

 

Chris Weidler: Mirko es würde uns freuen wenn du dich einmal unseren Lesern vorstellen würdest.

 

Mirko Thiessen: Also gut: Mein Name ist Mirko Thiessen, ich lebe in Hamburg und bin 32 Jahre alt. Tagsüber arbeite ich in einer Software-Firma, und an den Wochenenden versuche ich so viel wie möglich an Fantasy-Romanen zu schreiben. "Die Rückkehr des Wolfes" war mein erster Roman - vollendet 1998 und veröffentlicht 2001.

 

 

Chris Weidler: Mit "Die Rückkehr des Wolfes" hast du ein Phantasiewerk voller Spannungen und Überraschungen geschaffen, welches den Leser in seinen Bann zieht. Wie kam es zu der Idee zu diesem Roman?

 

Mirko Thiessen: Da müsste ich etwas weiter ausholen. Zwar ist "Die Rückkehr des Wolfes" mein erster *veröffentlichter* Roman, aber nicht die erste von mir erdachte Geschichte, die in der Welt Elva spielt. Es gab, als ich zu schreiben begann, also schon eine großen Zahl von Geschichten, die ich nur fortzuführen brauchte.

 

 

Chris Weidler: Dein Roman "Die Rückkehr des Wolfes" ist als zweibändige Romanreihe erhältlich. Wäre es nicht idealer gewesen den Roman als ein Buch herauszugeben?

 

Mirko Thiessen: Es war ehrlich gesagt ursprünglich nie geplant, zwei Bände daraus zu machen. Das waren eher wirtschaftliche Zwänge. Ich denke inzwischen aber, daß der Schnitt nach dem ersten Band nicht schlecht gewählt ist. Natürlich ist der erste Band für sich keine abgeschlossene Erzählung - er soll neugierig auf das Weiterlesen machen, und wenn das gelingt, ist das gut so.

 

 

Chris Weidler: Dir ist mit deinem Roman ein wunderbares Werk, welches nicht dem klaren Klischee "Gut" und "Böse" unterliegt gelungen. Mir gefällt an der Umsetzung das es selbst die Bösen gut seien können und umgekehrt sehr gut. Wie kam es zu dieser Idee?

 

Mirko Thiessen: Das ist schön, dass Du das so herausstellst. Für mich war es das Reizvollste an diesem Buch: Ich fange mit einem scheinbar klassischen Gut-Böse-Schema an. An irgendeiner Stelle kehrt sich das Ganze um, plötzlich könnten die Guten in Wirklichkeit die Bösen sein und umgekehrt, aber später dann irgendwie doch wieder nicht. Mich langweilen Bücher, in denen Gut und Böse so klar getrennt sind. Auch in einer Fantasy-Welt sollten Menschen Menschen sein, mit allen Fehlern, die Menschen nun einmal machen. Und bei den "Bösen" will ich erklärt wissen, warum sie so geworden sind und was ihre Motive sind.

 

 

Chris Weidler: Welcher deiner Protagonisten in deinem Roman "Die Rückkehr des Wolfes"ist dir persönlich am meisten ans Herz gewachsen, und warum?

 

Mirko Thiessen: Ans Herz gewachsen - nun ja, Vami ist der Sympathieträger, der dem Leser überhaupt erst die Welt erklärt. Ihn und Chung Wang mochte ich besonders gern. Aber noch spannender fand ich die Handlungsstränge mit Maidetrin, Khondor oder Aystin. Sie können einem nicht ans Herz wachsen, aber man versucht, ihre Motivation zu erläutern und sich in sie hineinzuversetzen, weil man das schaffen will, beim Leser Verständnis für eine Figur zu erwecken, die er eigentlich als böse kennengelernt hat. Dabei habe ich als Autor sogar eine besondere Sympathie für Maidetrin entwickelt, weil er nur aus eigener Dummheit in seine Situation gerät und am Ende ratlos vor dem von ihm angerichteten Scherbenhaufen steht.

 

 

Chris Weidler: Besonders dein Protagonist der Fischerjunge "Vami" hat mir persönlich sehr sehr gut gefallen. Ich fand es sehr Schade das "Vami" zum Schluß des Romanes ein wenig ins Abseits gelangte. War dieses Absicht oder entwickelte es sich so im Laufe des Romanes?

