Raumsprünge (Autor: Karsten Kruschel)
 
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Raumsprünge von Karsten Kruschel

Rezension von Ralf Steinberg

 

Rezension:

Die Kurzgeschichte Raumsprünge aus dem Jahre 1985 zeigt uns den heutigen Roman-Autor Karsten Kruschel von seiner experimentierfreudigen Seite.

Er beginnt mit dem Betrachtungen von Jens Jakub, der sich als einzig Vernünftiger unter lauter Verrückten an Bord eines Raumschiffs wähnt, das er zudem für Schrott hält.

Er hockt in einer Ecke der Zentrale zwischen Kartenraum und Klo, das chaotische Treiben der Wahnsinnigen verursacht ihm Schmerzen.

Dabei kämpft der Rest der Besatzung gerade um ihr Leben. Das Schiff droht in die Sonne zu stürzen, der Computer lässt sich nicht nutzen, da er von Jens Jakub programmiert wurde. Aber Jakub ist nicht ansprechbar.

Ein sehr riskanter, manueller Raumsprung scheint die einzige Lösung aus der Falle zu sein …

 

Die Krise ist allgegenwärtiges Thema der Geschichte. Sie betrifft sowohl die technische Situation des Schiffes als auch die psychische der Besatzungsmitglieder. Kruschel erklärt nach und nach, wie es zum geistig verwirrten Zustand des Programmierers kam. Die enge Beziehung zum Computer überträgt den geistigen Zusammenbruch des Menschen auf die Maschine. Diese gefährliche Abhängigkeit weist auch in die andere Richtung, denn kein anderer kann den Computer reparieren. Und so stehen viele Leben auf dem Spiel, weil Jens unter einem Unglück zusammenbrach, dass ihn so sehr traumatisierte. Kruschel beschreibt dieses Treiben in Leid und Selbstverstümmelung durch verständliche Bilder, die es einfach machen, den Kampf in Jakubs Verstand nachvollziehen zu können.

 

Während Jakub mit seinen Geistern kämpft, muss der Kommandant schwere Entscheidungen treffen und den Rest der Besatzung zusammen halten. Die Krise bewältigen.

Kruschel greift auf ein bewährtes Raumschiffgespann zurück: Der weise Kommandant, der starke Stellvertreter, der selbstbewusste Arzt auf der Brücke und der spleenige Chefingenieur im Maschinenraum.

Wie eine Star Trek Folge liest sich auch der weitere Handlungsverlauf. Es gibt eine weitere Krise und die überraschende Lösung, eingeleitet durch eine Frau.

Dabei nimmt sich Kruschel Zeit, die ethischen Dilemmata der einzelnen Figuren deutlich zu machen. Trotz der Krisensituationen bleiben seine Charaktere Menschen mit eigenem Profil und Leben.

Dieses frühe Zeichen von Karsten Kruschels Erzählkunst liest sich auch nach dreißig Jahren noch fesselnd und ohne Abnutzungszeichen.


Großen Spaß machen beim Wiederlesen erneut die Illustrationen von Karl Fischer, der diese kleinen Abenteuerheftchen für 25 Pfennig regelmäßig in ein Sprungtor in ein anderes Leben verwandelte.

 

Fazit:

Stilistisch beweist Kruschel bereits in jungen Jahren, dass er sowohl Action als auch tiefe emotionale Zustände sicher im sprachlichen Griff hat. Spannend erzählt, mit passender Dramaturgie meistert er die kurze Form mühelos.

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Heft:

Raumsprünge

Reihe: Das Neue Abenteuer 470

Autor: Karsten Kruschel

Verlag Neues Leben Berlin, 1985

Heft, 32 Seiten

Cover und Innenillustrationen: Karl Fischer

 

elektrisch erhältlich:

Direkt beim Autor

 

Enthalten auch in

Raumsprünge, das kleinere Weltall und andere fantastische Erzählungen

EDITION digital, 2012

ca. 217 Seiten

Inhalt:

<typolist>

Raumsprünge

Schach mit Otto

Ein Fall von nächtlicher Lebensweise

Herrliche Zeiten

Theorie der Kugelblitze

Aussage des Assistenten

Der Brunnen

Großartige Party, wirklich großartig

Die Schuld

Glücklicher Lotse

Der Galdäische Krieg

Die Garnison</typolist>

 

ASIN: B007C6X9TY

 

Erhältlich bei: Beam

 

und bei: Amazon Kindle-Edition

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240417022818b1d276cd
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Erstellt: 23.09.2014, zuletzt aktualisiert: 27.03.2024 19:50, 13710