Reise um den Mond (Autor: Jules Verne)
 
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Reise um den Mond von Jules Verne

Rezension von Ralf Steinberg

 

Rezension:

Die Fortsetzung von Die Reise zum Mond erzählt von der Umrundung des Mondes durch drei Menschen, die sich mittels einer riesigen Kanone und einem entsprechenden Projektil in den Weltraum schießen lassen um unserem Trabanten und dessen Bewohnern einen Besuchen abzustatten.

Die beiden Amerikaner Barbicane und Nicholl sind Wissenschaftler und entsprechend betrachten sie die Reise in erster Linie als wissenschaftliche Expedition. Ihr Reisegefährte hingegen, der Franzose Michel Ardan, ein Künstler und Pariser Original (Vernes Reminiszenz an seinen Freund Nadar) hingegen genießt das Abenteuer und stellt lebensnahen Kontrast zu den beiden nüchternen Denkern da.

Vernes Roman stellt in vieler Hinsicht eine Besonderheit dar. Das Herausstechendste ist die Tatsache, dass Verne keine Landung auf dem Mond beschreibt und damit auch jegliche Chance auf eine Begegnung mit den Seleniten, jenen theoretischen Mondbewohnern, aus der Hand gibt. Zwar verzichtet er nicht ganz auf Action, diese bewegt sich aber durchwegs im gemütlichen Rahmen eines Sonntagsausflugs, trotz aller beschworenen Lebensgefahr.

Der Großteil des Romans handelt daher gar nicht von den Gefahren der Reise sondern breitet vor dem Leser eine umfangreiche Fülle an Wissen über den Mond und den Kenntnisstand der Wissenschaft aus.

Was sehr leicht aus heutiger Sicht langweilig sein könnte, da unser Wissen deutlich fundierter ist und auch etliche der Grundannahmen aus Vernes Zeit inzwischen widerlegt sind, hat mehr als nur historischen Reiz.

Artemis und Winkler beschenken den Leser nicht nur mit einer Neuübersetzung. Die Übersetzerin Claudia Kalscheuer, wühlte sich für ihre Arbeit durch die Archive und erklärt in ausführlichen Fußnoten jeden noch so unbedeutenden Begriff und Namen, der einen zeitgenössischen Hintergrund besitzt.

Zahlen und Fakten, Buchverweise, biographische und lexikalische Erläuterungen bereichern diese Ausgabe derart, dass der Leser deutlich mehr über Verne und seine Zeit erfährt, als es die Lektüre eines Genre-Klassikers verspricht.

Hinzu kommen die ergänzenden Bemerkungen des Ingenieurs und Zeitgenossen Vernes Albert Badoureau, der ihn auf diverse technische und physikalische Details hinwies, die der Autor jedoch bei späteren Ausgaben nicht berücksichtigte. Diese Bemerkungen sind zum Teil recht launisch und dadurch für uns heute sehr amüsant.

Ein weiterer Pluspunkt der Ausgabe ist die Verwendung der Innenillustrationen der französischen Originalausgabe. Sie bestimmen durch ihre grafische Interpretation der Szenen zum Großteil die Phantasie des Lesers und unterstreichen den Hauch des Alters, der das Werk umgibt. Die heutige Sitte, aus Kostengründen auf Illustrationen zu verzichten, ist, so merkt man hier wieder deutlich, wenn man sich die detaillierten Stiche anschaut, eine Fehlentwicklung, die nicht oft genug angeprangert werden kann.

Umso lobenswerter sind solche hervorragend editierten Ausgaben, wie diese, die zudem noch ein weiteres Schmankerl aufweist. Im Anhang befindet sich der dritte Akt von Jules Vernes Theaterstück Reise durch das Unmögliche, in welchem das Geschehen des Romans für die Bühne bearbeitet und mit anderen Werken (Reise zum Mittelpunkt der Erde, Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer) Vernes verknüpft wird. Zwar war dieses Theaterstück ein Misserfolg, es zeigt aber deutlich auf, wie sehr Verne im Gegensatz zu seinen Außergewöhnlichen Reisen, dem wissenschaftlichen Fortschritt skeptisch gegenüberstand und dem Glauben weit mehr Raum zubilligte, als in seinen Romanen, die ja einem wissensbegierigen und jugendlichem Publikum gewidmet waren. Insofern ist dieser etwas andere Einblick in Vernes Ansichten äußerst interessant und amüsant zugleich.

 

Fazit:

Die vorzügliche Ausgabe von Jules Vernes Klassiker, besticht durch die Vielzahl der Features und kann jedem Leser nur wärmstens ans Herz gelegt werden, selbst wenn man schon eine Ausgabe des Werkes besitzt.

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240225125145bd05c53e
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Buch:

Reise um den Mond

Autor: Jules Verne

Original: Autour de la lune, 1876

Übersetzerin Claudia Kalscheuer

Artemis & Winkler, März 2007

Hardcover mit Schutzumschlag

ISBN-10: 3538063265

ISBN-13: 978-3538063266

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 04.06.2007, zuletzt aktualisiert: 17.10.2020 11:12, 3969