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Shoscombe Old Place

Reihe: Sherlock Holmes 50

Hörspiel

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Holmes ist voller Freude. Zunächst präsentiert er dem verblüfften Dr. Watson des Mordes Lösung via Mikroskop, darauf stellt er seinem Freund rätselhafte Fragen zum Thema Pferderennen. Dann will er noch etwas über Sir Robert Norberton wissen – einen hoch verschuldeten, zu Gewalttätigkeiten neigenden Besitzer eines Rennstalls. Es geht um einen neuen Auftrag. Der Pferdetrainer John Mason wandte sich an Holmes und machte dunkle Angaben zum Problem. Holmes empfängt ihn und bekommt Seltsames zu hören: Sein Arbeitgeber lebt bei seiner Schwester – sie darf zu ihren Lebzeiten das Anwesen ihres verstorbenen Gatten nutzen, nach ihrem Tod geht es an seine Familie zurück. Eigentlich waren Bruder und Schwester immer gut miteinander ausgekommen, doch anscheinend haben sich die beiden gestritten. Seither verlässt die Dame ihr Zimmer kaum mehr und trinkt enorm viel. Der Herr wurde dagegen noch aggressiver. Zuletzt gab er den treuen Hund seiner Schwester weg und trieb sich des Nachts mit einem Fremden in der Familiengruft herum. Holmes ist natürlich interessiert. Zusammen mit dem guten Doktor packt er Rute, Schnur und Köder ein, um als Angler getarnt den Dingen vor Ort auf den Grund zu gehen.

 

Mit Shoscombe Old Place wird Maritims Sherlock Holmes-Reihe fünfzig – Grund genug für die Macher, etwas zu feiern. Als Beigabe gibt es das Sherlock Holmes Fan-Paket. Doch wie wirkt sich das Jubiläum auf die Folge selbst aus? Leider gar nicht. Folge 50 ist ein ganz normaler Holmes: Holmes macht ein paar Andeutungen, der Klient schildert das Problem und gibt erste Hinweise, Holmes und Watson ermitteln vor Ort und lösen den Fall. Das ist eher unspektakulär, die Auflösung ist sogar besonders unspektakulär. Das ist natürlich nur sehr verhaltene Kritik: Die Folge ist sehr solide, der Plotfluss angemessen hoch, ohne den etwas betulichen Charme der Reihe zu beschneiden, das Rätsel ist durchaus interessant (und man kann mitraten) und Holmes und Watson geben das gewohnt charmant-witzelnde Duo. Wäre Shoscombe Old Place Folge 49 gewesen, dann hätte ich nichts explizit dazu gesagt. Es ist halt eine sehr solide Folge, aber eben keineswegs herausragend, so wie die Jubiläumsfolge 50 es verdient hätte.

 

Die Anzahl der Sprecher ist wie üblich überschaubar: Das Inlay zählt neun Rollen auf; die Mehrheit von ihnen tritt in nur einer Szene auf und bisweilen sind nur wenige Sätze zu sagen.

Holmes und Dr. Watson sind stets mit Christian Rode und Peter Groeger besetzt; zu den beiden ist nichts Neues zu sagen, sie machen ihre Sache wie immer gut. Auch bei den übrigen Sprechern finden sich einige aus Maritim-Produktionen bekannte Stimmen.

Ich will noch die drei größeren Rollen nennen. Da ist zunächst der verunsicherte Auftraggeber John Mason. Eigentlich ein handfester Kerl, aber die Lage auf dem Gut bringt ihn in eine unangenehme Situation. Gesprochen wird er von Wolf Frass, dessen Name man in meinen Rezensionen schon öfters lesen konnte, zuletzt in Der Folterknecht. An seiner Leistung gibt es nichts auszusetzen. Es folgt sein Arbeitgeber Sir Robert Norberton. Der ist launisch, aggressiv und steht unter großem Druck. Ihn spricht Reent Reins, den man besonders aus Kinder- und Jugendhörspielen kennen kann: Brave Starr, Lucky Luke und Die drei ??? füllen sein Oeuvre, doch gelegentlich verirrt sich auch so etwas wie Professor Zamorra hinein. Reins klingt mir nicht ruppig und aggressiv genug, aber das ist nur eine Nuance. Letztlich will ich den Wirt Josiah Barnes nennen; er ist ein jovialer Schwätzer. Kai-Henrik Möller verleiht ihm die Stimme. Wie Reims kennt man ihn vor allem aus Kinder- und Jugendhörspielen, nur dass sich Larry Brent unter Die Fünf Freunde, Lucky Luke, Die drei ??? und Die drei !!! verirrte. Möller liefert eine sehr saubere Performanz ab, da gibt es kein Mäkeln. Die verbliebenen vier haben nur kleine Rollen, in denen sie kaum glänzen können, aber keinesfalls negativ auffallen.

 

An der Inszenierung hat sich nur wenig geändert, das wenige scheint mir aber eine Verbesserung zu sein. So klingt die Inszenierung insgesamt frischer und moderner. Es gibt im engeren Sinne keinen Erzähler, auch wenn Watson diese Funktion übernimmt; allerdings tritt er hier klar in den Hintergrund und auch Klient Mason übernimmt kurz die Funktion. Dass es einen Erzähler gibt, fällt kaum mehr auf und schon gar nicht negativ. Die Musik erinnert an alte Krimis, vorzugsweise solche aus England und in s/w. Bei der Geräuschkulisse scheint man moderner geworden zu sein: Der Klangteppich ist wesentlich dichter gewebt – es sind Kutschen, Pferde und Rufe beinahe ständig im Hintergrund zu hören. Außerdem scheint es einen Kindergarten in der Baker Street zu geben – die Geräusche treffen nicht immer so ganz, machen das Hörspiel aber viel lebendiger.

 

Schließlich ist noch das ungewöhnliche Design der CD zu erwähnen: Sie erinnert an die alten Vinyl-Scheiben.

 

Fazit:

Pferdetrainer Mason wendet sich an Holmes: Sein Arbeitgeber, der streitbare Sir Norberton, hat sich anscheinend mit seiner Schwester gestritten und verhält sich nun zunehmend merkwürdig. Die fünfzigste Folge ist ein sehr solider Beitrag der Reihe – allerdings meine ich, dass dieses Jubiläum mehr verdient hätte. Man kann die Folge gut hören, wird sie aber nicht in Ehren halten.

 

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Hörspiel:

Shoscombe Old Place

Reihe: Sherlock Holmes 50

Vorlage: Sir Arthur Conan Doyle

Produzent: Studium Maritim

Buch: Daniela Wakonigg

Maritim, September 2010

Umfang: 1 CD

Laufzeit: ca. 62 Minuten

 

ASIN: 386714317X

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Sprecher:

Christian Rode

Peter Groeger

Wolf Frass

Reent Reins

Kai-Henrik Möller

Michael Harck


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Erstellt: 16.10.2010, zuletzt aktualisiert: 14.05.2019 14:55