Maschinengötter (Autor: Kai Meyer; Die Krone der Sterne 3)
 
Zurck zur Startseite


  Platzhalter

Maschinengötter von Kai Meyer

Reihe: Die Krone der Sterne Band 3

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Die Galaxis steht in Flammen. Die Maschinengötter sind erwacht und stürzen das Sternenreich in einen kosmischen Krieg.

Inmitten der Wirren kämpft Iniza Talantis um die Sicherheit ihrer Familie. An Bord der Nachtwärts jagen sie durchs All, verfolgt von den Schergen des Hexenordens. Denn Inizas Tochter Tanys gilt den Hexen als Schlüssel zum Sieg.

Ihr Weg führt sie auf den verbotenen Mond der Waffenmeister und durch ausgetrocknete Ozeane, auf verseuchte Dschungelwelten und in die Slums der Taragantum-Drift. Doch ihr Schicksal erwartet sie auf Tiamande – der Thronwelt der Gottkaiserin.

 

Rezension:

Die große Space Opera Die Krone der Sterne von Kai Meyer geht zu Ende und der Autor reißt dabei sein selbstgeschaffenes Universum an fast allen Ecken und Enden ein.

 

Konsequent nutzt er dabei seine in den ersten beiden Bänden eingeführten Legenden und Mythen aus. Am Ende von Hexenmacht erweckte Inizas Onkel die Roboterarmeen des Maschinenherrschers und erneut stürzen sie sich in den Kampf auf ihrer Mission, alles Leben zu vernichten. Auf der Gründungswelt des Hexenordens kam der König der Gnade durch ein Dimensionstor und beginnt nun ebenfalls, Welt um Welt zu zerstören. Ganze Teile der Galaxie sind auf der Flucht. Zweieinhalb Jahre nach dem Erwachen der Maschinen spitzen sich die Ereignisse zu und mitten darunter die bunte Besatzung der Nachtwärts und eine quicklebendige Dreijährige. Die langjährige Flucht vor den Hexen quer durch die Galaxis fordert ihren Tribut. Die Nachtwärts benötigt Reparaturen, doch wo kann man das allseits bekannte und gesuchte Raumschiff unauffällig überholen lassen? Sharas Idee, es in ihrer alten Heimat in der Taragantum-Drift zu versuchen, steht von Anfang an unter keinem guten Stern. Und aus der kleinen Tanys spricht eine geheimnisvolle Stimme vom »Erwachen der Monde« …

 

Kai Meyer kredenzt auf knapp 400 Seiten eine dramatische Geschichte um Liebe, Hass, Verantwortung und Veränderungen. Die Geschehnisse gehen an seinen Figuren nicht spurlos vorüber. Iniza hat als Mutter schon längst die blutjunge Prinzessin hinter sich gelassen, ihre Beziehung zu Glanis ist gefestigt und tief; eine Tiefe, die ihr ebenso Stärke schenkt, wie Leid. Ihr wird in Maschinengötter von allen Figuren am meisten abverlangt.

Aber auch Shara geht ihren steinigen Weg konsequent weiter. In ihrem Leben traf sie viele Entscheidungen, etliche davon verfolgen sie bin in ihre Träume und einige brechen im Laufe des Romans mit Wucht über sie und ihre Freunde herein. Dabei wird ihr schmerzlich bewusst, dass sie all die Jahre ein selbstzerstörerisches Leben führte, genau wie Kranit. Auch der letzte Waffenmeister von Amun, schleppt die Wunden und Lasten eines kampf- und opferreichen Lebens mit sich herum. Shara und Kranit brennen zusammen in dem selben verzehrenden Lebensfeuer und beide sind doch unendlich einsam.

 

Auf der Gegenseite spendiert uns Kai Meyer ein noch viel ungewöhnlicheres Pärchen. Hadrath Talantis hat sich den Maschinen angeschlossen. Als einziger Mensch lebt er an Bord eines Kreuzers der Caudor-Flotte. Während in der Ferne ein neuer Maschinenherrscher Pläne schmiedet und die Fäden in der Hand hält, verbringt Hadrath seine Zeit an der Seite jener Muse, die auf Noah aus dem Feuer kam und dabei ihre menschliche Haut verlor. Doch Äone ist auch in ihrer puren Maschinengestalt wunderschön, bewegt sich elegant und vielleicht hat sie auf Noah einen Schaden erlitten, der in ihrer Programmierung Veränderungen bewirkte. Zumindest erscheint sie Hadrath von Emotionen gelenkt zu sein. Doch wovon wird er gelenkt? Der Maschinenherrscher stellt ihn auf eine Probe, deren Grausamkeit weit über menschliche Maßstäbe hinausgeht. Und dennoch ist Hadrath ein Mensch, keine Maschine. Sein Gespräch mit dem Maschinenherrscher verdeutlicht die ethische Entfremdung, doch auch er, der gewissenlose Massenmörder, braucht ein Ziel und jemanden an seiner Seite. Kai Meyer gelingt mit der Beziehung zwischen Äone und Hadrath ein ganz außergewöhnlicher Kontrapunkt zu den Figuren, denen man durch Sympathie verbunden ist.

 

Ein wichtiger Bestandteil der Trilogie sind die Schauplätze. Auch »Maschinengötter« lebt von epischen Szenerien. Sei es der ausgetrocknete Meeresboden und die brennenden Regenbögen von Taragantum IV, das Innere der Hexen-Kathedrale, auf der sich der Maschinenherrscher eine neues Alien-artiges Nest erschuf oder die kilometergroßen Skulpturentrümmer auf Tiamande – Kai Meyer baut sie mit plastischen Beschreibungen in die Handlung ein, sodass sie zu einer lebendigen Kulisse werden, die den dramatischen Szenen auch eine optische Tiefenschärfe verleihen. Es sind Bilder, die natürlich auch durch die erneut prachtvollen Illustrationen von Jens Maria Weber vorgeprägt werden und die man sich problemlos in einer Comic- oder Kinoadaption vorstellen kann.

 

Am Ende ist vieles zerstört, vieles verloren, aber noch nicht alles erzählt. Vielleicht hören wir ja irgendwann etwas über Gavanqes Suche nach ihren Söhnen, erfahren, wie die Geschichte um den König der Gnade und dem Ikonoplast ausging und treffen vor allem jene Figuren wieder, die unser Autor hat überleben lassen.

 

Fazit:

»Maschinengötter« ist der großartige Abschluss der Trilogie um »Die Krone der Sterne« und ihr bester Band. Kai Meyer bringt in seinem Weltraumabenteuer Figuren mit intensiver Charakterisierung zum Erblühen und findet selbst in unsäglicher Boshaftigkeit den Keim der Veränderung. Möge er der Science-Fiction gewogen bleiben.

Nach oben

Platzhalter

Buch:

Maschinengötter

Reihe: Die Krone der Sterne Band 3

Autor: Kai Meyer

Cover und Illustrationen: Jens Maria Weber

Taschenbuch, 381 Seiten

FISCHER Tor, 27. Februar 2019

 

ISBN-10: 3596701767

ISBN-13: 978-3596701766

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B07JMLSHCM

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 08.03.2020, zuletzt aktualisiert: 10.06.2021 20:07