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Später von Stephen King

Rezension von Matthias Hofmann

 

Der neue Roman von Stephen King ist der dritte, den er im Original für die leicht von den Pulps inspirierte Reihe Hard Case Crime von Charles Ardai geschrieben hat. Dieses Imprint, in dem seit 2004 fast 150 Titel erschienen sind, ist in Gestaltung und Titelmotiven im Stil der alten Krimi-Taschenbücher der 1950er- und 1960er-Jahre nachempfunden. Alles, was Rang und Name hat, wurde bislang versammelt. Neben King finden sich dort Koryphäen wie Donald E. Westlake, Max Allen Collins, Richard S. Prather, Robert Bloch, David J. Schow, Lester Dent, Robert Silverberg, Harlan Ellison, Mickey Spillane, Joyce Carol Oates, u. v. a. m.

 

Nach Colorado Kid (2005) und Joyland (2013) nun also Später. Auf Deutsch ist das Buch bei Kings Stammverlag Heyne erschienen, allerdings mit einem von einer Werbeagentur erstellten generischen Covermotiv. Leider nicht mit dem pulpigen Motiv der Originalausgabe, gemalt von dem begnadeten Künstler Paul Mann.

Über Stephen Kings Werk noch viele Worte zu verlieren, hieße Eulen nach Athen tragen. Er zählt sicherlich zu den erfolgreichsten lebenden Schriftstellern. Ja, es gab Phasen, da wurde gefühlt alles von King verfilmt und man wartete nur noch darauf, wann ein Filmstudio sich einem seiner Einkaufszettel annehmen würde.

»Später« handelt von Jamie Conklin, Sohn einer Literaturagentin, der über eine besondere Gabe verfügt. Er kann Tote sehen und auch mit ihnen reden. Allerdings nur für relativ kurze Zeit. Im Zeitraum von ein paar Stunden bis wenigen Tagen nach deren Ableben kann er ihnen Fragen stellen. Die von ihm interviewten Verstorbenen müssen die Wahrheit sagen. Das ist eigentlich ganz praktisch, wenn es nicht irgendwie unheimlich wäre.

Jamie, der um seine Fähigkeit kein großes Trara macht, wird von seiner Mutter Tia benutzt, um sie aus einer finanziellen Bredouille zu retten. Als Regis Thomas, der Star-Autor von Liebesromanen und bestes Pferd im Autorenstall von Jamies Mutter, unerwartet stirbt, ohne den finalen Roman seiner Roanoke-Saga zu schreiben, suchen die beiden sein Haus auf, um mit dem Toten zu sprechen. Er erzählt Jamie die komplette Handlung seines unvollendeten Romans, wonach Tia den Abschlussband selbst schreibt. Das Buch wird ein voller Erfolg und die Conklins sind zunächst alle finanziellen Sorgen los.

Als jedoch Tias lesbische Beziehung mit der New Yorker Polizistin Liz Dutton in die Brüche geht, die als einzige noch von Jamies übernatürlicher Fähigkeit weiß, wird Jamies Leben komplizierter. Denn es gibt da einen Toten, der einfach nicht verschwinden will und immer wieder im Leben von Jamie auftaucht …

Ein Fazit ist schnell gefasst: Der neue King ist weder eine Horrorstory, noch ein Krimi, und bietet trotzdem das, was seine Fans von ihm erwarten. Das Buch ist flott zu lesen, spannend und äußerst unterhaltsam. Ein echter King halt.

Aber: Wo Stephen King früher seine Handlung gerne in die Länge zog und mit überflüssigen Passagen streckte wie Kaugummi, bleibt er bei »Später« geradlinig. Am Schluss kann der Roman mit einer nicht unbedingt absehbaren Pointe überraschen. Deshalb: Daumen hoch.

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Eure Meinung:

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Buch:

Später
Original: Later, 2021
Autor: Stephen King
gebundene Ausgabe, 304 Seiten
Heyne, 15. März 2021
Übersetzung: Bernhard Kleinschmidt
Titelillustration: Hauptmann & Kompanie 

ISBN-10: 3453273354
ISBN-13: 978-3453273351

Erhältlich bei: Amazon

Kindle-ASIN: B08MCC3TNV

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Weitere Infos:


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Erstellt: 08.04.2021, zuletzt aktualisiert: 08.04.2021 17:40