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Per Anhalter durch die Galaxis (Prachtausgabe) von Douglas Adams

Rezension von Christian Endres

 

Am 11. Mai 2001 starb Douglas Noel Adams in einem Fitnessstudio überraschend an den Folgen eines Herzinfarkts. Damit verlor die Welt an einem tiefschwarzen Tag nicht nur einen großartigen, vielseitigen und intelligenten Schriftsteller mit einer feinen Beobachtungsgabe (die Adams noch mehr in »Die letzten ihrer Art« an den Tag legte), sondern auch einen in mehrerlei Hinsicht außergewöhnlichen Menschen, einen Pionier der (Apple-)Technik und des Naturschutzes und überhaupt einen der brillantesten Visionäre und Humoristen unserer Zeit.

 

Der Popularität von Adams’ Büchern hat der Tod des Kult-Autors aus England allerdings keinen Abbruch getan – ganz im Gegenteil: Der 25. Mai nach seinem viel zu frühen Tod wurde von Adams’ zahlreichen Fans sogar kurzerhand zum Towel Day (»Handtuch Tag«) erklärt (also dem Tag, an dem alle DNA-Fans rund um den Globus als Zeichen der Ehrfurcht vor dem Meister des galaktischen Anhaltertums ein Handtuch mit sich herum schleppen, ist das Handtuch doch bekanntermaßen das wichtigste Utensil des Freundes günstiger, spaßiger Weltraumreisen für eine Hand voll Dollar).

 

Anlässlich des fünften Todestags des Autors – und des darauf folgenden fünften Towel Days am 25. Mai 2006 – bringt Rogner und Bernhard (welche Adams’ Bücher in den 80ern ursprünglich ja schon in schönen Hardcover-Ausgaben nach Deutschland gebracht haben und daher einiges an Erfahrung in Sachen DNA besitzen) einen gebundenen, fast 1000 Seiten starken Sammelband mit allen fünf Teilen (Per Anhalter durch die Galaxis, Das Restaurant am Ende des Universums, Das Leben, das Universum und der ganze Rest, Mach's gut und danke für den Fisch, Einmal Rupert und zurück) von Adams’ kultiger Science-Fiction-Saga in einer illustrierten, nummerierten und auf 3000 Exemplare limitierten Prachtausgabe heraus, deren Bezeichnung durchwegs Programm ist ...

 

Es ist mir fast schon ein bisschen peinlich, die Story von Adams’ »Per Anhalter durch die Galaxis«, diesem monumentalen Kultwerk und zentralen Bestandteil von Adams’ Schaffen, an dieser Stelle noch einmal gesondert zusammenzufassen, zumal das gar kein so leichtes Unterfangen ist, da Adams hie und da durchaus zu ausgiebigen Abschweifungen, allerhand Zeit- und Dimensionssprüngen und dem stets liebevollen und genauen Blick für »Belanglosigkeiten« neigte und den roten Faden seiner Weltraumgeschichten nicht immer ganz so straff in den Händen hielt, wie manch einer sich das vielleicht gewünscht hätte ...

 

So oder so ist der Anhalter jedoch die mit Abstand abgefahrenste Science-Fiction-Geschichte, die jemals gesendet/gedruckt/gedreht worden ist und verdient, egal ob man Douglas Adams und seinen nicht immer ganz einfachen Schreib- und Erzählstil nun mag oder nicht, mindestens Beachtung, im besten Fall natürlich tiefen Respekt und unergründliche Liebe zu diesem imposanten Werk, das Höhen und Tiefen seitens seines Autor, des Verlages und der Leserschaft förderte und auch außerhalb seines Inhalts – und weit darüber hinaus, wie das Nachwort zur Filmausgabe z. B. bewies – eine ganz eigene persönliche Geschichte zu erzählen weiß. Was sich hier nämlich aus einem mit bescheidenen Mitteln und vorerst mehr Enthusiasmus denn sonst etwas irgendwann Ende der 70er für den BBC produzierten Hörspiel entwickelt hat, das galt schon seit jeher als mediales Wunder – wie gesagt mit Höhen und Tiefen, sicher, mit guten und schlechten Einfällen, ja, aber in der Summe einfach ein beeindruckendes Werk, das man wenigstens einmal in seinem Leben gelesen haben sollte und in den meisten aller Fälle auch öfters gerne zur Hand nimmt.

 

Douglas Adams’ Humor muss man dabei sicherlich mögen, und selbst der glühendste Verehrer der als solchen bezeichneten »Trilogie in fünf Bänden« wird zähneknirschend zugeben, dass es auf den knapp 1000 Seiten immer mal eine Länge, einen nicht ganz gelungenen Witz oder eine eher schwächere Passage gibt – gerade wenn man die fünf Teile im Sammelband hat und in einem Rutsch durchliest, wo sich solche Szenen und Stellen noch schneller offenbaren und man manchmal sogar ein wenig Durchhaltevermögen braucht. Doch was sind schon ein paar Zeilen, ein paar Absätze, ein paar Kapitel oder wegen mir auch fünfzig Seiten beispielsweise im dritten (meiner Meinung nach schwächsten) Band, wenn man dafür auf den restlichen Seiten ein furioses Feuerwerk an Ideen, Gags und Charakteren geboten kommt? Eben – Gar nichts! Und deshalb ist und bleibt Adams’ Weltraum-Mammutwerk auch ein großartiges Leseerlebnis, das jeden, der ihm eine Chance gibt, über kurz oder lang begeistern wird mit all seinem multilateralen Humor, seinen aberwitzigen Ideen oder seiner zwischen den Zeilen verborgenen Weisheit.

