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Amnesia: A Machine For Pigs (PC)

Rezension von Cronn

 

Vorsichtig steige ich die Stiege hinab in Richtung Foyer. Über mir hängen die Bilder meiner Ahnen an der Wand. Von der Decke hängt ein großer Kronleuchter herab.

Die Kerzen sind gelöscht. Im Haus herrscht Dunkelheit und Stille. Einzig das Kichern meiner Kinder ist zu hören.

Doch ich bin mir nicht sicher, ob diese Kinder tatsächlich hier sind. Ihre Schemen sind durchscheinend, sie fliehen vor mir. Irgendetwas ist heute Nacht nicht in Ordnung.

Ganz und gar nicht!

Ich halte die Sturmlampe höher, während ich weiter die Treppe ins Erdgeschoss hinab schreite, begleitet vom fernen Lachen der Kinder. Dabei erinnere ich mich an das, was mir widerfahren ist.

Ohne erkennbaren Grund überfiel mich im Schlaf ein Albtraum, der mir eine Maschine zeigte. Unter den Worten »Vater, bitte töte mich nicht!« erschreckte ich mich zutiefst und wachte schweißgebadet in meinem Bett auf.

Ohne Erinnerung.

Wieso mein Bett von einem Käfig umgeben ist, der armdicke Eisenstangen aufweist? Ich weiß es nicht.

Warum neben meinem Bett halb verschüttete Flaschen mit Wein liegen? Ich habe keine Ahnung.

Irgendetwas ist hier schief gelaufen. Völlig schief. Ich muss herausfinden, was es damit auf sich hat.

Meine Kinder rufen mich. Als Vater ist es meine Pflicht sie zu finden.

Aber immer wieder rennen sie vor mir davon. Warum?

Als ich im Foyer angekommen bin, geschieht etwas Unglaubliches: Die Wände wackeln, ein ohrenbetäubender Krach zwingt mich in die Knie. Ganz tief unten im Haus hat eine Maschine begonnen zu laufen.

Und ich habe das untrügliche Gefühl, dass das nichts Gutes bedeutet …

 

Amnesia: A Machine For Pigs ist der neueste Streich der schwedischen Entwickler Frictional Games. Im Jahr 2010 haben die Schweden mit ihrem Game Amnesia: The Dark Descent alle Horror-Game-Fans begeistert. Nie zuvor war das Grauen und der Terror so intensiv spürbar gewesen.

Mit ihrer Gameserie Penumbra haben Thomas Grip und seine Programmierer bereits Erfahrung im Bereich Horror-Adventure gesammelt. Die ersten beiden Penumbra-Games waren sehr gut, aber erst »Amnesia« wurde zu ihrem Markenstein.

Nun haben die Entwickler sich Verstärkung geholt in Form des Entwicklerstudios The Chinese Room. Die Macher der Half-Life-Mod Dear Esther kümmerten sich um die Entwicklung des Nachfolgers zu »Amnesia«, wobei Frictional Games die Oberaufsicht übernahm und das Game zur Endkontrolle führte.

Das Ergebnis liegt nun als »Amnesia: A Machine For Pigs« vor und alle Horrorfans fragen sich: Wie gelungen ist die eigenständige Fortsetzung zu »Amnesia -The Dark Descent«?

 

Hintergrund:

Als Spieler in der Ego-Perspektive übernimmt man die Rolle des reichen Industriellen Mandus. Nach dem Erwachen stellt er fest, dass er eine Amnesie erlitten hat. Die Idee des Gedächtnisverlusts ist nicht neu im Genre. Auch der Vorgänger »Amnesia: The Dark Descent« spielte damit und trägt es ja auch bereits im Titel.

Doch ohne diesen Kniff wäre das Spiel in seiner Erzählstruktur nicht möglich. Und so durchstreift man als Mandus das herrschaftliche Anwesen, sucht nach Hinweisen auf die eigene Identität und was es mit der Maschine im Keller auf sich hat.

Die Story entpuppt sich als das herausragende Element von »Amnesia: A Machine For Pigs«. Sie wird durch Tagebucheinträge und gefundene Notizen vorwiegend erzählt. Dazu kommen noch Skript-Ereignisse in der Spielwelt, wie Erschütterungen ob des Startens der gewaltigen Maschine oder das Finden von seltsam verkrüppelten Leichen und dergleichen mehr.

»Amnesia: A Machine For Pigs« überzeugt durch seine reichhaltige und tiefgründige Geschichte, die voller Symbole und Metaphern ist. Das Geschehen am Schnittpunkt des 19ten zum 20ten Jahrhunderts verweist auf die Meta-Ebene der Geschichte von Industrieller Revolution und den tiefgreifenden Umwälzungen, welche die Gesellschaft erschütterten und noch heute in Nachbeben zu spüren sind.

Hier punktet das Game auf ganzer Linie!

 

Gameplay:

Das Gameplay von »Amnesia: A Machine For Pigs« besteht vorrangig in der Erkundung der Levels. Dabei kommt die aus dem Vorgänger bekannte Engine zum Einsatz, welche aber mit zusätzlichen Effekten aufgehübscht wurde.

