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Die Wurmgötter von Brian Keene

Rezension von Christian Endres

 

Regen. Im Sommer und im Urlaub ein Ärgernis, im Winter und bei Temperaturen um den Nullpunkt eine Gefahr für Autofahrer - in Brian Kennes »Die Wurmgötter« (Orig.: The Conqueror Worms) der Anfang vom sprichwörtlichen Ende. Einem Ende biblischen Ausmaßes, herbeigeführt durch endlose Regenfälle, in deren Folge die Welt in gigantischen Wasserstauungen und Chaos versinkt. Die Menschen müssen aus Dörfern und Städten flüchten und fallen unter dem Vordringen der Meere, Flüsse und Seen, zu allem Überfluss auch noch terrorisiert von Riesenwürmern, finsteren Gottheiten, Sirenen und anderen Unannehmlichkeiten von Brian Keenes feucht-fröhlicher Vision einer ziemlich verregneten Apokalypse.

 

Gleich zu Beginn punktet der sensationell spritzige Roman dabei auf ganzer Linie, als Keene uns seinen Protagonisten und Ich-Erzähler Teddy näher bringt. Teddy ist bei Leibe keine Dreißig, kein Schwarzenegger und auch kein grimmiger Antiheld, ja nicht mal ein MacGyver oder ein Daniel Düsentrieb - er ist einfach ein alter Witwer aus dem amerikanischen Hinterland, ebenso sein langjähriger Freund Carl. Und dennoch müssen sie sich in der neuen Welt behaupten, wenn es in der Folge heißt: Rentner vs. Regenwürmer!

 

Clever auch die in Teddys niedergeschriebenen Bericht eingeflochtene Episode um die kleine Gruppe aus Baltimore, erzählt von Kevin und Sarah: Hier beherrschen geflutete Häuserschluchten, marodierende Satanisten-Banden, Menschenopfer, grässliche Kreaturen aus der Tiefsee, Überlebenskampf und Gruppenkollaps pur die Szenerie - fast als würde Lost auf von Haien und Schlimmeren umkreisten Hochhäuserdächern in einer überfluteten Stadt spielen! Gute Einfälle, authentisch und packend geschildert. So macht sogar der verregnete Weltuntergang Spaß.

 

Dabei ist die Götterdämmerung durch eine nasse Naturkatastrophe bei Weitem nichts Neues. Die überflutete Erde haben wir seit dem biblischen Noah und dem nicht ganz so himmlischen Waterworld doch eher durch. Dass Keene aus diesem Setting trotzdem noch eine frische, lebendige und höllisch spannende Horror-Story rauskitzeln kann, ist ihm hoch anzurechnen und zeigt, wieso der 1967 geborene und mit dem Bram Stoker-Award dekorierte US-Autor zu den momentan wohl funkelndsten Sternen des literarischen New-Age-Horror-Geschäfts gehört.

 

Ein tolles Cover (inklusive Dune-Hommage), schöne Hardcover-Aufmachung, ein bisschen H. P. Lovecraft samt dunkler Dämonenkunde und nicht weniger dunklen Göttern, ein bisschen J. G. Ballard, ein bisschen Robert Kirkman, ein bisschen H. G. Wells - und einmal mehr ganz, ganz viel Brian Keene.

 

Ungekünstelt, unkompliziert, wahnsinnig unterhaltsam. Nach »Das Reich der Siqqusim« ist »Die Wurmgötter« der ultimative Beweis: Brian Keene ist der Meister der Apokalypse.

 

 

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Buch:

Die Wurmgötter

Autor: Brian Keene

Hardcover, 304 Seiten

Otherworld Verlag

November 2007

ISBN: 3950218599

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 28.07.2008, zuletzt aktualisiert: 31.03.2021 19:40