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Quarantäne von Robert Charles Wilson

Rezension von Thomas Pichler

 

Klappentext

In einem abgelegenen Forschungszentrum im Norden Minnesotas operieren Wissenschaftler mit einer atemberaubenden neuen Technik. Sie ermöglicht es ihnen, die Aktivitäten außerirdischer Lebewesen auf einem Lichtjahre entfernten Planeten zu beobachten. Ganz offensichtlich intelligente Lebewesen. Lebewesen, die eines Tages bemerken, dass sie beobachtet werden – und sich erheblich gestört fühlen…

 

Anmerkung: Dieser Text stammt vom Rückumschlag des Buches und hat die Bezeichnung „Klappentext“ daher im Gegensatz zu der anderswo genutzten Kurzbeschreibung von der Heyne-Website auch verdient.

 

 

In der gar nicht so fernen Zukunft bieten sich der Forschung neue Mittel: Quantencomputer mit organischen Komponenten. In zwei Forschungseinrichtungen haben diese unglaubliches geleistet: Sie liefern detaillierte Bilder ferner Planeten, ja, von einzelnen Lebewesen darauf.

 

In der Einrichtung Black Lake sind drei Journalisten zu Gast, als diese plötzlich ohne Erklärung von außen unter strengste Quarantäne gestellt wird. Gemeinsam mit Mitarbeitern müssen sie sich der Frage nach dem Warum stellen. Der Verdacht drängt sich auf, dass es etwas mit der von Forschern eigentlich gar nicht verstandenen Methode der Bildbeschaffung zu tun haben könnte. Und auch die vermeintlichen Halluzinationen eines kleinen Mädchens könnten damit in Verbindung stehen…

 

Der Klappentext des Buches ist angesichts des Inhalts hochgradig irreführend: Im Roman selbst kommt nur ein außerirdisches Lebewesen vor, dass sich durch Beobachtung gestört fühlt. Und dieses Faktum ist lediglich auf dem Weg zur Erkenntnis des eigentlich unerklärlichen Phänomens relevant.

 

In einer gar nicht so fernen Zukunft ist die wesentlichste Prämisse des Romans gut gewählt. Organische Computer und Quantenprozessoren, dafür interessiert sich schon die heutige Forschung. Dass derlei Geräte, wenn sie sich selbst iterativ neu programmieren, irgendwann das menschliche Verständnis sprengen könnten, ist vorstellbar. Auch andere Ideen zu Technologie und Wissenschaft dieser nahen Zukunft erscheinen, so weit überhaupt näher ausgeführt, relativ plausibel. In diesem Kontext fällt es umso unangenehmer auf, dass einer der wenigen bereits heute etablierten wissenschaftlichen Fakten, die Entfernung des Gestirns Ursa Major 47, falsch angegeben wird.

 

Die Geschichte selbst ist für lange Zeit eher eine Erzählung über das Zusammenleben und Agieren der Charaktere vor dem Hintergrund der Quarantäne. Die Prämisse wird eher verstreut erklärt, vermutlich ein (eher gescheiterter) Versuch, sie als Spannung tragendes Element zu nutzen. Nur das kleine Mädchen bietet lange Zeit echte Hinweise darauf, dass etwas Ungewöhnliches in Black Lake selbst im Gange ist. Das alles liest sich flüssig, aber doch zu träge. Erst im letzten Drittel steigt das Tempo etwas, als die philosophische (ja, irgendwie theosophische) Bedeutung der organischen Quantencomputer und ihrer Beobachtungen aufgedeckt und das Geheimnis letztendlich doch eher unspektakulär gelüftet wird.

 

Fazit

Wer angesichts des irreführenden Klappentextes ein Gefühl von Krieg der Welten, Action und Spannung erwartet, wird wirklich schwer enttäuscht sein. Dabei hat die nach heutigem Verständnis realistische Prämisse von Quarantäne eine Menge Potential, das mit dem philosophisch angehauchten Ende vielleicht nicht ausgeschöpft, aber interessant genutzt wird.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Quarantäne

Autor: Robert Charles Wilson

Broschiert: 477 Seiten

Verlag: Heyne (Oktober 2007)

 

ISBN-10: 3453523164

ISBN-13: 978-3453523166

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 22.10.2007, zuletzt aktualisiert: 15.03.2019 13:00