 

Mirko Thiessen: Ja, das war schon in gewisser Weise Absicht. Vami ist die Hauptfigur des ersten Bandes, in "Der König der Sümpfe". Er kennt nichts von der Welt, und indem er seine Abenteuer erlebt, nimmt er den Leser an die Hand und zeigt ihm die Völker und Länder Elvas. In Band 2 kennt sich der Leser gut genug aus und hat inzwischen begriffen, dass Vamis Reise wenig Bedeutung für das Geschehen in der Welt hat. Er kann Vamis Hand loslassen und selbständig zu den Schauplätzen gehen. Aber die Geschichte geht nie ganz von Vami ab, fallengelassen wird diese Figur nie.

 

 

Chris Weidler: Wird es weitere Romane aus der Welt von "Elva" geben?

 

Mirko Thiessen: Vielleicht ja, vielleicht nicht. Ich bin mir nicht schlüssig, ob diese Welt noch genug Potential bietet für eine weitere spannende Geschichte. In den nächsten Jahren gibt es jedenfalls erst einmal keinen Elva-Roman mehr.

 

 

Chris Weidler: Gibt es in "Die Rückkehr des Wolfes" eine Passage die du im nachhinein völlig anders schreiben würdest?

 

Mirko Thiessen: Die Frage zu beantworten fällt mir nie sonderlich schwer: der Vortrag des Barden in Endarmis' Haus. Es ist die Stelle, die mir am wenigsten gefällt. Aber was soll's: Es ist inzwischen neun Jahre her, daß ich mit diesem Buch begonnen habe, und da wäre es wohl verwunderlich, wenn ich heute jede Zeile so schreiben würde wie damals. Tatsächlich würde ich sogar wohl ziemlich viel ändern. Aber dafür schreibt man ja neue Bücher, um nicht zu lange um die Fehler in den alten zu trauern.

 

 

Chris Weidler: Die beiden Teile des Romanes sind aus meiner Sicht perfekt mit den gestalteten Covern abgerundet. Wie kam es zu diesen Covern?

 

Mirko Thiessen: Ich habe das große Glück, daß meine Schwester Vivien nicht nur künstlerisch begabt, sondern zudem noch studierte Illustratorin ist. Ich habe ungefähr im Kopf gehabt, wie die Titelbilder aussehen sollten, aber das Ergebnis hat meine Erwartungen jeweils nochmal weit übertroffen.

 

 

Chris Weidler: Wie waren die bisherigen Resonanzen der Leser auf "Die Rückkehr des Wolfes"?

 

Mirko Thiessen: Von den Lesern, die mit Fantasy-Literatur vertraut sind, habe ich durchweg positive Reaktionen erfahren. Ich höre oft, daß die Charaktere gut gefallen, weil sie lebendig und nachvollziehbar sind. Das ist für mich das schönste Lob, weil es das Wichtigste an einem Buch ist. Sind die Figuren nicht glaubwürdig, kann auch die irrsinnigste und einfallsreichste Handlung die Geschichte nicht mehr retten.

 

 

Chris Weidler: Du schreibst ja gerade an deinem neuen Roman "Der Bund der Raben", um was wird es in diesem Roman gehen?

 

Mirko Thiessen: Angesiedelt ist das Ganze auf einer Insel, auf der eine ganze Reihe unterschiedlicher Völker zusammenleben. Im Augenblick der Handlung steht es ziemlich übel um die Menschen dort. Kriege, Seuchen, Intrigen sind in fast jedem Land zu Hause. Es gibt dann zahlreiche wohlmeinende Menschen, die alle das gleiche Ziel haben: ein Ende dieser Zustände zu erreichen, aber alle auf unterschiedliche Weise. Und irgendwann stellt sich heraus, daß jedes Volk von einem alten Geheimbund unterwandert ist, dessen Motive ein wenig im Dunkeln liegen: Will er den Frieden erreichen, unterstützt er die herrschenden Cliquen, oder möchte er etwas ganz anderes? Sollen sich die gepeinigten Menschen mit diesem "Bund der Raben" verbünden, oder wäre das ein Pakt mit dem Teufel?

 

 

Chris Weidler: Wann wird man mit deinem neuen Roman rechnen können?

 

Mirko Thiessen: Das ist die wahrscheinlich schwierigste Frage des ganzen Interviews. Ich komme viel seltener zum Schreiben als ich es eigentlich möchte. Ich denke einmal, Mitte bis Ende 2004 ist ein realistischer Zeitpunkt, und wenn es eher wird, um so besser.

 

 

Chris Weidler: Spielt dein neuer Roman "Der Bund der Raben" auch in der Welt Elva oder findet er in einer eigenen Welt statt?

 

Mirko Thiessen: Die Welt hat nichts mit Elva zu tun. Sie ist zeitlich ein wenig weiter, etwa eine Entsprechung des Europas im 17. Jahrhundert. Warum sollten Fantasyromane auch immer im Hochmittelalter spielen?