Beispielsweise ist der Glas-Effekt von Fenstern nun wesentlich natürlicher in seiner Verzerrung und auch die Lichtquellen erscheinen harmonischer in die Umgebungsbeleuchtung eingebettet. Die Texturen sind nicht hochauflösend, weisen aber dennoch einen hohen Grad an Details auf.

Dies zeigt, wie intensiv die Macher an die Texturierung der Räumlichkeiten herangegangen sind. Auf diese Weise wirken die Levels durchaus glaubwürdig. Die Gebäude sind zweckmäßig eingerichtet, so dass ihre Funktion erkenntlich wird. Das gilt nicht für die grobschlächtigen Fahrzeuge, die wie aus Lego-Bausteinen zusammengesetzt wirken.

Zugunsten der Erzählung wurden die Puzzles in »Amnesia: A Machine For Pigs« stark zurückgefahren. Auf diese Weise wird die Erkundung kaum gebremst und der Spieler erlebt die Erzählung in einem Spielfluss.

Das mag die einen stören, die von »Amnesia: A Machine For Pigs« etwas ähnliches wie im Vorgänger erwartet haben. Das Game nähert sich hier an »Dear Esther« an, das vom gleichen Team entwickelt wurde. Aber im Gegensatz zu »Amnesia: A Machine For Pigs« trägt »Dear Esther« keinerlei Spielelemente in sich, sodass man hierbei nicht von einem Spiel im klassischen Sinn sprechen kann, sondern eine interaktive Erzählung vor sich hat.

Und genau dieses narrative Element wird bei »Amnesia: A Machine For Pigs« stärker hochgefahren als noch im Vorgänger.

 

Ein ständiger Begleiter ist die Sturmlampe. Sie wird auch eingesetzt, um den Spieler vor Gefahren zu warnen. Wenn man sie in Richtung einer Bedrohung hält, die noch im Dunkeln verborgen ist, flackert die Lampe. Das trägt zur Steigerung der Atmosphäre bei, die bei »Amnesia: A Machine For Pigs« zum Schneiden dick ist.

Aber ist das Game auch unheimlich? Ja. »Amnesia: A Machine For Pigs« lebt von den Momenten, in denen nichts passiert. Dann ist es unheimlich, man fühlt die Bedrohung durch die exzellente Soundunterstützung. Es bleibt aber ein großes »Aber«: Sobald aber die Bedrohung körperlich sichtbar geworden ist, verliert »Amnesia: A Machine For Pigs« an Schrecken.

War im Vorgänger das Ansehen des Gegners noch dadurch verboten, dass man dem Wahnsinn anheimfiel, ist nun die Bedrohung bei »Amnesia: A Machine For Pigs« rein körperlich: Man wird angegriffen und verletzt, getötet. Es gibt sogar ein automatisches Heilungssystem, wie aus Call of Duty bekannt. All das nimmt dem Game einiges an Grauen, wie es noch der Vorgänger evozierte.

Für alle, die »Amnesia: The Dark Descent« nicht spielen konnten, ist das eine gute Nachricht. Für alle anderen ein Hinweis, die Erwartungen hinsichtlich des Horror-Grades nicht zu hoch zu schrauben. Es wäre nach dem Vorgänger auch sehr schwierig gewesen, den Horror-Effekt noch zu toppen.

Die Art und Weise wie man mit der Umwelt interagiert wurde beibehalten: Wie gewohnt zieht man mit der Maus Türen und Schubladen auf und zu, indem man eine Vor- oder Rückwärtsbewegung bei gedrückter linker Maustaste vollführt. Das System ist seit den »Penumbra«-Spielen bekannt und sehr intuitiv. Prima!

 

Grafik und Sound:

»Amnesia: A Machine For Pigs« bietet hinsichtlich der Grafik ein ordentliches Gerüst. Die Texturen sind - wie erwähnt - nicht hochaufgelöst, aber detailverliebt. Das ergibt zusammen mit der glaubwürdigen Levelgestaltung und der gelungenen Beleuchtung ein überzeugendes Gesamtbild.

Besonders erwähnenswert ist der Sound. Hier hat sich The Chinese Room selbst übertroffen. Selten wurde eine derart dichte Atmosphäre vor allem durch den Sound erschaffen.

»Amnesia: A Machine For Pigs« ist das der Fall. Sobald man die leisen Seufzer vernommen hat, die Kratzer, das Rumoren in der Tiefe, ist man immer noch überrascht, wenn dann kräftige Sounds das Starten der Maschine ankündigen. Wahnsinn!

 

 

Fazit:

»Amnesia: A Machine For Pigs« ist ein Spiel für alle Horror-Fans, die sich gerne in einer interaktiven Erzählung verlieren, ohne dabei von zu vielen klassischen Gameplay-Elementen wie Puzzles aufgehalten zu werden. Das Game zieht den Spieler sehr schnell in seinen Bann.

Die Horror-Elemente sind allerdings nicht mehr so stark, wie noch im Vorgänger der Reihe.

Dennoch kann »Amnesia: A Machine For Pigs« empfohlen werden. Sicherlich wird es für angenehmen Grusel und den ein oder anderen Schreckmoment sorgen.

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Eure Meinung:

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PC-Spiel:

Amnesia: A Machine For Pigs

The Chinese Room / Frictional Games, 10 September 2013

 

ASIN: B001RFGVB4

 

Erhältlich bei: Steam

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Erstellt: 21.09.2013, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 10:50