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Melkriets Prophezeiung

Reihe: Der Schicksalsgnom Bd.1

Rezension von Michael Nolden

 

Wie ist das eigentlich, wenn das Schicksal einen völlig Ahnungslosen zum Helden erwählt? Und auch noch jemanden, der keinerlei Interesse daran hat, ein Held zu sein. Eric, Gnom vom Waldrand, ist solch ein Held Widerwillen. Eines Tages erscheint Annalisell bei ihm. Äußerlich eine Motte, was zu einem gehörigen Missverständnis führt, ist sie in Wahrheit eine Fee, Abgesandte des hohen Rates. Nachdem Eric von seiner zukünftigen Mission überzeugt worden ist, was sich ungewöhnlich schwierig gestaltet, machen sich die beiden auf den Weg.

 

Eric ist ein störrischer Held und ziemlich wehleidig. Die sperrige Rüstung verliert er, so bald es eben geht. Darüber hinaus nimmt er sich auch ziemlich tollpatschig aus. Das kleine Volk, das wegen seiner Dummheit dem Untergang geweiht ist, übersieht er getrost. Wenigstens hat auch Annalisell erkannt, dass Eric nicht der beste Held für diesen Job ist, auserwählt oder nicht.

Im Training gegen eine Vogelscheuche stellt er sich allerdings immer noch nicht viel besser an. Einzig im Kampf gegen ein riesiges Insekten-Untier zeigt Eric eine gewisse Tücke: Er zertritt ihre Brut unter seinen Füßen und macht sich das Monster so gefügig. Der Erfolg macht ihn übermütig und unbedacht. Im nächsten Moment schlittert er in ein Missverständnis, weil man ihn in einer Taverne für einen Zechpreller hält. In Wahrheit ist Annalisell diejenige mit der Geldbörse und hat sich für einen Augenblick zurückgezogen, um sich mit dem hohen Rat zu beraten (Außerdem trieb sie der Kohl.).

 

Die Reise geht weiter. Nach und nach wird die Gruppe um Eric größer. Sie passieren diverse Wegpunkte. Orakel, ein Weg durch einen verwunschenen Wald, Drachen, all das liegt auf ihrem Weg. Am Ende wartet eine Bootsfahrt, die sogar lustig ist.

 

Der Schicksalsgnom balanciert auf einem schmalen Grad. In erster Linie ist es eine Geschichte, die auf jene Leser abzielt, die auf dem Gebiet der Fantasy nicht unbewandert sind. So wird so manche kleine Anspielung deutlicher. Es ist den Machern, Bastian Baier und Robert Mühlich, hoch anzurechnen, dass sie sich nicht auf den Herrn der Ringe für diese Parodie gestürzt haben. Sie gehen eher universell in den Bereichen Mythen, Märchen, Fantasy und Rollenspiel vor.

 

Die Umsetzung einer Fee als quengelige und besserwisserische Motte ist gelungen und hat mir auch am besten am vorliegenden Band gefallen.

Der Humor, der Kern des ganzen Bandes, mit dem alles steht und fällt, spricht mich textlich häufiger an, aber auch nicht oft genug. Die Zeichnungen unterstützen den Humor, der nicht unbedingt im Stile eines Pratchett ist, dazu fehlt ihm dann doch die Feinsinnigkeit. Allerdings ist das Spiel mit den Erwartungen gelungen: Der Held kann das Grinsen nicht lassen, dem Barden möchte man besser nicht zuhören und ein Orakel ist am Ende doch nur auf das Geld der Fragenden aus.

 

Als Leser muss man diese Art der grafischen Darstellung mögen. Soll sie mit bestehenden grafischen Stilen verglichen werden, gibt es durchaus Überschneidungen mit Garfield, den Simpsons oder hierzulande mit Themen wie Nichtlustig. Die Figuren sind rund, knuffig anzuschauen, sehr sparsam mit Mimiken versehen und auch in ihrer sonstigen Gestaltung sehr zurückhaltend. Farbspiele, Schattierungen erschöpfen sich in den einfachsten Verläufen. Hintergründe wie Landschaften oder besondere Stadtansichten und Details bleiben zur Gänze außen vor. Wer die Zeichnungen betrachtet, wird also weder überrascht, noch vom Hocker gehauen werden.

 

Der Schicksalsgnom ist eine Komödie. Damit reiht sich der Comic in die Menge der Parodien ein, die stets die Erfolgreichen ihrer Genres aufs Korn nahmen. Der Herr der Augenringe oder Alkoholix sind nur zwei Beispiele dieser Art. Und der Schicksalsgnom krankt auch wie andere Parodien daran, dass es an eine eigene Dramaturgie vermissen lässt. Natürlich gibt es hier eine Geschichte, aber eine Geschichte lebt auch stets von ihren Spannungsspitzen oder Wendepunkten, die den Leser antreiben, in der Geschichte weiterzugehen. Für mich plätschert der vorliegende Band nur so dahin. Wer unterhaltsam erzählen will, muss auch ein gewisses Geschick oder auch erlerntes Handwerk mitbringen. Daran fehlt es hier nach meiner Meinung.

 

Fazit: Kurzweilige Comedy im Fantasy-Format. Einmalig zum Verzehr geeignet, aber mehr nicht.

 

Eure Meinung:


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Comic:

Melkriets Prophezeiung

Reihe: Der Schicksalsgnom Bd.1

Autor: Bastian Baier und Robert Mühlich

Zeichner: Bastian Baier

Coloriert: Robert Mühlich

Verlag: Achterbahn

Format: Softcover

Sprache: Deutsch

ISBN-Code: 389982251X

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 02.01.2006, zuletzt aktualisiert: 10.12.2019 18:33