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Verlorene der Zeiten von Amal El-Mohtar und Max Gladstone

Rezension von Matthias Hofmann

 

Der Piper Verlag hat sich nach der Lady-Astronaut-Reihe von Mary Robinette Kowal ein weiteres preisgekröntes Highlight gesichert. Der, im Vergleich zu dem, was sonst so heutzutage geschrieben wird, eher schmale Roman Verlorene der Zeiten hat es in jeder Hinsicht in sich.

 

In der Kategorie »Novelle« bzw. Kurzroman hat das Buch alle wichtigen Preise abgeräumt: den Hugo, den Nebula, den Locus, aber auch den britischen BSFA Award oder den kanadischen Prix Aurora. Und beim Rest der einschlägigen Preisverleihungen war er in der Endauswahl. Respekt!

 

Geschrieben wurde »Verlorene der Zeiten von einem Duo: Amal El-Mohtar und Max Gladstone. Einer Frau und einem Mann. Auch die Form ist außergewöhnlich. Es handelt sich hierbei um einen Briefroman, wobei zu den Briefen, die sich die beiden Charaktere unter den Benutzernamen »Blau« und »Rot« schreiben, auch erzählende Passagen kommen.

 

Laut Klappentext haben wir es mit einer »weltumspannenden Zeitreisegeschichte« in Verbindung mit einem »Liebesroman in Briefform« zu tun. Paradoxerweise ist das richtig und falsch gleichzeitig, denn es handelt sich weder um eine typische Zeitreisegeschichte, noch um einen herkömmlichen Liebesroman. Wer das erwartet, wird ziemlich enttäuscht.

Die Lektüre ist nämlich extrem fordernd, mitunter sogar unerwartet zäh, und das Leseerlebnis schwankt traumwandlerisch zwischen ziemlich genialen und total verwirrenden Passagen.

Der Inhalt ist unmöglich zusammenzufassen, zumal sich der tiefere Sinn erst spät in der Handlung ergibt. Wer also gerne beim Lesen rätselt, was denn das alles soll, ist hier genau richtig.

 

Im Grund geht es um einen Krieg, in dem zwei (weibliche) Agenten, Blau und Rot, in der Zeit vor und zurück reisen, um ihrer jeweiligen Kriegspartei durch die Veränderung der Zeit Vorteile zu verschaffen. Dabei verlieben sie sich allmählich ineinander. Als das geheime Kommunikationstechtelmechtel auffliegt, wird Rot gezwungen, Blau umzubringen. Wie sie das tut und was danach passiert, das will ich an dieser Stelle nicht spoilern.

 

»Verlorene der Zeiten« ist ein Buch, das beim Lesen höchste Konzentration erfordert. Der Stil ist anspruchsvoll, von poetisch bis elaboriert, und ist definitiv nichts für genau die Leute, die normalerweise von den Schlagwörtern »Liebesroman« und »Zeitreiseroman« angezogen werden. Es ist kein Unterhaltungsroman, sondern eher niveauvolle Literatur.

 

Für den schmalen Umfang von weniger als 200 Seiten ist er auch preislich am oberen Segment angesiedelt. Nur zum Vergleich: Der am gleichen Tag im gleichen Verlag erschienene Roman Wilder Girls von Rory Power, ebenfalls ein Hardcover, hat 352 Seiten und kostet genau so viel. (Ja, der Vergleich mag etwas hinken, da der Roman von Power eine größere Leserschicht ansprechen und eine höhere Auflage haben dürfte, aber für Käufer zählt das, was man für 18 Euro bekommt.)

 

Ich selbst wollte den Roman unbedingt gut finden. Nicht, weil er durch die Preisverleihungen in den USA so gehypt wurde, sondern, weil er eine moderne Frische und einen hochwertigen Schreibstil versprach. Aber so richtig konnte er mich nicht begeistern. Leider.

Ich spüre, dass es eines dieser wichtigen Bücher ist, die man mehrmals lesen sollte, damit sie ihr volles Potenzial entfalten, aber ich fand eine Hälfte gut und die andere Hälfte zu anstrengend und verklausuliert. Einmal lesen reicht.

 

Dennoch ist »Verlorene der Zeiten« für mich ein wichtiges Buch, das dem Genre eine andere Facette hinzufügt. Wer anspruchsvolle SF-Lektüre sucht, wird hier fündig.

 

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Buch:

Verlorene der Zeiten

Original: This Is How You Lose the Time War, 2019

Autor·innen: Amal El-Mohtar und Max Gladstone

Übersetzer: Simon Weinert

gebundene Ausgabe, 189 Seiten

Piper, September 2022

 

ISBN-10: 3492706061

ISBN-13: 978-3492706063

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B09HXHGJHH

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition


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Erstellt: 20.11.2022, zuletzt aktualisiert: 20.01.2023 16:55