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Stadt unter dem Eis von Thomas Greanias

Rezension von Ramona Schroller

 

Klappentext:

Während einer streng geheimen Militäroperation in der Antarktis entdecken die Amerikaner antike Ruinen unter dem Eis. Ein amerikanischer Archäologe und eine junge Wissenschaftlerin aus dem Vatikan wollen das Rätsel um die versunkene Stadt unter dem Eis lösen. Sie finden die Ursprünge der menschlichen Zivilisation und kämpfen gegen einen unsichtbaren, lebensbedrohlichen Feind.

 

Inhalt:

Conrad Yeats war einmal ein angesehener Archäologe, bis zu dem Tag, an dem er Ruinen in der Nähe von Gise gefunden hat. Ruinen, die beweisen, dass es den Exitus der Bibel gegeben hat. Von dem Tag an ist sein Ruf ruiniert, immer mehr Staaten weisen ihn aus. Jahre später dümpelt er als „Experte" in einer zweitklassigen Fernsehsendung über rätselhafte Stätten und Phänomene vor sich hin. Bis zu dem Tag, an dem sein Adoptivater, Admiral Yeats, ihn zu einer streng geheimen Mission in die Antarktis holt.

 

Conrad ist bas erstaunt, als er die Ruinen einer gewaltigen Pyramide tief unter dem ewigen Eis nahe dem Südpol sieht - und schockiert, als er die Leichen findet, absolut erhalten unter den Polkappen. Schnell ist klar, vor Jahrtausenden gab es hier eine Zivilisation. Besser gesagt, die erste Zivilisation in der Menschheitsgeschichte überhaupt. Atlantis scheint gefunden, begraben unter kilometertiefem Eis an der Polkappe.

 

Dann aber passiert alles gleichzeitig: Eine gewaltige tektonische Erschütterung legt auch den Rest der versunkenen Stadt frei, und Feinde tauchen auf. Feinde, die alles daransetzen, das Geheimnis um die Energiegewinnung im alten Atlantis herauszufinden und gegen die Welt zu verwenden. Unvermittelt steht Conrad vor der Wahl: Soll er die Erde retten oder der Verlockung nachgeben, endlich mehr über seine Herkunft herauszufinden...

 

Rezension:

Atlantis, die sagenhafte verlorene Insel mit der Hochtechnologie, die an ihrer eigenen Machtgier scheiterte. Die erste technifizierte Zivilisation der Erde, geht man nach den mageren Aufzeichnungen eines Platon. Schon allein der Name beflügelt die Phantasie zu Höhenflügen. Hat es die sagenhafte Insel tatsächlich gegeben? Wohin sind die Menschen von damals verschwunden? Wo lag Atlantis?

 

Neueren Forschungen zufolge ist ein neuer Kontinent in das Visier der Atlantis-Forscher gerückt: die Antarktis, die größte, unter Eis eingeschlossene Landmasse der Erde. Es besteht kein Zweifel, dass der siebte Kontinent einstmals in einer gemäßigten, wenn nicht sogar tropischen Zone lag, bis tektonische Verschiebungen der Erdkruste ihn an den Platz rückten, an dem er noch heute liegt.

 

Nun ja, über diese neuen Spekulationen kann man geteilter Meinung sein. Zumindest sind sie einleuchtender als solche Kandidaten wie Santorin oder Troja. Wie schon Platon schrieb: Atlantis lag jenseits der Säulen des Herakles, und die heißen heutzutage nun einmal Gibraltar und nicht Bosporus (wie einige hartnäckige Verfechter der Troja-Theorie immer wieder behaupten).

 

Atlantis gibt auf jeden Fall jede Menge Stoff für spannende Geschichten. Dies hat sich offensichtlich auch Thomas Greanias gedacht, als er seinen Roman verfasste. Und damit sind wir denn auch gleich bei den Schwachstellen seines „Thrillers".

 

Schreibkurse gibt es in den Vereinigten Staaten inzwischen schon an vielen Highschools, an Colleges kann man das Schreiben studieren. Und dann gibt es noch die selbsternannten Schreibgurus, deren Thesen inzwischen auch zu uns hinüberschwappen und manch einem Schreiberling und Nachwuchsautoren Magenschmerzen bereiten.

 

Thomas Greanias kommt aus dem Dunstkreis eines dieser Schreibgurus - besser gesagt, sogar aus dem eines der bekanntesten (teils auch auf deutsch übersetzten) selbsternannten Alleswissers James N. Frey. Und das merkt man dem Roman leider nur zu deutlich an.