 

 

Chris Weidler: Auf deiner Homepage (www.mirko-thiessen.de) findet man auch einen virtuellen Führer durch Elva. Wirst du diesen Bereich noch erweitern um z.B. die Welt Elva dort weiter auzubauen?

 

Mirko Thiessen: Der Führer durch Elva ist eigentlich fertig. Einige Illustrationen kommen vielleicht noch hinzu, mehr aber nicht. Ausbaufähig sind eher andere Teile der Homepage, zum Beispiel ist eine Seite mit Leserreaktionen und -fragen denkbar.

 

 

Chris Weidler: Kannst du dir auch vorstellen mit mehreren anderen Autoren zusammen an einem Buch zu schreiben, oder bist du von deiner Arbeitsweise eher der reine "Solist"?

 

Mirko Thiessen: Es reizt mich nicht besonders. Ich entwerfe meine Welten lieber allein, das wird wohl auch vorerst so bleiben.

 

 

Chris Weidler: Welche Motivation hast du beim Schreiben, überwiegt der Anspruch oder die Unterhaltung, ist es eine Gratwanderung?

 

Mirko Thiessen: "Anspruchsvolle Unterhaltung" ist wohl die Antwort ;-) Als Fantasy-Schriftsteller sollte man nicht leugnen, zur Unterhaltung zu schreiben, sonst lügt man sich in die Tasche. Aber das ist ja auch nichts Verwerfliches. Allerdings habe ich an mich einen gewissen Anspruch dabei: Jede Figur muß glaubwürdig sein, ihre Motive haben, und darf nicht irgendein guter oder böser Übermensch sein. Wenn das gelingt, kann man vielleicht von einem anspruchsvollen Fantasy-Roman sprechen.

 

 

Chris Weidler: Mirko, du bringst deine Romane als Eigenverleger heraus. Gibt es hierzu einen speziellen Hintergrund?

 

Mirko Thiessen: Ja, aber der ist ziemlich banal. Ich habe bei der Verlagssuche ziemlich schnell das Handtuch geworfen. Darum habe ich mich dann für die Verlegung über Books on Demand entschieden.

 

 

Chris Weidler: Einige deutsche Verlage beklagen das es sowenig gute Nachwuchsautoren im Bereich Fantasy und DarkFantasy gibt, einige Autoren hingegen beklagen die mangelnde Unterstützung durch die Verlage. Wie siehst du die derzeitige Lage im Bereich deutschsprachiger Fantasyliteratur?

 

Mirko Thiessen: Sehr wahrscheinlich können das andere besser beurteilen als ich. Mir fehlt der Einblick in das Verlagswesen, um hierüber wirklich eine Aussage treffen zu können.

 

 

Chris Weidler: Gibt es Autoren und Bücher, welche du für dich als Vorbilder siehst?

 

Mirko Thiessen: Ich habe lange Zeit den Drachenbeinthron von Tad Williams (mitsamt seinen Folgebänden) als Vorbild gesehen. Als ich "Die Rückkehr des Wolfes" geschrieben habe, war diese Erzählung in meinem Hinterkopf, was vielleicht eher nachteilig war. Ich versuche mich gerade, von allen möglichen Vorbildern zu lösen. Ob das immer gelingen kann, weiß ich nicht.

 

 

Chris Weidler: Was ist momentan dein persönliches Lieblingsbuch?

 

Mirko Thiessen: "Das Lied von Eis und Feuer" von George R.R. Martin - eine Geschichte so lang wie sie sein muss (wahrscheinlich endlos, wie ich das sehe); ich bin nur etwas säuerlich, daß der nächste Band erst Ende 2004 erscheinen soll.

 

 

Chris Weidler: Eine letzte Frage, was ist dein größter Wunsch für die Zukunft?

 

Mirko Thiessen: Wenn sich die Frage auf das Autorendasein beschränkt, dann möchte ich den "Bund der Raben" 2004 fertig bekommen und einer größeren Leserschaft zugänglich machen, also einen Verlag finden, mit dem eine solche Zusammenarbeit möglich ist. Was danach kommt, wer weiß? Ich plane nicht allzu weit für die Zukunft.

 

 

Chris Weidler: Mirko, ich danke dir sehr für dieses Interview und für den guten und sehr netten Kontakt mit dir. Ich wünsche dir für Zukunft alles Gute für dich und deine Romane.

 

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Erstellt: 22.05.2005, zuletzt aktualisiert: 29.11.2019 14:09