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Schwarzmondlicht von Melanie Vogltanz

Rezension von Ralf Steinberg

 

Klappentext:

»Wir dachten, wir wären in Sicherheit. Wir irrten uns.«

Die Mitglieder einer Vereinigung von Menschen mit magischen Fähigkeiten, die sich selbst »Der Zirkel« nennt, werden der Reihe nach grausam ermordet. Dann hört das Töten ganz plötzlich auf.

Knapp zwanzig Jahre später sterben erneut Magier. Während Seher und IT-Techniker Hiroshi Taoyama einen Tod nach dem anderen vorhersagt, ohne Einfluss auf das Schicksal nehmen zu können, wird die Beinahe-Studentin Laura Seibach unfreiwillig in Ereignisse hineingezogen, deren Ausmaße sie nicht erahnen kann.

Welches wahre Ziel verfolgt der Mörder, und worauf hat er all die Jahre gewartet?

 

Rezension:

Für viele AutorInnen ist der Debüt-Roman Freude und Pein zugleich. Oft stecken Jahre erster Schreiberfahrungen in den Projekt, die ganz besondere Vorfreude auf die erhoffte Reaktion des Publikums und überhaupt die Erlebnisse des großen Sprunges in die literarische Welt. Und doch nagen später die Erfahrungen im Schreiben an diesem ersten Werk. Je lieber man den Stoff hat, umso dringender wird das Bedürfnis, ihn mit der neuesten persönlichen Poliertechnik wieder zum Funkeln zu bringen. Nicht selten kommt dabei ein ganz anderes Buch heraus.

In ihrem Vorwort erklärt Melanie Vogltanz, dass sie zum Jubiläum ihres 2006 abgeschlossenen Erstlings Luna Atra erkannte, wie viel ihr die Figuren »noch zu sagen hatten – und wie viel ich beim ersten Mal falsch verstanden hatte.«

Schwarzmondlicht ist also mehr als eine reine Überarbeitung, so die Autorin.

 

Der Roman beginnt dramatisch mit der Flucht einer jungen Frau. Auf der Suche nach ihrem Mann, schoss sie ein unerfahrener Polizist in ihrem Haus an und verletzt flieht Eloin in die Nacht. Obwohl sie die magischen Fähigkeiten einer Heilerin besitzt, verzweifelt sie. Denn ihr Mann Andreas ist tot …

 

Der Prolog endet abrupt, ohne das Schicksal der blutenden Frau aufzuklären und wir wechseln zu Laura. Die Schülerin lebt bei ihrem Vater und verdient sich in einen Café nebenbei Geld; nur noch drei Wochen muss sie ihre faule und machtgeile Cheffin ertragen, dann kämen die Ferien und das neue Leben als Studentin konnte beginnen. Doch dann taucht Kiro in ihrem Laden auf. Jeden Tag bestellt er bei ihr Kaffee – endlich ein Lichtblick für die öden Tage im Café. Doch ihre Cheffin missgönnt ihr das Vergnügen. Der Albtraumtag beginnt ihrer Entlassung, gefolgt von einem Streit mit ihrem Vater und kurze Zeit später liegt ihr Leben in Schutt und Asche, sie selbst im Krankenhaus mit Kiro.

 

Die nächste Handlungsebene stellt uns Hiroshi Taoyama vor. Trotz seines Namens kann er kein japanisch. Dafür hat er Visionen der Zukunft. Keine besonders glücklichmachende Gabe, wie er auf die harte Tour lernen muss. Kann ihm diese seltsame Frau, Viktoria Brandt, helfen, die ihm von einem geheimen Zirkel magiebegabter Leute erzählt? Immerhin lernt er dort die forsche Marion kennen, die ihn fasziniert und die ebenfalls Visionen erlebt, allerdings die von Toten.