 

Greanias hat für „Stadt unter dem Eis" Recherche betrieben, das steht außer Frage. Allerdings hätte er sich vielleicht weniger an die Vorstellungen eines anderen klammern sollen, wenn es um Charakterisierung der Figuren (nebst kaum vorhandener Entwicklung) und Aufbau von Actionszenen geht. Hier hapert es nämlich ganz gewaltig!

 

Die Hauptfigur Conrad Yeats könnte interessant sein, wenn es da nicht ein paar zu viele „Anleihen" und Widersprüche geben würde. So erinnert die Eingangsszene mit Conrad von der Charakterisierung sehr stark an den Lucas'schen Filmhelden Indiana Jones - nur leider wird ersterer letzterem spätestens mit seinem Betreten des antarktischen Kontinents überhaupt nicht mehr gerecht, während das Bild des peitscheschwingenden Archäologen doch noch etwas nachwirkt – aber leider, wie gesagt, sehr zum Nachteil.

 

Auch die Frauengestalten bleiben blass, bzw. Grenzen ans Unglaubhafte. Die zweite Hauptfigur Serena Serghetti, auch Mutter Erde genannt, wird ihrem Ruf von Anfang bis Ende nicht wirklich gerecht. Als unbeugsame Kämpferin, die sich mit wirklich allen anlegt vom Politiker, über Großindustrielle bis zum Militär, ist sie viel zu hilflos den verschiedenen Widrigkeiten ausgesetzt, ohne sich zur Wehr setzen zu können. Statt dessen schreit sie sich hilflos durch die Hälfte des Romans, wird ständig von irgendjemandem als Geisel genommen, zieht die falschen Schlüsse und dergleichen mehr. Nicht gerade die Öko-Kriegerin, die Greanias am Anfang vorstellt.

 

Noch einmal zurück zu Conrad kommt es zu etwas, was ... nun ja, der ganzen Story mehr oder minder endgültig die Krone aufsetzt: Er steht im Verdacht, der letzte überlebende Atlanter zu sein. Zumindest sein Ziehvater Admiral Yeats behauptet dies, während er, Conrad und Serena durch die Ruinen hetzen. Und das „geheimnisvolle Wissen", das Conrad dann später im Raumschiff hat, scheint dies zu bestätigen. Zumindest veranlasst es Serena, ihm eine Haarsträhne abzuschneiden und über einen Gentest nachzudenken - den Conrad schon vor Jahren selbst in Auftrag gegeben hat ohne Ergebnis!

 

Auch die Wahl der Gegner sollte hier erwähnt werden. In Zeiten, in denen sich die Vereinigten Staaten mit den islamischen Staaten anlegen, in Zeiten nach dem Fall der Twintowers, sollte es wenig überraschen, woher die Bedrohung kommt: Natürlich ist es eine Gruppe Moslems, und natürlich wurden sie größtenteils von den USA selbst ausgebildet. Nun ja, es geht nicht wirklich um den Sieg Allahs, aber das Feindbild ist mehr als klar und bereitet zusätzlich Bauchschmerzen.

 

Die Handlung wirkt teilweise sehr konfus, als habe der Autor immer wieder den Faden verloren und versucht, dem ganzen dann auch noch die Krone aufzusetzen. Dabei ist der Stil allerdings gut, kein Wunder, verdient Greanias sich doch eigentlich als Drehbuchautor seine Brötchen.

 

Alles in allem bleibt ein doch eher schwacher Roman, der nicht so wirklich überzeugen kann. Auch bleiben am Ende zu viele Fragen offen, zu viele Fäden werden nicht wirklich aufgelöst, als habe der Autor sich noch Platz für einen zweiten Teil zu halten versucht. Viel vergebenes Potenzial und wieder einmal die Erkenntnis, dass es offensichtlich seinen Grund hat, dass die Herren und Damen Schreibtheoretiker noch kaum einen Bestseller abgeliefert haben, obwohl sie doch so offensichtlich den Weg zum Ruhm kennen. Sehr enttäuschend.

 

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Stadt unter dem Eis

Autor: Thomas Greanias

Broschiert: 350 Seiten

Verlag: Heyne; Auflage: 1 (Februar 2006)

ISBN: 3453530535

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 27.09.2006, zuletzt aktualisiert: 18.04.2019 12:18