Seltsame Orte (Hellboy Bd. 7)
 
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Seltsame Orte

Reihe: Hellboy Bd. 7

Rezension von Christian Endres

 

Wahrlich Seltsame Orte sind es, die Hellboy in seiner siebten Abenteuersammlung besucht. Dabei tummelt er sich vor allem in der Nähe des nassen Elements und trifft dort sowohl auf neue Feinde, als auch auf einige alte Bekannte und – wie bei Mike Mignola und dessen vielbesungenem Ideenreichtum nicht anders zu erwarten – auch auf das ein oder andere seltsame, ja nicht selten auch gefährliche Geschöpf ...

 

Nach Verlassen der B.U.A.P. (siehe »Hellboy Bd. 6: Sieger Wurm«) zieht es Hellboy wie angekündigt nach Afrika. Doch kaum dass er dort angekommen ist, nehmen auch schon die mystischen Verkettungen des Schicksals ihren Lauf, und so findet sich der unerschrockene Höllenjunge bald schon als Gefangener einer uralten Macht auf dem Grund des Meeres wieder, wo sein Tod herbeigeschworen werden soll, um Rache für alle Hexen zu nehmen und nebenbei den Untergang der Welt zu vereiteln. Doch Hellboy wäre nicht Hellboy und Mike Mignola vor allem nicht Mike Mignola, wenn ein paar speziell für den dämonischen Helden gefertigte Ketten, ein verhexter Nagel im Auge und eine mächtige Meereshexe ihn tatsächlich vernichten könnten ...

 

Nachdem er dem üppigen Busen des Meeres nur mit knapper Not entkommen ist, spült es Hellboy auch schon ins nächste Abenteuer: Eine von Schiffwracks umlagerte Insel, auf der ein altes Gemäuer steht, dessen Geheimnisse weder durch spanische Eroberer, noch die heilige Inquisition ganz ausgelöscht werden konnten, lockt den Höllenjungen in sein dunkles Inneres voll nicht weniger dunkler Geheimnisse, die unter anderem die – bzw. Hellboys! – rechte Hand des Schicksals und einen Drachen, der das Ende der Welt bedeuten könnte, bereithalten ...

 

Mignola versteht es, eine Geschichte mit einem abwechslungsreichem Tempo und genau dem richtigen Drive zu erzählen und sie immer wieder mit kleinen Ideen zu bereichern (wenn ich den Finger auf eine Szene im vorliegenden Band legen müsste, dann doch mit Sicherheit das Seemannsgrab, aus dem die Seelen der toten Matrosen nach ihrer Befreiung als Seevögel emporschweben und als Schaumkronen auf den Wellen und dem Horizont entgegen gleiten – das ist poetisch, das ist tiefsinnig und das ist schlichtweg genial und lässt mich vor Neid erblassen). Gleiches gilt für Mignloas herausragendes Artwork, das trotz aller Abstraktion und allem Einsatzes von großzügigen Flächen und Hell-Dunkel-Kontrasten eine unglaubliche atmosphärische Dichte erzeugt.

 

Das Cover des siebten Hellboy-Bandes aus dem Hause Cross Cult ist an das neue Design der aktuellen Dark-Horse-Sammelbände angelehnt (gleiches wird übrigens auch mit den Neuauflagen der vergriffenen Bände erfolgen, welche im August erscheinen sollen). Den Buchrücken allerdings hat man erfreulicherweise im Design der älteren Bände belassen, sodass alle Sammler an dieser Stelle nur bedingt aufschreien müssen. Mir persönlich gefällt das neue Design mit dem rot abgesetzten oberen Viertel sogar einen Tick besser als das alte Titellayout – und dass Mignolas Covermotive so oder so großartig sind, darüber müssen wir nicht weiter diskutieren. Gleiches gilt im Übrigen auch wieder für das schmucke Hardcover, das auch diesmal wieder nicht mit Extras geizt: So weiß »Seltsame Orte« beispielsweise mit einem Vorwort von Gary Gianni, einem alternativen Anfang der letzten Geschichte, Einleitungen von Mike Mignola zu jeder Story, einigen äußerst interessanten, ungetuschten Originalseiten, einer Skizzen-Galerie von Mike Mignola und natürlich den obligatorischen Pin-Up-Seiten deutscher Zeichner aufzuwarten – und bietet damit ein unverschämt vielseitiges, ausführliches Paket an Extras, das sich wahrlich sehen lassen kann.

 

Fazit: Trotz des guten Artworks und der guten, für die Hellboy-Kontinuität ziemlich wichtigen Story birgt der vorliegende Hellboy-Band auch den ein oder anderen Wermutstropfen in sich. Zum Beispiel nährt er in mir wieder einmal die Sorge, dass Mignola sich ein klein wenig verkünstelt und seine Stories zu exklusiv gestaltet und mit zu vielen Anspielungen und Anleihen ausstattet, die eigentlich nur er versteht (Erinnerungen an Alan Moores »From Hell« werden wach, wenn Fußnoten überhand nehmen müssen, um Recherchen oder Anspielungen deutlich zu machen, und das nimmt der Geschichte manchmal an der falschen Stelle das Tempo). Noch hält sich das ganze halbwegs in Grenzen und kann mit einem bewundernden Lächeln abgetan und verziehen werden, doch muss Mingola nun rechtzeitig wieder die Kurve kriegen und Hellboy im nächsten Band am besten wieder einmal ein paar »pulpigere« Abenteuer erleben lassen, die etwas flotter und frecher sind.

 

Das ändert jedoch nichts daran, dass »Seltsame Orte« ein wichtiges Bindeglied – ja mehr noch, ein Indikator – in und für Hellboys Geschichte ist und auch wieder etwas Licht in Vergangenheit und Bestimmung des Höllenjungens bringt, wodurch der Band trotz des oben angesprochenen, kleinen Mankos letzten Endes doch die perfekte Fortsetzung einer perfekten Serie ist und vor allem die alteingesessenen Fans anspricht, die Mignola und Hellboy bis hier hin gefolgt sind.

 

Kurzum: Bis auf ein paar etwas zu ehrgeizige Ideen und Anspielungen legt Mignola auch mit dem siebten Hellboy-Band einen außergewöhnlich guten Comic vor, der von Cross Cult wieder einmal sehr schön verpackt worden ist und der den Kultfaktor dieser Reihe voll und ganz bestätigt. Fans der Reihe können bedenkenlos zugreifen, während Neueinsteigern zu den ersten, bald wieder allesamt erhältlichen Bänden geraten sein soll, da Verständnis und somit Lesespaß und -Genuss einfach größer sind, wenn man Mignolas Geschichten von Anfang an verfolgt.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202402240038143b80b703
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Comic:

Seltsame Orte

Reihe: Hellboy Bd. 7

Autor: Mike Mignola

Verlag: Cross Cult

Format: Hardcover

Sprache: Deutsch

ISBN-Code: 3936480079

Anzahl Seiten: 160

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 25.05.2006, zuletzt aktualisiert: 20.02.2023 19:18, 2267