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Akzeptanz von Jeff VanderMeer

Reihe: Southern Reach Band 3

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Es ist Winter und eine weitere Expedition übertritt die Grenze zu Area X. Während sie auf der Suche nach einem verschollenen Mitglied einer früheren Expedition, tiefer ins Unbekannte vordringt und mit neuen Herausforderungen konfrontiert wird, nimmt die Bedrohung der Außenwelt durch Area X immer beängstigendere Ausmaße an. Die Geheimnisse von Area X mögen zwar gelüftet worden sein, doch ihre Konsequenzen sind abgrundtief erschreckend …

 

Rezension:

Der abschließende Band von Jeff VanderMeers Southern Reach-Trilogie hat eine große Bürde zu tragen. Zum einem erwartet man von Akzeptanz, dass er das eigentliche Rätsel um die Area X auflöst, zum anderen gilt es, den literarischen Ansprüchen der ersten beiden Bände Auslöschung und Autorität gerecht zu werden.

Interessant ist der Aufbau. Zunächst erleben wir als Intro das Ende des ersten Bandes aus Sicht der Direktorin. Dann beginnt der erste Teil Richtfeuer. Zehn Kapitel mit wechselnden Protagonisten, unterschiedlichen Zeitformen, Zeiten und Erzählperspektiven. Eine Collage, die ganz behutsam die verschiedenen Schichten der Ereignisse abschält.

Den Kern bilden die Erlebnisse des Leuchtturmwärters Saul Evans vor dem Entstehen der Area X. Der ehemalige Priester liebt es, Vögel zu beobachten, seinen Leuchtturm zu warten und abends in die Geborgenheit seines Geliebten Charlie, einem Fischer aus dem Dorf, zurückzukehren. Hin und wieder besucht ihn das kecke und unbändige Mädchen Gloria. Sie rüttelt mit ihren Fragen und ihrer Wildheit an der gefassten Akzeptanz des Lebens, in dem sich Saul eingerichtet hat. Doch er mag das Mädchen. Ganz im Gegensatz zu den beiden Adepten der Séance-&-Science-Brigade, Suzanne und Henry, die nicht nur mit offizieller Erlaubnis auf seinem Leuchtturm herumschnüffeln dürfen, sondern sich immer dreister in Sauls Leben ausbreiten. Was sie genau bei ihm wollen und was sie mit ihren Instrumenten messen, bleibt ihm verborgen.

Bis ihm im Garten des Leuchtturms ein seltsamer Splitter in die Hand fährt und alles ändert.

In einer zweiten Zeitebene begeben wir uns in die Gedanken der Direktorin vor der zwölften Expedition. Erleben, was sie antreibt in Southern-Reach, in der Area und dringen dabei bis zu jenem Mädchen vor, das einst dem Leuchtturmwärter Fragen stellte.

In der relativen Gegenwart begleiten wir Ghostbird durch Area X. Sie lernt zu verstehen, wer und was sie ist, welchen Teil der Area sie selbst darstellt und folgt dabei den Spuren der Biologin.

Auch Control erhält einen eigenen Part. Seinem Geist fällt es schwer, die Ereignisse zu erfassen, geschweige denn, sie zu verarbeiten. Er klammert sich an scheinbar Reales wie sein fürchterliches Verhältnis zu Lowry oder den Aufzeichnungen Whitbys.

Vier Figuren, die auf unterschiedlichen Wegen einer Transformation entgegen gehen.

 

Der zweite Teil, Leuchtfeuer, ist ein kurzer Einschub und beinhaltet das Testament der Biologin, in dem sie von ihren Erlebnissen in der Area berichtet, nachdem wir sie im ersten Band aus den Augen verloren.

Dieses Testament erhalten Ghostbird und Control von Grace, der stellvertretenden Direktorin, die ihrer Freundin folgte und drei Jahre allein in der Wildnis verbrachte.

Das Zurückkehren in die Gedankenwelt der Biologin ist angesichts der Ereignisse danach, die wir als Leserinnen und Leser ja bereits kennen, ist zunächst seltsam und gleichzeitig vertraut. Hier wird konsequent fortgesetzt, was sich im ersten Teil bereits andeutete. Die Biologin und auch Ghostbird ankern in einer von Einsamkeit geprägten Biographie in der das Verschmelzen mit der Natur bereits vorweggenommen wurde. Auch hier spiegelt sich das Motiv der titelgebenden Akzeptanz wider.

 

Im dritten Teil werden die vier Erzählstränge des ersten Teiles wieder aufgenommen und immer fester mit einander verschnürt. Bis wir nicht nur das Rätsel erklärt bekommen, sondern auch die vielen Beziehungslinien verstehen, die sich durch das Geflecht von Raum und Zeit erstrecken.

 

Das Extro führt uns an den Beginn der Trilogie zurück. Kurz vor dem Aufbruch zur zwölften Expedition ordnet die Direktorin ihr Leben. Akzeptiert, was sie ist, was sie fühlt und wo es sein hinzieht. Darum schreibt sie einen Brief an einen Leuchtturmwärter, den es so nicht mehr gibt. Aber das Leben hat sich verändert und diese Gewissheit anzunehmen, bedeutet ihr alles.

 

Jeff VanderMeer durchbricht mit seiner »Southern-Reach-Trilogie« die erzählerischen Konventionen, denen sich ein Großteil der Science-Fiction verpflichtet fühlt. Dadurch werden die Reise in seine Area X und seine Figuren wesentlich intensiver. Ganze Erzählstrenge perlen von poetischer Melancholie. Er fängt die befreiende Leere einer vergessenen Küste ebenso mit Leichtigkeit ein, wie die getriebene Einsamkeit von Menschen, deren Leben fremdbestimmt zu sein scheint, bis sie erkennen, dass alle Grenzen stets in ihnen selbst wucherten.

 

Fazit:

»Southern-Reach« ist ein Prisma, dessen Funkeln fasziniert und dessen Brechung des Normalen etwas Neues hervorbringt. Jeff VanderMeer hat der Science-Fiction ein bewunderungswürdiges Stückchen literarischer Zukunft geschenkt.

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Eure Meinung:

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Buch:

Akzeptanz

Reihe Southern-Reach Band 3

Originaltitel: Acceptance, 2014

Autor: Jeff VanderMeer

Übersetzer: Michael Kellner

Taschenbuch, 336 Seiten

Knaur, 3. Juli 2017

 

ISBN-10: 3426518066

ISBN-13: 978-3426518069

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B00U8458NM

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 29.05.2018, zuletzt aktualisiert: 10.01.2019 15:22