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BioPunk’d von Andreas Zwengel

Rezension von Cronn

 

Die deutsche Kurzgeschichte ist im Kleinverlagsbereich in Deutschland zuhause. Während die großen Verlage sich meist nur bei den bekannten Namen an Storybände heranwagen und dann vor allem Anthologien bevorzugen, sind die Kleinverleger mutiger. Sie geben öfter auch unbekannten Autoren mit ihren Kurzgeschichten eine Chance. Und das ist sehr gut so, denn wo sonst sollten diese sich einen Leserkreis aufbauen?

Auch der Textform Kurzgeschichte dienen diese Kleinverleger. Gerade im phantastischen Bereich ist die kurze Form die wegweisende und oftmals die am besten geeignete für die gewählten Inhalte. Doch es macht sich eine bedenkliche Veränderung im Kleinverlagsszene breit: Der Hang dazu ausschließlich Anthologien zu veröffentlichen und die Storybände zu meiden. Die Idee dahinter ist auch verständlich: Aus Vermarktungskalkül ist eine Anthologie besser zu handeln. Der Verkauf der Bücher an zahlreiche in der Anthologie vertretene Autoren ist besser zu kalkulieren als bei einem einzelnen Autor.

Und dennoch gibt es noch Verlage, welche dieses Risiko nicht scheuen und Storybände eines einzelnen Autoren herausgeben. Einer davon ist der Blitz-Verlag, der mit Andreas Zwengels BioPunk’d einem Autoren eine Veröffentlichungschance gibt.

Doch worum geht es in »BioPunk’d« eigentlich?

 

Inhalt und Kritik:

Enthalten sind in »BioPunk’d« acht Erzählungen und Novellen, die sich in den Bereich der Phantastik einordnen lassen. Dabei reicht die Palette von dunkler Phantastik (Horror) bis hin zu Science-Fiction-Texten, auch Steam-Punk- und Western-Elemente lassen sich finden.

 

Die Sammlung beginnt mit einem sehr gelungenen Mashup zwischen Horror und Western. So gut wie tot bedient sehr viele Western-Klischees, aber auf sehr gelungene Weise, und mischt sie mit Zombie-Horror a la The Walking Dead. Das gelingt über weite Strecken sehr gut und wird nur kurz vor Ende überdehnt. Eine Raffung des Textes hätte ihm gut getan. Dennoch bleibt eine sehr gute Novelle im Gedächtnis, die mutig den Spagat zwischen Western und Horror meistert.

 

Invasion schildert auf ironische Weise diverse fehlgeschlagene Invasionen, deren Erinnerungen in einem Museum aufbewahrt werden. Eine SF-Story mit viel Spaß am Fabulieren und einem Augenzwinkern. Ebenfalls sehr gelungen.

 

Dann folgt mit Vollmond über Venedig eine Mischung aus Steam-Punk und Horror. In einem fiktiven Steampunk-Venedig tauchen Werwölfe auf und versuchen ein bestimmtes Schmuckstück zu rauben. Atemlos Action wird hier von Andreas Zwengel bravourös zelebriert und diesmal stimmt auch die Länge.

 

Bedrohte Art schildert eine Horror-Fluch-Story, allerdings auf sehr actionbetonte Weise. Auch diese Geschichte kann als gelungen verbucht werden.

 

Souljacker versucht sich an einer Mischung aus Horror und Dystopie, scheitert aber an seinen hochgesteckten Erwartungen, welche die Novelle nicht vollauf erfüllen kann. Spätestens ab dem zweiten Drittel verändert sich der Charakter hin zu einer Familiengeschichte, einer Tochter-Vater-Beziehung. Diese Veränderung funktioniert nur halbwegs und dient zur Entwicklung eines Plots, der gegen Ende hin zerfasert und schließlich ausdünnt. Schade um die interessante Grundidee.

 

Mit Was übrig bleibt erzählt Andreas Zwengel eine dunkle Phantastikgeschichte rund um einen Satanistenkult und eine Tochter, die nach ihren Eltern sucht. Aber was sie findet, ist dazu angetan, einen Schauer über den Rücken laufen zu lassen. Und noch mehr als das …

Eine Geschichte, die durchschnittlich gelungen ist.

 

Das Objekt der Begierde ist aus der Ich-Perspektive erzählt. Wer dieser Ich-Erzähler ist, sollte möglichst einem Leser nicht bekannt gemacht werden. Der Plot ist über diesen kleinen Twist hinaus aber allzu bekannt und auch die narrative Weise, in welcher der Autor die Geschichte aufzieht, ist nicht sonderlich gewagt. Auch diese Erzählung verbleibt im Mittelfeld der Qualität.

 

BioPunk’d beendet den Erzählband und verbindet Action mit einer Gesellschaftskritik. Dies gelingt bis zum Schluss sehr gut, auch wenn hier die eine oder andere Länge zu bemängeln ist. Dennoch wartet die Novelle mit einem wunderbar hinterhältigen Schluss auf und entlässt den Leser hiermit. Nicht jeder wird mit dem vom Autor gewählten Ende zufrieden sein, aber man muss anerkennen, dass es schön herausgeschrieben und konsequent sarkastisch umgesetzt wurde.

 

Fazit:

Andreas Zwengel hat mit »BioPunk’d« einen Storyband vorgelegt, der in Summe zu überzeugen weiß. Auch wenn nicht jeder Text vollauf zündet, so rechtfertigt doch ein jeder den Kauf des Buches, indem er stilistisch gelungen formuliert wurde.

Der Autor ist eine neue, frische Stimme in der deutschen Phantastik-Landschaft und immer dann am interessantesten, wenn er verschiedene Genres zu etwas Eigenständigem vermischt. Man darf auf weitere Werke von Andreas Zwengel gespannt sein.

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Eure Meinung:

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Buch:

BioPunk’d

Autor: Andreas Zwengel

Blitz-Verlag, 2016

Taschenbuch, 272 Seiten

Cover: Mark Freier

 

Erhältlich beim: Blitz-Verlag

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.07.2016, zuletzt aktualisiert: 05.10.2018 18:46