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Tim und Struppi

Reihe: Bild Comic-Bibliothek Bd. 8

Rezension von Ralf Steinberg

 

Der Sammelband enthält die Alben:

Die sieben Kristallkugeln

Der Sonnentempel

Der Fall Bienlein

 

 

Tim und Struppi sind neben den Galliern wohl die berühmtesten europäischen Comicfiguren.

1929 begannen Tintin und Milou, so die Originalnamen der zwei, ihre Abenteuer rund um die Welt. Ein forscher Reporter und ein fidel-pfiffiger Foxterrier durften damit genau das tun, wovon nicht nur ihr Schöpfer Hergé träumte, sondern auch Millionen von Lesern in aller Welt.

Natürlich sind die beiden ohne Kapitän Haddock und Professor Bienlein nicht komplett, die jeweils auf ihre eigene Art dazu beitragen, dass die Abenteuer in „Tim und Struppi“ niemals langweilig sind und zudem voller Überraschungen und Problemen stecken.

Haddock, der bärbeißige Seemann, nimmt jedes Fettnäpfchen, jede Bananenschale und auch sonst jeden Unfall mit. Die Situation wendet sich stets gegen ihn, obwohl sie durch seine Missgeschicke meist vorangetrieben wird.

Der Professor hingegen sorgt durch sein beständiges Fehlhören für eine Menge komischer Wortwechsel und Verwirrungen. Manchmal fällt ihm sogar die Rolle des Retters aus höchster Not zu, ohne davon natürlich Kenntnis zu nehmen. Bienleins Welt ist quasi phasenverschoben zu unserer.

 

Die Auswahl stellt uns die doppelbändige Geschichte um den Inka Rascar Capac, sowie ein Abenteuer im typischen Kalter Krieg Szenario vor.

 

Doch zunächst zu den Inka.

Der Zweite Weltkrieg überschattet die Entstehungsgeschichte von Die sieben Kristallkugeln. Hergé arbeite zu der Zeit für die Tageszeitung Le Soir, die von den deutschen Besatzern kontrolliert wurde. Als die Alliierten die Zeitung schlossen, war auch Hergé arbeitslos und als Kolloborateur verschrien. Erst zwei Jahre später konnten die restlichen Stripes erscheinen, als Hergé von Raymond Leblanc für die Mitarbeit am Magazin Tintin rehabilitiert wurde. Diese Episode schlägt sich Im Sonnentempel nieder. Auch dort wird ein Unschuldiger der Kolloboration verdächtigt.

Ein weiterer Einfluss des Krieges führte aber zu wesentlich positiveren Folgen.

Durch die Papierknappheit wurde das Erscheinen der Abenteuer von Tintin von wöchentlichen Doppelseiten auf tägliche Stripes umgestellt. Hergé passte sich dieser formalen Änderung durch mehr Witz und Action an:

Haddock und Bienlein erblickten die Cartoon-Welt.

 

Kulturtoleranz und Achtung vor den Schätzen der fremden, alten Zivilisationen stehen im Mittelpunkt dieser sehr typischen Tim und Struppi Geschichte. Der Raub einer Inka-Mumie scheint zunächst das großartige Ergebnis einer ethnischen Expedition durch Peru und Bolivien zu sein. Doch kurz hintereinander werden alle Expeditionsmitglieder tief schlafend aufgefunden, neben ihnen stets geheimnisvolle Kristallsplitter. Natürlich sind Tim und Struppi sofort mittendrin, doch auch mit Unterstützung von Kapitän Haddock gelingt es ihnen nicht, auch nur einen einzigen der Gefährdeten davor zu bewahren, ebenfalls Opfer des Inka-Fluches zu werden.

Während der letzten Schutzaktion wird Professor Bienlein entführt. Nun beginnt eine Jagd durch die Kontinente, bis sich das Geheimnis um den Inka-König und dem entführten Bienlein am Ende des Albums "Der Sonnentempel" löst. Unsere Helden erleben dabei nicht nur haarsträubende Abenteuer, es gelingt ihnen auch immer wieder ihre eigen und ganz persönliche Lösungsstrategie anzuwenden. Tim meist gelassen, Haddock draufgängerisch und natürlich stolpernd.

 

Hergé präsentiert seine Geschichten in farbenprächtigen Paneels, stets auf einen Höhepunkt am Ende der Doppelseite hinarbeitend. Die Verkleinerung der Bild Comic-Bibliothek Ausgabe stört an einigen Stellen, nimmt der faszinierenden Detailfülle aber nicht ihre Lebendigkeit.

Entgegen vielen anderen Ausgrabungsabenteuern liegt der Schwerpunkt in diesen beiden Tim und Struppi Bänden eindeutig auf den Reiseabenteuern. Ob Schiff oder Bahn, Dschungel oder Hochgebirge, Stadt oder Dorf, die Handlung stürmt beständig in voller Action vorwärts. Doch Hergé hat keine stupiden Weltenretter zum Leben erweckt. Auf ihren Weg zur Aufklärung des Geheimnisses, beweist Tim Intelligenz und vor allem Toleranz. Er beschützt den kleinen Indianerjungen und erntet dafür auch entsprechende Anerkennung. Wo es Haddock und Tim auch immer hinverschlägt, sie bewegen sich mit Achtung und Aufmerksamkeit in den exotischen Ländern und Weiten ihrer Reise.

 

Ihre Toleranz hat nur da Grenzen, wo üble Machenschaften das Leben anderer gefährdet und die freie Welt bedroht ist. Der Fall Bienlein ist genau so eine Erforschung des Übels. Dabei nimmt Hergé das Wettrüsten des kalten Krieges auf die Schippe, in dem er zwei verfeindete Staaten um die Superwaffe kämpfen lässt, die Professor Bienlein so nebenbei erfunden hat.

Um an die Pläne zu kommen, wird Bienlein wieder einmal entführt. Wie man letztendlich allen ein Schnippchen schlägt, ist gewohnt spannend und abwechslungsreich dargestellt, der Humor ist zum Teil altbacken, etwa der Nebenplot mit dem Versicherungsvertreter, der sich bei Haddock einnistet, aber als Zeitzeugnis ist diese Geschichte durchaus lohnend.

Stilistisch gilt Der Fall Bienlein als Hergés beste Arbeit. Nie floss seine Linie klarer, glänzten die Paneels mehr mit realistischen Details als in diesem Album.

 

Das Vorwort zum achten Band der Bild Comic-Bibliothek ist gewohnt einfach und enthält wenig mehr als die wichtigsten Hintergrunddaten zu Hergé und seiner Serie - man muss sagen, sogar zu wenig.

Insgesamt ist "Tim und Struppi" ein gelungener Band und durch Preis und Aufmachung als Hardcover eine große Empfehlung.

 

Tim und Struppi Abenteuer sind aus heutiger Sicht vielleicht zu nett und blutarm, aber genau das hat ja erst die Gegenbewegung ausgelöst, brachte Anarchie und Realismus in die Comicwelt. Eine hervorragende und unterhaltsame Serie ist sie aber bis heute geblieben.

Eure Meinung:


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Comic:

Spirou & Fantasio

Reihe: Bild Comic-Bibliothek Bd. 8

Autor und Zeichner: Hergé

Verlag: Weltbild

Format: Hardcover

Sprache: Deutsch

ISBN-Code: 3898972534

Anzahl Seiten: 198

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 17.11.2005, zuletzt aktualisiert: 16.10.2017 21:18