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Marmortod von Christian Montillion

Reihe: Larry Brent – Neue Fälle Band 3

 

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

„Umtriebig“ ist sicherlich eine Bezeichnung, die nicht jeder Autor gerne liest. Doch im Falle von Christian Montillon (der mit bürgerlichem Namen Christoph Dittert heißt) ist diese Behauptung keineswegs abfällig gemeint. Ganz gleich, ob es sich dabei nun um Jerry Cotton, Atlan, Sternenfaust, Maddrax oder Perry Rhodan handelt – in jeder der erwähnten Serien stellte der Pfälzer seine Versatilität unter Beweis.

 

Kein Wunder also, dass Montillon auch im Dunstkreis des Larry Brent-Reboots anzutreffen ist, welcher bereits durch den Österreicher J. J. Preyer einen sehr guten Start verzeichnen konnte. Und da Montillon durchaus als Koryphäe auf dem Gebiet der Heftromanreihen betrachtet werden kann, war es wohl logisch von Verlagschef Jörg Kaegelmann, ihm ein Fragment aus den Hinterlassenschaften von Larry Brent-Schöpfer Dan Shocker alias Jürgen Grasmück anzuvertrauen und weiterzuspinnen.

 

Dadurch verweist Marmortod einerseits auf die Ursprünge, setzt aber zugleich den Weg der beiden Vorgänger fort, den Mikrokosmos „Larry Brent“ fürs 21. Jahrhundert fit zu machen und dabei parallel neue Ansätze auszuloten – beispielsweise die Ursprünge der Psychoanalytischen Spezialeinheit (PSA) und deren Begründer, David Gallun.

Dieser bittet eines Tages unvermittelt einen seiner besten Agenten, X-Ray-3 beziehungsweise Larry Brent, zu einem Gespräch unter vier Augen. Es geht um einen neuen Auftrag, natürlich. Doch was Larry Brent im Verlaufe der Konversation zu hören bekommt, gleicht einer kalten Dusche – und bringt sein bisheriges Weltbild gehörig ins Wanken.

So entpuppt sich der vermeintlich verwaiste Posten von X-Ray-2 als besetzt – von keinem Geringeren als Frank, David Galluns Bruder. Verborgen fristet er ein bedauernswertes Dasein in einem nichtmenschlichen Zustand; erstarrt als Marmorstatue. Doch wie konnte dies geschehen? Welche Macht ist für solch eine Transformation verantwortlich?

Die Antwort findet sich in der Vergangenheit. Besser gesagt in den Jugendjahren von David und Frank, der bei einem nächtlichen Ausriss aus den heimischen vier Wänden Zeuge eines gleichermaßen grausamen wie bizarren Schauspiels wurde: der heimtückischen Ermordung einer Frau sowie deren Wiederauferstehung. Doch kehrte das Opfer weder als Zombie noch als Vampir zurück. Vielmehr als ein Wesen aus Stein; nur noch marginal mit menschlichen Zügen versehen. Selbst die verzweifelt abgefeuerten Schüsse der Mörder können ihr nichts anhaben. Folglich werden aus den beiden vermeintlichen Attentätern Opfer; Leidtragende einer unheimlichen Kraft, die sich scheinbar jeder Erklärung entzieht – und letztlich auch ihre beiden Gegner in lebende Statuen verwandelt.

Frank, der die sonderbaren Vorkommnisse unbemerkt mit angesehen hat, ist gleichermaßen entsetzt wie verwirrt. Was soll er nur machen? Seinen Eltern alles beichten? Oder der Polizei? Nein, man würde ihn gewiss für verrückt halten. Außer vielleicht, wenn es einen Beweis gibt – wie beispielsweise ein kleines Steinfragment …

… welches von Frank entdeckt und fatalerweise berührt wird. Mit einem Schlag ist das unbeschwerte Leben für den Jungen vorbei. Er ist zu einem Ausgestoßenen geworden; zu einer Groteske. Aber vielleicht nicht für alle Zeiten. Wenn Versteinerung das Resultat einer Krankheit ist, dann muss es doch dafür auch ein Gegenmittel geben, richtig? Alleine kann Frank diese Mammutaufgabe jedoch unmöglich meistern. Was er braucht, ist die Unterstützung einer „normalen“ Person. Wie sein Bruder David. Ebendiesem vertraut er sich auch an. Zusammen nehmen die beiden Kids die Fährte auf – und landen in den Fängen eines nach Unsterblichkeit strebenden Forschers, der Wissenschaft und satanische Rituale für seine Zwecke missbraucht – und auch noch in der Gegenwart aktiv ist …

 

Es ist eine reichlich farbenfrohe Collage, welche von Montillon aufgetragen wird und die in den Händen eines weniger versierten Autors garantiert eine klassische Bauchlandung bedeutet hätte. Doch Montillon meistert die Aufgabe mit Bravour. Sein Stil ist weder zu knapp noch zu ausschweifend und jedes Mal, wenn die Gefahr droht, in Klischees abzudriften, gelingt ihm stets die Kurve. Zum Teil durch den Einsatz von mehreren Zeitebenen, teilweise aber auch dank so mancher handfesten Offenbarung, die dafür Sorge trägt, dass nicht nur das Weltbild von Larry Brent, sondern auch das des (Alt-)Lesers ins Wanken gerät. Erneut muss hier auf Montillons Bewanderung in Sachen Dan Shocker verwiesen werden. Womöglich gibt es hierzulande kaum einen Zweiten, der sich so gut mit dem Subjekt „Larry Brent“ auskennt wie der junge Pfälzer. Demzufolge ist es einfach nur logisch, dass Montillon auch imstande ist, die Grenzen eines eigentlich klar abgesteckten Gebiets niederzureißen und neues Territorium zu erschaffen; neben den gut durchdachten Geschichten das wohl hervorstechendste Merkmal der neuen Larry Brent-Abenteuer. Da wird nicht auf Teufel komm raus das Shocker’sche Konzept kopiert, sondern vielmehr ein eigener Weg gegangen, der sich zwar zugegebenermaßen am Original orientiert, aber eben auch an der modernen unheimlichen Phantastik. Kontinuierliche Weiterentwicklung nennt man das. Eine Eigenschaft, die bei so mancher (etablierten) Heftromanreihe längst zum Erliegen gekommen ist. Doch wäre dies genau der richtige Weg aus der Krise. Larry Brent respektive dessen Autoren zeigen mustergültig, wie’s gemacht wird.

 

Fazit:

Trotz der relativ knappen Seitenzahl macht auch dieses Larry Brent-Abenteuer Laune. Flott verfasst, mit dem richtigen Gespür für Spannung und Abwechslung geht die Frischzellenkur munter weiter – und streckt den angestammten Kosmos um einige sehr interessante Nuancen. Alten Hasen und neuen Lesern dürfte spätestens jetzt sicher sein, dass diese Neuauflage weit davon entfernt ist, ein kurzlebiges Strohfeuer zu sein.

Eure Meinung:


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Buch:

Marmortod

Reihe: Larry Brent – Neue Fälle Band 3

Autor: Christian Montillon

gebunden, 208 Seiten

Blitz-Verlag, Dezember 2010

 

ISBN-10: 3898402924

ISBN-13: 978-3898402927

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.01.2011, zuletzt aktualisiert: 31.08.2018 17:18