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Yume. Träumen in Tokio von Ralph C. Doege

Erzählung

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Rezension:

Ein Mann fliegt nach Tokio. Sein Zwillingsbruder hatte einen Unfall und liegt seitdem im Koma. Seine Frau Mari arbeitet in der Hirnforschung und möchte mit einem Yume genannten Interface versuchen, Träume des Mannes zu visualisieren. Sie hofft, die Verschränkungen der Bewusstseine der Brüder würden das Koma beenden …

 

Ralph C. Doege machte nie ein Hehl aus seiner Liebe zu Japan. Diese Verbundenheit zu den Menschen, ihrer Kultur und ihrem Wesen ist auf jeder Seite von Yume. Träumen in Tokio zu spüren. Die Stadt ist eine eigenständige Größe, ihre Straßen und Plätze reagieren auf den suchenden Deutschen, der zwischen Träumen und Jetlag einem taumelnden Bewusstseinsstrom folgt.

 

Es gibt keine eindeutigen Zeitabläufe. Zwischen Traum und Wachsein wird durch ein paar Wörter unterschieden, die sich der Träumer merken soll, um dem Computer zu helfen, seine Hirnströme zu interpretieren, doch stößt der Mann auch im vermeintlichen Wachen ständig auf diese Gegenstände. Man kann sogar Anhaltspunkte dafür finden, dass die Brüder eine einzige Person sind. So werden beide nie beim Namen genannt. Namen haben nur die Ehefrau und die Mädchen aus der Kindheit. Dieser Komplex der Beziehungen bestimmt das Traumgeschehen bis hin zu einer erotischen Fantasie des Protagonisten mit Mari, der Frau seines Bruders. Die beiden lassen auf ihrer Erkundungstour durch Tokio deutliche Sympathien füreinander erkennen, die über eine Beziehung zwischen Schwägerin und Schwager hinausgeht. Sie schwimmen auf derselben Welle und verstehen einander auf Anhieb.

 

Im Raum steht auch ein Selbstmordversuch als Grund des Unfalls des Bruders. Probleme in der Ehe, aber auch die Entfremdung der Brüder klingen als Triebfedern an. Die Träume, aber auch das Treiben durch die fremde Stadt, bebildert von Schwarz/Weiß-Fotos, atmen Einsamkeit, eine innere Leere, die sich nur ganz langsam wieder füllt. Diese kleine Reise nach Japan, durch Tokio hinein in das Innere, in die Vergangenheit öffnet einen neuen, weiteren Raum.

 

»Yume« beweist einmal mehr die melancholische Zartheit in Doeges Sprache. Dazu passt der in Blautönen gehaltene Hintergrund des Covers des Schutzumschlages. Eine weiße Papierschnittkulisse der Stadt repräsentiert die Unwirklichkeit hinter den Träumen und den Fassaden der Großstadt. Der Septime Verlag erweist dieser sphärischen Erzählung damit eine nur zu gerechte visuelle Veredelung.

 

Fazit:

Mit »Yume. Träumen in Tokio« reist Ralph C. Doege in eine Landschaft, deren Fremdheit sich mit der inneren Entfremdung des Protagonisten mischt, um uns mit beidem auf sehr sinnliche Weise bekannt zu machen.

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Eure Meinung:

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Buch:

Yume. Träumen in Tokio

Erzählung

Autor: Ralph C. Doege

gebundene Ausgabe, 120 Seiten

Septime Verlag, 3. Februar 2020

 

ISBN-10: 3902711914

ISBN-13: 978-3902711915

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B081DX4BQ2

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 29.09.2020, zuletzt aktualisiert: 29.09.2020 17:35