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Jäger von Greg Bear

Rezension von Tanja Elskamp

 

Hal Cousins ist Biologe und arbeitet auf dem Gebiet der Lebensverlängerung. Er ist fest davon überzeugt, den Schlüssel zur Lebensverlängerung oder sogar zur Unsterblichkeit finden zu können. Seiner Ansicht nach liegt dieser Schlüssel in den Mitochondrien, heute Baustein einer jeden Zelle, in der Urzeit jedoch selbstständiger Organismus. Kann Hal diese Verbindung, die einst entstand, nachvollziehen, so kann er sie auch wieder trennen, denn nach seiner Theorie sind es die Mitochondrien, die mittels Kommunikation mit Bakterien letztlich die Alterung fortschreiten lassen. Eine gewagte Theorie, die nicht überall Anerkennung findet, dennoch schafft Hal es, einen reichen Gönner zu finden, der in seine Mission investiert und Hal darüber hinaus auch die Möglichkeit gibt, eine Tauchfahrt zu machen, bei der er Proben von vermutlich urzeitlichen Lebensformen in der Tiefsee nehmen kann.

 

Während dieser Tauchfahrt rastet der Mann, der die Tauchkapsel steuert, jedoch aus. Er bedroht Hal und greift ihn schließlich an, bevor er selbst in einen todesähnlichen Schlaf fällt, aus dem er erst an der Meeresoberfläche mit starkem Seegang wieder erwacht, aus der Luke klettert, springt und sich damit damit selbst tötet. Doch damit nicht genug: Zurück an Bord des großen Forschungsschiffes erfährt Hal, dass ein Wissenschaftler mehrere Mitglieder der Crew auf der Suche nach ihm, Hal, erschossen hat. Hal gerät in den Verdacht der Polizei und verliert kurz darauf die Unterstützung seines Gönners, während Hals Labor kurz und klein gehauen wird. Hals Zwillingsbruder, ebenfalls Biologe auf gleichem Forschungsgebiet, meldet sich plötzlich telefonisch bei Hal und fragt, ob ihr Vater sich bei Hal gemeldet habe - doch der Vater ist seit langem tot. Und dann ist es auch Hals Bruder, wie Hal mitgeteilt wird: sein Bruder wurde erschossen.

 

Dies alles ist erst der Anfang einer welt- und historienumspannenden Verschwörung,in die Hal geraten ist und die er nach und nach aufzulösen versucht, obwohl ihm niemand glaubt und er scheinbar auch wirklich niemandem mehr trauen kann.

 

Dieser kurze Einblick in die Handlung des 446 Seiten umfassenden Taschenbuchs zeigt bereits, dass Autor Greg Bear aus dem Vollen schöpfte, als er diesen Roman schrieb. Dass New York Review urteilt "Wo Michael Crichton aufhört, fängt Greg Bear erst an!" macht zusätzlich neugierig, und auch die anderen auf der Buchrückseite vermerkten Kommentare sind durchweg positiv.

 

Umso enttäuschender ist es festzustellen, dass die Lektüre des Thrillers nicht nur langatmig, sondern zudem recht fad ist. Dass der Einleitung der Geschehnisse bei einem Buch dieses Umfangs ein beachtlicher Raum gegeben wird, ist nachvollziehbar, doch spätestens in der Mitte des Buches beginnt man sich zu fragen, wohin das Ganze führen soll und fiebert ab da lediglich noch einem Ende entgegen, das für das Lesen bis zu diesem Punkt einigermaßen entschädigt. Doch selbst dort enttäuscht Greg Bear und der einzig logische Schluss, den der Leser daraus ziehen kann ist, dass er sich schlicht übernommen hat. Viele konspirative Einzelgeschichten quer durch die Länder der Welt und die Geschichte der Menschheit hat er aufgegriffen, um sie zu einem großen Ganzen zu machen - und ist daran gescheitert. Am Ende, so scheint es, hat der Autor selbst aufgegeben und etwas stehen lassen, aus dem etwas hätte werden können;nichts Gutes jedoch in der gegebenen Form.

 

Dass der Roman dann auch noch durchzogen ist von pubertären Männerphantasien, so etwa den Röhrenwürmern in der Tiefsee, "die wie eine Ansammlung von rotköpfigen Penissen aussehen" oder der uralten und hier ein weiteres Mal aufgewärmten Geschichte, dass Zwillinge alles teilen, sogar die Frauen, was letztlich zum Zerwürfnis führen kann, macht den Roman sicherlich nicht besser, ebensowenig die eingesetzten Perspektiven- und Zeitwechsel im Verlauf.

 

Fazit:

"Jäger" ist ein scheinbar durchweg positiv angepriesener Roman, der diese Werbung jedoch keinesfalls rechtfertigen kann. Die zu Grunde liegende Basis der Forschung ist mindestens mutig, zudem verstrickt sich die gesamte Handlung so sehr, dass der Autor schließlich die Auflöung des Knotens schuldig bleibt - nicht sehr befriedigend für den Leser, der immerhin einiges bis zum Ende des Ganzen hat durchmachen müssen.

 

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Jäger

Autor: Greg Bear

Broschiert: 445 Seiten

Verlag: Heyne; Auflage: 1 (August 2006)

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453521943

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 27.09.2006, zuletzt aktualisiert: 25.09.2020 16:45