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Sherlock Holmes von Nick Rennison

Eine unautorisierte Biographie

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Nick Rennison beschreibt das Leben des von Arthur Conan Doyle erdachten Meisterdetektivs Sherlock Holmes. Jedoch schreibt er dieses unter der Prämisse des Spiels der Sherlockians: Sherlock Holmes war eine real existierende Person, ebenso wie Dr. Watson. Doyle sei nur der Herausgeber von Watsons Werken gewesen.

 

Wie üblich für eine Biographie beginnt Rennison mit den Vorfahren Holmes; es handelte sich hierbei um unauffällig lebende Landjunker. Nach wenigen Worten zur Geburt 1854 und der Kindheit wird sich der Jugend gewidmet: Schon in der Schule war Holmes ein Einzelgänger, doch an der Universität – Holmes hatte seinen Vater überredet, ihn in Cambridge Naturwissenschaften studieren zu lassen – kapselte er sich weiter ab, was sich in der Wahl der Sportarten widerspiegelte, denn Holmes focht und boxte. Darüber hinaus sagte ihm das Studium nicht zu – er schloss sich kurzfristig einer Theatertruppe an.

Nach einem Exkurs zum älteren Bruder, den genialen Politiker Mycroft, geht es mit Sherlock weiter. Er war stolz darauf, der einzige beratende Detektiv der Welt zu sein, doch man hört von den Anfangsjahren als Detektiv mit dem engen Freund Watson wenig – was Rennison mit dem Einfluss Mycrofts erklärt: Mycroft habe Sherlock massiv in Angelegenheiten der Krone eingebunden, über die Watson natürlich nicht berichten konnte. Rennison deckt hier Holmes Verstrickung in der irischen Frage mit dem Höhepunkt des geplanten Anschlages auf die Königin und seinen Beitrag zu den Ermittlungen zu den Morden von Jack the Ripper auf. Darauf wendet sich der Autor den Schattenseiten des Meisterdetektivs zu: Warum war Holmes so misogyn? Wie sind seine extremen Stimmungsschwankungen zu erklären?

Das vorläufige Ende ist der Zwischenfall an den Reichenbachfällen: Holmes und Todfeind Moriaty stürzen zu Tode. Auch dieses Ereignis wird neu ausgedeutet – wer lockte hier wen? Daran schließen sich einige Spekulationen über The Great Hiatus – den großen Bruch – an. Für 3 Jahre tauchte er ab und lebte im Verborgenen. Tibet, Lhasa, Naher Osten, Paris; wo war er wirklich? Waren die Abenteuer des Norwegers Sigerson wirklich die seinen? Während Holmes Fortsein feilten Watson und Doyle an ihrer Schriftsteller-Karriere, doch sie gingen mit Zwiespältigen Gefühlen heran. Nach Holmes Rückkehr war der Meisterdetektiv sehr beschäftigt: Zwischen 1894 und 1901 gab es keinen Problemfall von öffentlicher Bedeutung, bei dem Holmes nicht konsultiert worden wäre. Dennoch stieg Holmes Kokainkonsum gewaltig an und Watson begann sich über mögliche negative Konsequenzen sorgen zu machen. Hing es mit dem Fehlen wahrer Herausforderungen nach Moriatys Tod zusammen? Holmes dagegen kritisierte Watsons literarische Aufbereitung der Fälle – zu sensationslüstern! Der Meisterdetektiv begann sich langsam auf seinen einsamen, ländlichen Alterssitz zurückzuziehen, nahm aber immer noch an kriminalistischen Untersuchungen teil, besonders der Aufbau der britischen Geheimdienste beschäftigte ihn. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges resignierte er allerdings völlig und zog sich endgültig ins Privatleben zurück. Der Tod Mycrofts erschütterte ihn sehr und im hohen Alter verhinderten gesundheitliche Probleme die Abfassung eines Lehrbuchs der Detektivkunst.

1929 starb Holmes schließlich an Krebs. Einige abschließende Worte von Dr. Huxtable, der Holmes bis zu letzt betreut hatte, und ein Resümee des Autors beenden dann die Biographie.

 

Sherlock Holmes – Eine unautorisierte Biographie ist die Adaption des gleichnamigen Buches von Nick Rennison als Hörbuch. Die 279 Seiten des Buches werden dabei auf 74 Minuten im Hörbuch eingedampft – zu hören ist die Essenz der Biographie; die wissenschaftliche Methode und unglaublich Akribie gehen verloren. Die meisten Details stammen aus Doyles Werken, wobei Lücken und Unstimmigkeiten mit Fakten der realen Welt oder Schlussfolgerungen gefüllt werden. Zwar werden die Figuren völlig ernst genommen, doch gelegentlich schimmert eine ironische Haltung durch – vollkommen trocken und humorlos ist das Hörbuch also nicht. Insgesamt bleibt es sauber recherchiert und ist klug gekürzt; es liefert eine interessante Neudeutung von unklaren Stellen aus Holmes Leben.

 

Die Inszenierung kommt mit wenig Musik und Untermalung mit Geräuschen meist am Anfang der Kapitel aus. Gesprochen wird der Text in erster Linie vom Erzähler Bodo Primus, Walter Renneisen, der Zitate von Sherlock Holmes spricht, und Volker Risch, der Dr. Watson eine Stimme verleiht. Weitere Zitate werden von Monika Hessenberg, Heinrich Giskes und Roland Heinemann gesprochen. Allesamt machen ihre Sache gut; herausragend ist allerdings auch niemand, was an dem gemäßigten Ton der Biographie liegen mag.

 

 

Fazit:

Das Leben von Sherlock Holmes von Wiege bis zur Bahre. Eine wissenschaftliche Untersuchung ist es jedoch nicht – es ist eine fiktionale Biographie und damit nicht mehr als Unterhaltung. Wer aber den Meisterdetektiv schätzt und an Gedankenspielen seine Freude hat, der wird sich sicherlich gerne von diesem Hörbuch unterhalten lassen – waschechte Sherlockians werden allerdings die ungekürzte Fassung – das Buch – bevorzugen.

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Sherlock Holmes

Eine unautorisierte Biographie

Autor: Nick Rennison

Regie: Andreas Horchler

Patmos (2007)

Lesung, 1 CD, ca. 74 Min.

ISBN-10: 3491912539

ISBN-13: 978-3491912533

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 08.11.2007, zuletzt aktualisiert: 18.02.2016 10:25