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Soma (PC)

Rezension von Cronn

 

Instinktiv halte ich die Luft an, als die Einlaufrohre damit beginnen, die Schleuse zu fluten. Schon nach wenigen Augenblicken, in denen das Warnlicht rotiert und die Sirene ertönt, ist der gesamte Raum mit Wasser geflutet. Dumpf klingen meine Schritte auf dem Bodenblech.

Dann höre ich, wie die Außentür sich regt und ich sehe sie aufschwingen. Ich gehe vorwärts hinaus in die das Halbdunkel und stehe nach wenigen Schritten auf dem Meeresboden.

Über mir schwebt ein Fischschwarm im Restlicht, das von der Meeresoberfläche herabsickert. Unter mir erstreckt sich sandiger Boden; kleine Käfer laufen darüber hinweg und Algen wiegen sich in der Strömung. Vor mir erhebt sich in einiger Entfernung ein schattenhafter Umriss. Noch weiß ich nicht, was er ist, hoffe aber, dass mein Ziel sich nahe befindet.

Vor einem Augenblick war ich noch in Toronto, wo ich einem Gehirnscan unterzogen wurde, nun bin ich hier auf dem Meeresgrund und habe keinen blassen Schimmer, was vor sich geht. Ich weiß nur, dass die Hinweise zur Lösung des Dilemmas sich in einem Schiffswrack finden lassen sollen, das wenig entfernt von der Tauchstation Omikron auf dem Grund des Meeres liegen soll.

Ich laufe durch das dumpfe Schweigen und komme mir dabei wie ein Astronaut auf einem Alienplaneten vor. Alles ist seltsam unwirklich und fremd. Ich erkenne keine Pflanzen und Fischwesen wieder.

Plötzlich ist es vor mir. Der Schatten wird riesenhaft, greifbar. Es ist das Schiffswrack. Da höre ich ein ohrenbetäubendes Rauschen und meine Sicht verschwimmt. Irgendetwas ist hinter mir her! Ich renne wie verrückt in Richtung des vermeintlich rettenden Schiffes, erklimme die Gangway und bin gerettet.

Unter mir steht ein undefinierbares Etwas auf dem Meeresboden. Es zuckt und windet sich, dann läuft es hinfort in die Dunkelheit.

Ich bin noch einmal mit dem Schrecken davongekommen. Aber wie lange wird das noch gut gehen?

 

Rezension:

Soma heißt das neue Spiel von dem Studio Frictional Games. Die Schweden haben sich mit der Penumbra-Serie einen Namen gemacht. Mit Amnesia: The Dark Descent gelang ihnen eines der unheimlichsten Horror-Spiele bis dato. Nachdem sie den Nachfolger zu »Amnesia« an ein anderes Studio ausgelagert hatten, melden sie sich nun mit einem neuen Game zurück. Es trägt den Titel »Soma«.

 

Inhalt:

Man muss höllisch aufpassen, wenn man über »Soma« berichtet, um nicht zuviel von der Story zu verraten. Denn diese Geschichte zu erleben, ist Hauptaugenmerk des Gamedesigns. Deswegen nur ganz knapp: Man schlüpft in die Rolle der Hauptfigur Simon Jarrett, der sich urplötzlich in einer lebensfeindlichen Umgebung wiederfindet – mitten in einer futuristischen Station auf dem Meeresgrund.

Warum er dorthin gelangt ist und was sein Ziel ist, das gilt es herauszufinden.

Die Story von »Soma« ist höchstgradig philosophisch und regt zum Nachdenken an. Auch wenn man das Spiel beendet hat, verlässt einen die Thematik noch lange nicht. Was hier Frictional Games geschaffen hat, ist als Story oscarverdächtig!

 

Gameplay:

Das Gamedesign orientiert sich im Wesentlichen an den »Penumbra«-Spielen: Man manipuliert Objekte direkt per Maus-Bewegungen in der virtuellen Welt, was die Immersion erhöht. Kleinere Rätsel sind auch dabei, meist geht es aber darum, Komponenten zu finden und irgendwo einzusetzen. Das ist auch zumeist nicht allzu schwer. Das Hauptaugenmerk von »Soma« liegt ganz klar auf der Story.

Daneben gibt es den Horror-Ansatz: Überall in der Station trifft man auf übel gelaunte Kreaturen, die dem Spieler ans Leder wollen. Die kann man überlisten, indem man sich in dunkle Ecken hinkauert oder die Beine in die Hand nimmt und um sein Leben rennt. Meist gelingt es einem auch. Doch einige Stellen im Game sind ganz schön knifflig. Dennoch ist der Horror-Ansatz allgemein nicht so stark vorhanden wie noch in »Amnesia«.

Was in »Soma« ganz stark ist, ist die Atmosphäre. Hier hat das Team rund um Thomas Grip und Jens Nilssonn ganze Arbeit geleistet: Die Atmosphäre von »Soma« ist dicht und intensiv. Ein derartiges Erlebnis hat man nicht alle Tage. Ein besonderes Highlight sind die Unterwasser-Sequenzen, in denen man unwillkürlich Luft anhält. Sehr grandios gelungen!

 

Grafik und Sound:

Die hauseigene Engine von »Soma« ist nicht mit Grafikprotzen a la Cryengine oder Unreal zu vergleichen. Dennoch zeigt sie im Game durchaus ihre Muskeln. Diese bestehen aus einer glaubwürdigen Physik im Zusammenspiel mit einer Lichtberechnung, die überzeugt. Der Detailgrad ist hoch und weil die Grafiker die Story miterzählen, indem sie die Räume so gestalten, wirkt die Grafikqualitätsstufe sehr gut.

Ein besonderes Lob haben die Sounddesigner verdient. Mehr als einmal zuckt man zusammen, wenn man das Knarren des Metalls hört, während man durch die Unterwasser-Stationen von Pathos II läuft und die unheimlichen bizarren Laute der Horror-Wesen hinter sich hört.

Das Sounddesign von »Soma« gehört zum Besten, was im Bereich »Horror Game« derzeit zu hören ist. Beide Daumen hoch!

 

Fazit:

»Soma« ist ein grandioses Spiel geworden. Seine Storystärken überzeugen und zeigen, dass das Medium Computerspiel erwachsen geworden ist und sich an Themen heranwagt, die Tiefe besitzen. Auch die Grafik und der Sound von »Soma« können gefallen und gerade der Sound leistet viel, um die Atmosphäre des Spiels derart intensiv zu machen.

Spiele, die Fragen zu Transhumanität und Identität aufwerfen, sind nicht an der Tagesordnung. Daher sollten alle Spieler, die sich für diese philosophischen Fragen interessieren und an Horror-Games schon immer Geschmack gefunden haben, »Soma« kaufen und damit die Entwickler von Frictional Games für ihre langjährige Arbeit belohnen.

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Eure Meinung:

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PC-Spiel:

Soma

Frictional Games, 21. September 2015

OS: ab 64-Bit Windows Vista

Prozessor: Core i3 / AMD A6 2.4Ghz

RAM: 4 GB RAM

Grafik: NVIDIA GeForce GTX 260 / AMD Radeon HD 5750. OpenGL 3.3

Festplatte: 25 GB available space

Hinweis: Integrated Intel Graphic-Grafikkarten werden nicht unterstützt.

 

Erhältlich bei: Via Steam erhältlich

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Erstellt: 22.10.2015, zuletzt aktualisiert: 18.06.2019 11:05