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Ulthar hrsg. von Jörg Kleudgen

Rezension von Ellen Norten

 

Rezension:

Der Traum im Traum

Wohin reisen, wenn man die Welt fast schon kennt, wenn fremde Länder nicht mehr den Reiz der Exotik versprühen? Mr. Attercop lässt sich in einer kleinen verschwiegenen Buchhandlung beraten und erhält einen Reiseführer für Ulthar. Der Ort sei nicht wirklich weit entfernt, verkündet ihm der Betreiber, doch das Buch fesselt sofort seinen Käufer. Der widmet sich den Texten wenig später bei sich zu Hause und lässt uns, den Leser dabei über seine Schulter schauen.

 

Zehn Geschichten hat das Buch zu bieten, geschrieben von Autoren, die sich im Bereich des Horrors und der Phantastik auskennen und die alle zweifelsohne zur Fangemeinde von H. P. Lovecraft zählen. Denn Ulthar, die Stadt am Skai-Fluss stammt aus der Feder des berühmten amerikanischen Autors. Die Stadt wimmelt vor Katzen, die hier eine ganz eigene Rolle spielen und es gibt schon im 1920 erschienenen Original The Cats of Ulthar eigenartige Besucher der Stadt, wie etwa die Karawanen, die dort » … mit ihren fremdartigen Waren und seltsamen Geschichten auf dem Markt Handel treiben und wo Traumreisende von der Erde auf ihrer Suche nach Ruhm und Glück stranden.« (Buchrücken)

 

Zur besseren Orientierung hat Jörg Kleudgen dem liebevoll gestalteten Buch eine doppelseitige Übersichtskarte beigefügt, dazu mehrere Grafiken, die die Texte illustrieren, eine Grußpostkarte und einen Beutel mit Traumstaub – ein gewürzter Zucker, der die Reise des Lesers bei einer damit gesüßten Tasse Tee unterstützen mag. Doch der Weg in die märchenhafte Stadt ist nicht ungefährlich und kann für jeden Besucher anders aussehen und anders enden. In Ulthar erwartet den Reisenden Schauerliches, die Tradition von Lovecraft wird von den Autoren weit über das Original hinaus fortgesponnen.

 

Für die Freunde von H.P. Lovecraft ist dieses Buch ein wahrer Genuss, doch auch ohne Hintergrundwissen nimmt dieser Reiseführer den Leser mit auf den Weg. Ulthar bringt uns zum Gruseln. Der Schlaf dient nicht weiter der Erholung, sondern er präsentiert sich als Alptraum aus dem es vielleicht kein Erwachen mehr gibt.

 

»In einem Traum anderer Art, das wusste er heute, war er allerdings schon sein ganzes Leben lang gefangen gewesen. Einem, der in bleichen Schatten zu verblassen drohte. Doch dieser war nicht zeitlich begrenzt, sondern räumlich. Er dehnte sich in Ulthar aus, nicht in Nächten.

Wenn die Wirklichkeit das war, was nach dem Ende des Traumes übrig blieb, dann war es Zeit zu erwachen. Doch wie ließ sich ein Traum beenden, der sich wie die Wirklichkeit anfühlte? Etwa durch einen zweiten Traum? Er wusste es nicht und straffierte den Stadtplan dort, wo er dem Traum bereits begegnet war.« (S. 97, Der Kerzenzieher, Felix Woitkowski).

 

Auch Mr. Attercop weiß am Ende des Buches nicht, was er davon halten soll. Trotz all der Gefahren hat es eine Art Sehnsucht in ihm geweckt. Als er zur Buchhandlung zurückkehrt befindet sich an ihrer Stelle ein moderner Elektronikfachhandel. Der Weg nach Ulthar ist eben verschlungen und schwierig und selbst der Erwerb dieses Reiseführers ist problematisch, denn die limitierte Ausgabe ist – wenn überhaupt – über den Verlag erhältlich.

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Eure Meinung:

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Buch:

Ulthar

Herausgeber: Jörg Kleudgen

Basilisk Verlag, 2015

Taschenbuch, 255 Seiten

Cover: Mark Freier

 

ISBN-15: 9783935706896

 

Erhältlich bei: Basilisk Verlag

Inhalt:

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Erstellt: 18.11.2015, zuletzt aktualisiert: 09.11.2016 22:27