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Nation der Untoten von David Wellington

Rezension von Cronn

 

Zahllose Filme bieten inzwischen ein Bild über sie – die Untoten, auch Zombies genannt. Von den frühen Anfängen bei „I Walked With A Zombie“ aus den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, über „Night Of The Living Dead“ von George A. Romero bis hin zu den Neuauflagen a la „Dawn Of The Dead“ von Zack Snyder und den Variationen im Stil von Danny Boyles „28 Days Later“ – allerorten stellen die wandelnden Leichen, respektive „Infizierten“ eine Bedrohung für die Lebenden dar.

Das Bild des Untoten ist ungemein populär, wie sich auch in der Behandlung des Themenfeldes in anderen Medien zeigt, so beispielsweise in dem Underground-Comic-Erfolg „The Walking Dead“.

Doch was macht die Zombies so populär? Ist es die Lust am Ekel, am Grauen, das sich in den verwesenden, stinkenden Untoten am deutlichsten artikulieren kann? Diese Betrachtungsweise streift lediglich die Oberfläche des Zombie-Booms. Es muss etwas geben, was darunter wirkt, so etwas wie eine kollektive Angst vor dem Nächsten, der unter bestimmten Umständen als Bedrohung angesehen werden kann. Treten die Umstände der Zombifizierung ein, wird der liebe Nachbar zur gefährlichen, potentiell tödlichen Bedrohung. Und nicht nur das – auch über den Tod hinaus wird man gefoltert, indem man durch den Biss, die Infizierung selbst zum Untoten wird, dazu gezwungen auf ewig als verrottender Leichnam durch die Welt zu wandeln.

Doch wie kommt es eigentlich zu der Zombifizierung? Die Filme bieten hier wenig Informationen, bleiben merkwürdig vage, indem sie von „radioaktiver Strahlung“ sprechen, Umweltgiften, und ähnlichem mehr.

An dieser Stelle greift David Wellington an und zeichnet in seinem neuesten Werk „Nation der Untoten“ die Szenerie nach, was vor seinem Buch „Stadt der Untoten“ geschah und bringt damit ein anderes Licht auf den Zombie-Weltuntergangs-Mythos wie gewohnt.

Das Horror-Buch ist im Piper Verlag erschienen, wo man es fälschlicherweise unter dem Genre „Fantasy“ verbrieft.

 

Inhalt:

Einige Wochen vor den Ereignissen von „Stadt der Untoten“: In einem Gefängnis in Colorado Springs herrscht der Ausnahmezustand. Captain Bannerman Clark, erfahrenes Mitglied der Nationalgarde, soll einen Aufstand der Insassen unter Kontrolle bringen. Doch er hat es nicht mit gewöhnlichen Gefangenen zu tun. Verwandelt in Zombies, gefühllose Monster, kennen sie nur noch die Gier nach Menschenfleisch. Rasend schnell breitet sich die Zombie-Seuche über das Land aus. Clark und seine Leute nehmen den verzweifelten Kampf gegen die Untoten auf.

Dabei kommt ihnen der Umstand zu Hilfe, dass sie eine Frau finden, die offensichtlich tot ist und dennoch nicht vollständig zur verstandeslosen Masse der Zombies zu rechnen ist. Doch die Frau, die sich selbst in Unkenntnis ihres wahren Namens „Nilla“ nennt, flüchtet und wird selbst zum Opfer einer Intrige. Denn hinter der Zombifikation steckt mehr, als alle ahnen. Ein gemeinsames Epizentrum der Ereignisse scheint sich bald herauszukristallisieren.

Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, gepflastert mit von Untoten überrannten Städten, grausam entstellten Leichen, die schon bald wieder zu neuem Leben erwachen und ganzen Platoons an Soldaten der Nationalgarde, altgediente Irak-Veteranen, denen die Nackenhaare angesichts dieser übermächtigen Bedrohung zu Berge stehen.

 

Kritik:

David Wellington hat es mit wenigen Romanen geschafft, als aufstrebender Horror-Star zu gelten. Dies ist zum Teil richtig angesetzt, doch bleiben einige Bemerkungen übertrieben. Sein Schreibstil ist – auch der an einigen Stellen fehlgeleiteten Übersetzung geschuldet – nicht bemerkenswert anders als der von anderen Mainstream-Autoren des Genres. Was gelungen wirkt, ist die Tatsache, dass Wellington dem Zombie-Dasein eine neue Metaphysik und somit eine andersartige Dimension gibt, was vielen anderen Werken dieser Coleur fehlt.

Darüberhinaus sind die Action-Szenen ordentlich, aber nicht wegweisend anders geschildert. Auch bei den Beschreibungen bleibt Wellington an der Oberfläche.

Getadelt werden muss die deutsche Übersetzung. Hier wird ein „Private Service“ mit „Privatberater“ übersetzt, wo doch eindeutig damit ein „privater Sicherheits-Service“ gemeint ist. Auch Satzungetüme angereichert mit sprachlichen Fremdwort-Misskreationen wie: „Die Einblendung zeigte ein Compositbild mit den Falschfarbendaten eines Infrarot-Landsats, das mithilfe eines Codecs mit der standardmäßigen Footprintdarstellung eines Spionagesatelliten der Keyhole-class abgeglichen wurde“ (S. 291) tragen nicht wirklich zur Erhellung des Dargestellten bei.

 

Fazit:

Es bleibt ein Roman mit einigen bewusst in Kauf genommenen Längen, die bei einem kompromisslosen Lektorat gestrichen worden wären und somit der Roman sich auf ca. 200 Seiten belaufen hätte. Der Roman ist in seiner Struktur flüssig geschrieben, bleibt auf mittlerem Sprachniveau und eher mäßig spannend.

Wäre da nicht die Darstellung aus der Sicht eines Halb-Zombies mit der neuartigen Dimensions-Struktur der Zombie-Wahrnehmung, wäre „Nation der Untoten“ ein im unteren Bereich des Mittelmaßes verbleibender Roman, so aber positioniert er sich im Durchschnitt.

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Eure Meinung:

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Buch:

Nation der Untoten

Autor: David Wellington

Taschenbuch, 382 Seiten

Piper, März 2009

 

ISBN-10: 349226686X

ISBN-13: 978-3492266864

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.03.2009, zuletzt aktualisiert: 11.10.2020 16:04