The Evil Within 2 (PC; USK 18)
 
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The Evil Within 2

Rezension von Cronn

 

Als ich die Tür öffne, schlägt mir heißer Dampf entgegen. Erschrocken halte ich inne, doch schon nach kurzer Zeit ist der verflogen und ich kann durch die Tür treten.

Ich stehe in einem großen Saal, dessen Wände nicht erkennbar sind, da sie im Dunkeln liegen. Aus der unbekannten Höhe fallen lange, rote Vorhänge herab, gleich übergroßen Zungen, die sich in einem unhörbaren Wind wellen.

Ich laufe auf den vordersten zu, der oberhalb einer Tür endet. Ich habe die Befürchtung, dass er mich ableckt, so sehr erinnert er mich an eine Riesenzunge. Aber nichts dergleichen geschieht.

Die Tür lässt sich nicht öffnen, also umrunde ich den Raumteiler. Auf der anderen Seite befindet sich ebenfalls eine Tür. Sie kann ich öffnen.

Und ich blicke in einen langgezogenen Gang.

Das ist doch nicht möglich!

Ich umrunde den Raumteiler. Auf der anderen Seite müsste der Gang sein, aber…da ist nichts außer dem Raum mit den Vorhangzungen.

Verwirrt kehre ich zurück und trete durch die Tür. Den Gang mit den unterschiedlichsten Türen und den bizarren Gemälden an der Wand laufe ich entlang bis zur gegenüberliegenden Tür.

Plötzlich höre ich hinter mir ein Geräusch.

Als ich mich umdrehe, sehe ich eine Albtraumgestalt auf mich zurennen, die eine Kettensäge und kreiselnde Sägeblätter schwingt.

Voller Panik renne ich los, höre die Gestalt hinter mir laut auflachen und mit ihren Werkzeugen die Wände bearbeiten, während sie mich verfolgt. Sie scheint sich ihrer Sache sicher zu sein.

Mit letzter Kraft erreiche ich die Tür und werfe mich dagegen.

Die Tür bricht auf, ich stolpere hinaus…und lande mitten in einem Sumpfgebiet.

Nun blicke ich mich um, aber…da ist nichts mehr!

Keine Tür.

Kein Gebäude.

Nur die schwüldampfende Weite des Sumpfes ...

 

So ähnlich laufen Sequenzen im neuesten Horrorspiel The Evil Within 2 ab. Entwickelt wurde das Spiel von Tango Gameworks unter Mitwirkung von Firmengründer und Horror-Urgestein Shinji Mikami, dem Erfinder von Resident Evil, der bereits den Vorgänger mitverantwortet hat.

Veröffentlicht wird »The Evil Within 2« unter dem Dach von Bethesda Softworks, die auch schon den Vorgänger auf den Markt gebracht haben. Dieser war nach einem fulminanten Start etwas schwächer geworden. Doch wie steht es nun mit dem Nachfolger?

 

Hintergrund:

Die Handlung von »The Evil Within 2« setzt nach den Ereignissen des Vorgängers ein, ist aber auch ohne Vorkenntnisse verständlich. Man schlüpft erneut in die Rolle des Police Officers Sebastian Castellano. Er ist auf der Suche nach seiner verschwundenen Tochter. Mit Hilfe einer Apparatur, dem sogenannten STEM, kann er in die Psyche von anderen Menschen eintauchen. Dies muss er bei Psychopathen tun, was dazu führt, dass dementsprechend die Welten, in denen er unterwegs ist ziemlich abgefahren sind.

 

Gameplay:

Nie kann man sich hundertprozentig sicher sein, dass man keine Überraschung erlebt. Das macht diese Welten ziemlich gruselig und auch schockierend. Mit Blut und anderen Körperinnereien wird auch nicht gespart. Das Spiel ist garantiert nichts für zarte Gemüter.

 

Dazwischen gibt es immer wieder die Welt von Union, einer Hub-Welt. Von diesem Ort aus bricht man zu den seltsamsten Gefilden auf. In Union kann man auch Nebenquests annehmen oder seinen Charakter in einem Save-House aufleveln. Dementsprechend baut man sich nach der eigenen Vorliege einen Schleichcharakter oder mehr einen Kämpfer zusammen. Dazu braucht man grünen Schleim, den erledigte Gegner fallen lassen.

 

Auch die Waffen kann man aufrüsten. Dabei geht es um mehr Feuerkraft, höhere Schussfrequenz und dergleichen mehr. Dafür braucht man Ausrüstungsgegenstände, die man in den Leveln findet. Mit dabei ist übrigens neben der Pistole, dem Messer u.a. wieder die beliebte Armbrust.

