Philpots Reise (Autor: Sebastian Guhr)
 
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Philpots Reise von Sebastian Guhr

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Auf der Suche nach einem Ausweg aus seinem eintönigen Leben und nach Anerkennung als Wissenschaftler, beteiligt sich der Titelheld in Sebastian Guhrs Roman an einer Expeditionsreise ins gelobte Land. Nach einem Schiffbruch endet die Reise an der Küste eines fremden, von Riesen bevölkerten Landes. Dort trifft er auf eine Riesin namens Stella, in deren Gesellschaft er das neue Land und sein vorheriges Leben erkundet, auf ihren Mann Presto, der ihn als Versuchsobjekt missbraucht und auf Ausgewanderte seines Volkes, die im Untergrund terroristische Anschläge gegen die Riesen planen.

 

Rezension:

Nach dem Erzählungsband Stahlstück präsentiert der Chaotic Revelry Verlag nun das Roman-Debüt von Sebastian Guhr.

 

Das Buch spielt mit einer witzigen Grundidee: Was wohl passiert, wenn uns Swifts Liliputaner heute besuchen würden. Titelheld Philpot ist ein von sich selbst recht eingenommener Wissenschaftler aus Mildendo, der Hauptstadt Liliputs.

Er verfasst seinen Reisebericht mit etlichen Attitüden, die es ihm nicht unbedingt einfach machen, das große Abenteuer zu erleben. Von Frau, Kind und Alltag angeödet, schließt er sich einer Expedition an, die den Verbleib diverser Exilanten klären soll. Nach einem Schiffbruch erwacht er in einer nicht näher bezeichneten Gegend, wahrscheinlich Deutschland, zusammen mit seinem Vorgesetzten Homrig. Da ihn dieser bei der Abfassung seines Berichts eher stört, ergreift er die erstbeste Gelegenheit, in die Welt der Riesen einzusteigen - und in einen Bus.

Am Hauptbahnhof erlebt er nicht nur einen terroristischen Anschlag seiner verschollenen Landsleute, er trifft auch auf Stella, eine Riesin mit riesigen Problemen. Kurzentschlossen stürzt er sich in die Handtasche der psychisch labilen Frau und dringt bald nicht nur in ihr Leben ein.

 

Ganz in der Tradition des subjektiven Erlebnisberichts, folgen wir der Hauptfigur, wie sie sich selbst und das Wahrgenommene beschreibt. Immer wieder können wir Philpot dabei beobachten, wie er sich selbst belügt, seine Umwelt so interpretiert, dass es ihm nicht schadet, ja bis zum Schluss versucht er, den Bericht auch vor sich selbst, als etwas Objektives darzustellen.

Diesen Kunstgriff beherrscht Sebastian Guhr perfekt. Er entwickelt vor uns einen teilweise recht ekelhaften Macho und Egomanen, der weder echte Gefühle an sich heranlassen will noch Fehler hinterfragen möchte. Das gipfelt in der sehr skurrilen Reise mit Stella nach Dublin und der Infiltration des terroristischen Liliptuaner-Untergrunds.

Dabei begeht Philpot einige Kapitalverbrechen, die in ihrer zynisch erzählten Berichtsversion mehr als krass wirken. Das sind keine derben Scherze oder spitzzüngigen Politreflexionen mehr, sondern eine der bitterbösesten Charakterisierungen, die in der aktuellen deutschen Phantastik zu finden sind. Philpot ist ein Monster und dabei im tiefsten Sinne banal und peinlich.

Der Chaotic Revelry Verlag steckt den schrägen Text in ein ordentliches Büchlein und Nina Kober versorgt es mit einem eher verniedlichenden Cover, das dem hintersinnigen Horror nicht ganz gerecht wird.

 

Fazit:

»Philpots Reise« beginnt zunächst recht harmlos als moderne Fortsetzung von Gullivers erster Reise. Doch recht bald entwickelt sich der Roman zu einer tiefschwarzen Groteske, deren Grauen unter der spaßigen Oberfläche umso schrecklicher hervordringt.

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Buch:

Philpots Reise

Autor:Sebastian Guhr

Hardcover mit Lesebändchen, 201 Seiten

Chaotic Revelry Verlag, Dezember 2012

Cover: Nina Kober

 

ISBN-10: 3981245792

ISBN-13: 978-3981245790

 

Erhältlich bei: Amazon

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240615194220144185c4
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Erstellt: 10.01.2013, zuletzt aktualisiert: 28.04.2024 13:09, 12923