 

Sobald man die Jugendlichen und ihre Begabungen kennengelernt hat, fühlt man sich an die Serie Supernatural erinnert. Doch wer bereits etwas von Melanie Vogltanz gelesen hat, wird ahnen, dass »Schwarzmondlicht« keine Romanze über zwei Zauberpärchen wird. Die jugendlichen Protagonisten stecken in traumatischen Erfahrungen, deren Auswirkungen sie nicht verstehen. Hilfsangebote von Erwachsenen erweisen sich schnell als so sinn- wie hilflos. Die Autorin bleibt ihren Figuren zwar stets sehr verbunden, schenkt ihnen aber nichts. Jeder Schritt vorwärts wird mit schmerzhaften Lektionen bezahlt, dabei müssen vor allem Laura und Hiroshi lernen, wie nah Vertrauen und Verrat sind. Aber auch der Tod.

 

In »Schwarzmondlicht« ist die Magie auf Begabungen verteilt, die bestimmte Menschen von Geburt an besitzen, doch man kann die Fähigkeiten anderer auch erlernen. Jedoch fächert sie das Feld magischer Möglichkeiten weit auf, begrenzt nur von der Fantasie der Autorin, die hier mit dem Schwarm in Anlehnung an Krabat von Otfried Preußler eine finstere Variante erschuf; einen Hort der menschlichen Abgründe.

 

Es sind alte und neue Entscheidungen, die im Finale alle Handlungsstränge vereinen. Doch je weiter der Roman auf diesen dramatischen Höhepunkt hinstürzt, tritt der eigentliche Protagonist deutlicher hervor. Zunächst ist Dr. Johannes Hansen nur der missgelaunte spaßbefreite Arzt, der Laura und Kiro im Krankenhaus betreut, wobei Hansen Kiro schon länger kennt, der ein Freund dessen Eltern ist. Da Kiro seine ultraligiösen Eltern verabscheut, nicht unbedingt ein guter Leumund. Hansen ist ein verbitterter Mann, dessen psychische Probleme sich darin auszudrücken scheinen, dass er in Gedanken mit seiner toten Frau redet und sie mit ihm. Doch seine Verbindung zu Kiro scheint noch tiefer zu gehen. Der Käfig, in dem Hansen seine Vergangenheit und die damit verwobenen Verwundungen einschließt, zerbricht, als er in die Ereignisse um Laura und Kiro hineinstolpert. Was er aber von allen Dingen am wenigsten will, ist die Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit. Doch genau das verlangt ihm die Autorin auf jeder folgenden Seite ab.

 

So erleben wir fasziniert, wie sich die Figurenkreise gegenseitig auf die Suche nach einander machen und dabei eigentlich zu sich selbst unterwegs sind. Die Abenteuerhandlung ist tief verschränkt mit Schicksalen ihrer Trägerinnen und Träger; Melanie Vogltanz setzt ihr Skalpell mit festem Druck an und schneidet den LeserInnen einen Blick frei, der intensiv jede Oberflächlichkeit durchdringt. Die ganz hohe Kunst der Phantastik.

 

Bei all die harten, aber auch sehr vielen zarten Momenten das Werkes begleitet die Lektüre auch die Befriedigung, ein sehr gut gemachtes Buch in den Händen zu halten. Die Veröffentlichung war zunächst in einem Kleinverlag vorgesehen, dessen Geschäftsgebaren jedoch jede Zusammenarbeit unmöglich machte. Zum Glück fanden sich helfende Hände und so ist die grafische Gestaltung und der Satz durch Grit Richter, der Cheffin des Art Skript Phantastik Verlages tadellos und vor allem optisch ansprechend.

 

Fazit:

Mit »Schwarzmondlicht« hebt Melanie Vogltanz ihren Debüt-Roman in einer starken Überarbeitung auf das literarische Niveau, mit dem sie derzeit die deutschsprachige Phantastik überstrahlt.

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Eure Meinung:

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Buch:

Schwarzmondlicht

stark überarbeitete Neufassung von Luna Atra, 2012

Autorin: Melanie Vogltanz

Cover: Grit Richter

Taschenbuch, 603 Seiten

Selbstverlag, November 2019

 

ISBN-10: 374948502X

ISBN-13: 978-3749485024

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B0818LV489

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 15.05.2020, zuletzt aktualisiert: 15.05.2020 17:50