»The Evil Within 2« setzt auf eine Mischung aus automatischem Heilen und einem Medipack-System. Kommt die Lebensenergie unter ein bestimmtes Mindestlevel, erneuert sie sich selbstständig. Darüber hinaus muss man sich mittels Hilfe-Spritzen aufpeppeln.

 

Die Gegner sind wunderbar ekelig ausgefallen. Mit ihren Pusteln und Fortsätzen erinnern sie ein wenig an die Feinde in Last Of Us. Sie lassen sich jetzt auch mit einem heimlichen Angriff töten, so dass bei »The Evil Within 2« die Schleichmechanik mehr Wert besitzt als vorher.

 

Das Spiel lässt sich mit Gamepad genauso gut spielen wie mit Maus und Tastatur. Löblich ist die Tatsache, dass nahezu alle Spielelemente einstellbar sind. So kann man ganz auf HUD-Elemente verzichten und sich ganz dem cineastischen Erlebnis nähern.

Schade ist allerdings, dass die Schwierigkeit nur nach unten veränderbar ist. Ein Heraufsetzen der Schwierigkeit ist nicht möglich, daher muss man sich vorher genau überlegen, wie einfach man es sich macht. Meine Empfehlung ist, dass man zunächst sich in den oberen Schwierigkeitsgraden aufhält und erst dann an einer Stelle nach unten wechselt, wenn man nicht weiterkommt. Auf dem untersten Schwierigkeitsgrad ist »The Evil Within 2« keinesfalls ein Spaziergang, aber es fühlt sich auf den oberen Schwierigkeitsgraden spannender an. Jeder Kampf wird auf dem höchsten Grad zu einem befriedigenden Erlebnis, vergleichbar in etwa mit Dark Souls. Aber wenn man mehr der Story folgen möchte und weniger Wert auf das Gameplay legt, ist man mit dem einfachsten Schwierigkeitsgrad sehr gut bedient.

 

Grafik und Sound:

Die Grafik von »The Evil Within 2« wird von einem bekannten Motor angetrieben. Tango Gameworks verwendet die id-Tech-Engine, welche auf die eigenen Notwendigkeiten angepasst wurde. Damit sieht »The Evil Within 2« schick aus, gerade was die Modelle der Personen angeht. Besonders gefallen kann auch die Arbeit mit Licht und Schatten im Spiel. Hier werden einige gruselige Momente mit ganz simplen, aber effektiven Tricks erzeugt: Dunkelheit, tanzende Schatten, beschränktes Sichtfeld.

 

Der Sound ist ganz exzellent abgemischt. Verwendet man einen Kopfhörer kann man das hören. Hier wurden keine Mühen gescheut und auch mit der deutschen Synchronisation wurde nicht gespart. Die Sprecher machen ihre Sache hervorragend und man braucht nicht unbedingt auf die englische Fassung zurückzugreifen.

 

Fazit:

»The Evil Within 2« ist ein grandioses Horror-Erlebnis. Wo der Vorgänger nach einem spannenden Start dramaturgisch ins Nirvana eines abgedrehten Szenarios abzutauchen pflegte, ist »The Evil Within 2« hinsichtlich der Story obenauf.

Selten erlebt man ein Game, das seine Charaktere und ihre Motivation ernst nimmt und gelungen umsetzt. Auf diese Weise dockt man als Spieler an den Hauptcharakter an – sehr löblich.

Insgesamt ist »The Evil Within 2« damit ein würdiger Nachfolger. Tango Gameworks hat die Lektionen aus den Kritiken am Vorgänger gelernt. Wenn Shinji Mikami auf diese Weise Horrorgames macht, darf er gerne noch viele weitere produzieren. Vielleicht dann mit einem anderen Hauptcharakter? »The Evil Within« bietet viele Ansätze, um mit der STEM-Maschine auch andere Persönlichkeiten zu involvieren.

In Summe bedeutet das, dass THE EVIL WITHIN 2 eine klare Kaufempfehlung für alle Horror-Enthusiasten ist, die gerne sich gruselnd und kämpfend durch die Levels bewegen.

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PC-Game:

The Evil Within 2

Tango Gameworks / Bethesda Softworks, 13. Oktober 2017

Sprache: Deutsch, Englisch

Bildschirmtexte: Deutsch, Englisch

 

ASIN: B0721CS71Y

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 24.10.2017, zuletzt aktualisiert: 14.04.2024 08:35, 16184