 

Wenn wir über die Aufmachung von Büchern sprechen, dann haben wir lediglich eine Hand voll Kriterien, anhand derer wir uns orientieren und an- bzw. abschließend eine Wertung erlauben können: Gestaltung (Umschlag mitsamt –illustration und -Gestaltung, Innenillustration und grafische Aufmachung, Satz), Verarbeitung (Druck, Bindung, Papierqualität) und natürlich Format und Extras (Taschenbuch, Hardcover, Leinen, Schutzumschlag, Prägedruck, etc). Betrachte ich mir nun die anlässlich des fünften Towel Day bei R&B erschienende Prachtausgabe von »Per Anhalter durch die Galaxis«, die übrigens exklusiv bei Zweitausendeins (www.zweitausendeins.de) erworben werden kann, dann steht für mich unter Berücksichtigung all dieser Kriterien ohne auch nur den kleinsten Hauch eines Zweifels fest: Wenn ein Buch den Ausdruck Prachtausgabe verdient hat, dann wohl dieses. Ein stabiles, In Leinen gebundenes Hardcover mit Schutzumschlag und Prägedruck, guter Papierqualität, einem sauberem Druckbild, (für den Umfang des Mammutwerks!) hervorragender Bindung und Verarbeitung, schönen Illustrationen, nummeriert und limitiert – was will man als Freund bibliophiler Ausgaben eigentlich mehr?

 

Die Illustrationen für das Cover und die Deckblätter der einzelnen Bände des Sammelbands von Gerhard Seyfried und Ziska Riemann sind auf den ersten Blick sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig und arg »cartoonlastig«, doch ist das an sich ja genau der Stil, der zu Adams’ Anhalter passt. So hat sich das Cover – wie überhaupt der gesamte Umschlag – für mich binnen einer halben Stunde, nachdem ich ihn aus dem Versandkarton befreit habe, zu einem echten Hingucker entwickelt und all meine anfängliche Skepsis zur Seite gefegt, während die Illustrationen zu den jeweiligen Einzelbänden durch eine Fülle an Details, eine starke Verbindung zum Inhalt des jeweilig nachfolgenden Einzelbandes und einen hohen Wiedererkennungswert des Stils zu begeistern verstehen.

 

Ansonsten weiß die in edles Leinen gebundene Hardcoverausgabe, die im Regal selbstredend einiges her macht und durch einen kleinen Trick in der Flächenaufteilung noch einen besonderen Effekt in der Reihe der umschließenden Buchrücken hervorruft, auch dann noch zu gefallen, wenn man sie ausgezogen – also ihr den Schutzumschlag abgenommen – hat, kommt dann doch auf dem Buchrücken ein geprägter Buchrückentitel in funkelndem Rot zum Vorschein.

 

Als einzigen Kritikpunkt fiel mir bereits vor dem Lesen »negativ« auf, dass, obwohl auf der offiziellen Homepage von DNA meines Wissens nach ohne Probleme lizenzfrei in guter, drucktauglicher Auflösung zu bekommen, auf dem Schutzumschlag zu Douglas Adams’ Biographie ein Bild des stets so sympathisch lächelnden Autors fehlt, was ich bei so einer Prachtausgabe als verpasste Gelegenheit empfinde, der ich durchaus hinterher trauere. Andererseits steht in diesem Fall wohl doch klar das eigentliche Werk im Vordergrund, was diesem Kritikpunkt am Ende die Schärfe nimmt.

 

Überhaupt überwiegt ganz klar das Positive an der äußeren und inneren Erscheinung dieses prächtigen Buches, und der Adams-Fan darf sich seiner Sache äußerst sicher sein und sich wahrlich auf diese Ausgabe freuen: Für zugegeben nicht ganz so harmlose vierzig Euro gibt´s hier wenigstens massig Buch und dabei selbstverständlich massig DNA zum Lesen, das ganze dazu in wahrlich herausstechender Verarbeitung und Gestaltung und einer sprichwörtlichen Prachtausgabe – das ist eine Investition, von der mit etwas Glück die Enkel auch noch etwas von haben ...

 

Fazit: Es gibt eigentlich nicht mehr viel zu diesem Buch zu sagen – außer vielleicht, dass es definitiv das Buch der Bücher ist und der Adams-Kult damit eine neue Bibel hat, die ihres Inhalts endlich vollkommen würdig ist und die nächsten Jahrzehnte, ach was, Jahrhunderte als das Standardwerk in Sachen Douglas Adams und Anhalter herhalten wird.

 

Rogner und Bernhard präsentieren mit diesem Band die ultimative Sammlerausgabe, auf die viele Fans so lange gewartet haben – und damit den legitimen Nachfolger des dicken »Keine Panik!«-Taschenbuch-Sammelbandes von Heyne aus dem Jahre 2001.

 

Keine Frage: Die 42 unter den Büchern!

 

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Per Anhalter durch die Galaxis (Prachtausgabe)

enthält alle fünf Einzelromane

Autor: Douglas Adams

Verlag: Rogner und Bernhard

Seitenzahl: 936

ISBN: 3807710175

Erhältlich bei: Zweitausendeins

Weitere Infos:


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Erstellt: 15.05.2006, zuletzt aktualisiert: 15.03.2019 13:00