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Kein Entrinnen von Romain Sardou

Rezension von Christel Scheja

 

Wenn nicht gerade mystische Geheimnisse oder Terroristen aus dem vorderen Orient die Seiten eines Thrillers füllen, dann sind es Serienkiller. Mittlerweile gibt es sie in allen Ausprägungen - von dem Menschen, der aufgrund eines seelischen Traumas oder sexuellen Verlangens hin tötet, bis hin zu dem wahnsinnigen Psychopathen, für den nur die Idee des Mordes an sich zählt.

Deshalb müssen sich junge Autoren schon etwas einfallen lassen, um den Leser noch in den Bann zu schlagen und von ihrem Buch zu überzeugen. Der Franzose Romain Sardou ist eines dieser jungen Talente.

 

„Kein Entrinnen“ scheint es für die vierundzwanzig Leichen gegeben zu haben, die eines Tages in der Nähe einer Autobahn und eines College in New Hampshire gefunden werden und die Menschen der Umgebung in Angst und Schrecken versetzen. Sind sie die Opfer der Massenhysterie einer Sekte oder die Opfer eines Wahnsinnigen?

Bis auf die Todesursache gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen den Leichen. Die die man identifizieren kann kannten sich nicht einmal. Einige sind allerdings schon vor einigen Jahren verschwunden, andere erst vor einigen Wochen. Chief Inspector Stu Sheridan will der Sache genauer nachgehen, aber da werden ihm Steine in den Weg gelegt.

Das FBI nimmt ihm die Ermittlungen in die Hand, vor allem als noch mehr Tote auftauchen. Scheinbar wissen sie weitaus mehr als die Polizei, sind aber nicht bereit mit diesen zusammen zu arbeiten.

Warum, das fragt sich auch der junge Literatur-Professor Frank Franklin, der gerade erst seine neue Stelle im Durisdeer College angetreten hat. Auch er interessiert sich für die Morde, betrachtet sie aber aus einem anderen Blickwinkel - dem des Schriftstellers. Das FBI tritt auf ihn zu, als er die Wahrheit erkennt.

Sie haben schon lange einen zurückgezogenen Krimi-Autoren im Verdacht, der mit ausgesprochen realistischen Thrillern in der Fachwelt Furore gemacht hat. Doch leider hat man ihm bisher noch nicht nachweisen können, dass er eine Schuld an den Morden trägt.

Selbst neugierig geworden, und Stoff für einen eigenen Roman witternd, bietet sich Franklin als Lockvogel und Spitzel an. Unter dem Deckmantel seiner Professur, will er sich in das Haus des Schritstellers schleichen und für Beweise sorgen. Doch er hat nicht mit der Genialität seines Gegenspielers gerechnet.

 

Mit der Rasanz eines verfilmten Thrillers erzählt Romain Sardou seine Geschichte. Zwar ist der Täter schon früh bekannt - aber wirklich nachweisen können FBI und Polizei ihm die Taten nicht. Er nutzt seinen Verstand und seine Rafinesse um ein wahres Katz und Maus Spiel zu spielen, das geradezu mitfiebern lässt. Und zum Ende hin gelingt dem Autor ein genialer Schachzug, mit dem er den Leser noch einmal gehörig aufs Glatteis führt.

Man merkt Romain Sardou an, das er mehrere Jahre in der Filmindustrie von Hollywood gearbeitet hat - Stilmittel und Handlungselemente sind eher filmischer Herkunft und verstärken die Dynamik des Romans. Die Geschichte ist klug konstruiert und wartet immer wieder mit neuen bösen Überraschungen auf, mit denen man so nicht gerechnet hat.

Dabei entsteht das faszinierende Bild eines kalten und berechnenden Psychopathen, der mit allen Wassern gewaschen ist und seine Genialität auch immer wieder nutzt, um seine Gegner dumm da stehen zu lassen.

Im Gegensatz zu ihm kommen die anderen Figuren eher zu kurz. Da ist vielleicht noch Frank Franklin, der sich am Ende sogar mitreißen lässt, der ein wenig mehr Plastizität gewinnt, aber sowohl die FBI-Agenten als auch Stu Sheridan bleiben eher blasse Schatten, die nur einen bestimmten Zweck im Buch erfüllen. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch, da der Autor sich vor allem auf das Thema konzentriert und nicht auch noch mit all zu viel ablenkenden Alltag ummäntelt.

 

„Kein Entrinnen“ ist ein filmischer Thriller, spannend und reich an Action, aber auch mit einer immer wieder überraschenden Geschichte. Wer rasante Unterhaltung mag, die nicht nur oberflächlicher Natur ist, der wird mit dem Buch zufriedene Lesestunden verbringen.

 

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Buch:

Kein Entrinnen

Autor: Romain Sardou

broschiert, 446 Seiten

Heyne, erschienen Dezember 2007

ISBN 978-3-453-40529-5

Übersetzung von Hanna van Laak

Titelbild von plainpicture/whatapicture

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 24.12.2007, zuletzt aktualisiert: 26.07.2020 15:23