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Das Rätsel von Boscombe Valley

Reihe: Sherlock Holmes 42

Hörspiel

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Meisterdetektiv Sherlock Holmes und sein treuer Gefährte Dr. Watson sitzen wieder einmal im Zug. Die beiden verlassen das heimatliche London, um nach Boscombe Valley zu reisen. Dort ist der wenig beliebte Charles McCarthy ermordet worden – jemand hatte ihm den Schädel eingeschlagen. Sein Sohn James hatte den Toten gefunden und die Polizei gerufen. Die hatte ihn indes kurze Zeit später verhaftet: Man hatte gehört, dass er und sein Vater kurz zuvor gestritten hatten, und er soll sogar die Hand gegen McCarthy senior erhoben haben. Bei seiner Verhaftung hatte er sogar quasi gestanden: Er habe es verdient, sagte er. Doch Alice Turner, die Nachbartochter, glaubt nicht an seine Schuld und so bittet sie Inspektor Lestrade, den unschuldigen James nicht zum Schuldspruch durch das Gericht zu verurteilen. Lestrade hat für derartige Sentimentalitäten keine Zeit, ist aber Gentleman genug, um die Bitte an Holmes weiterzuleiten. Und der hegt den begründeten Verdacht, dass die Fakten nicht ganz so eindeutig sind, wie es scheinen mag.

 

Das Rätsel von Boscombe Valley ist in wesentlichen Zügen der Folge Die Thor-Brücke recht ähnlich. In beiden Krimis wird Holmes in einen Mordfall zur Hilfe gerufen, der ganz eindeutig scheint: Hier scheint James seinen Vater Charles erschlagen zu haben, dort scheint die Gouvernante Miss Dunbar die Frau ihres Arbeitgebers Gibson erschossen zu haben. James war auf das Vermögen seines Vaters angewiesen und musste fürchten, von diesen verstoßen zu werden, Miss Dunbar war die Geliebte des reichsten Mannes der Welt und musste fürchten, von dessen Gattin vertrieben zu werden. In beiden Fällen tritt eine Person, die den vermeintlichen Mörder liebt, an Holmes heran, damit dieser die Unschuld des Geliebten beweist. Und beide Fälle beginnen im Zug und dann folgt eine längere Rückblende. Die Auflösungen unterscheiden sich dann allerdings deutlich.

Damit kommen wir zu den Spannungsquellen. Auf den ersten Blick scheint wieder alles gleich zu sein, doch der Fall Die Thor-Brücke ist viel verzwickter als der Fall Das Rätsel von Boscombe Valley – damit fällt das Staunen des Hörers bei der Auflösung natürlich auch geringer aus. Doch am augenfälligsten sind die unterschiedlichen Spiellängen – Die Thor-Brücke ist 73 Minuten lang, Das Rätsel von Boscombe Valley nur 50. Das hängt einerseits mit der gradlinigeren Geschichte zusammen, aber auch mit einer deutlich geringeren Anzahl von humorigen Einlagen.

In puncto Inhalt könnte man also sagen, dass die beiden Hörspiele dieselbe Plotprämisse auf unterschiedliche Art verarbeiten. Beide haben ihre Stärken, beide ihre Schwächen. Das Rätsel von Boscombe Valley ist weniger erstaunlich und weniger komisch, dafür weist es keine Längen auf.

 

Die Anzahl der verschiedenen Sprecher ist für eine Sherlock Holmes-Folge aus dem Haus Maritim recht groß – es werden vierzehn angegeben.

Sherlock Holmes und Dr. Watson werden wie immer von ihren Stammsprechern Christian Rode bzw. Peter Groeger gesprochen; die beiden sind gewohnt gut. Volker Brandt spricht wieder Lestrade – ihn könnte man auch zu den Stammsprechern zählen, auch wenn er nur gelegentlich in dieser Rolle auftritt. Er ist dem Hörer vielleicht als Synchronstimme von Michael Douglas oder Hörspielreihen wie Die Drei ??? oder Schattenreich bekannt. Mit seiner klaren, leicht schnarrenden Stimme ist er jedenfalls die ideale Besetzung für den ordentlich arbeitenden Polizisten. Holmes Auftraggeberin, die besorgte (und anscheinend verliebte) Alice Turner wird von Jo Kern gesprochen, die man vielleicht aus der Top Secret-Folge Diadem oder der Die Morde des Émile Poiret-Folge Das Mysterium des Vollmond-Sees kennt. Kern klingt mir zu gekünstelt und zu gestelzt für die Tochter eines Aufsteigers aus Australien, die auf dem englischen Lande groß geworden ist. An ihrer Stelle hätte ich lieber Christine Pappert gehört, die in dieser Folge nur eine kleine Nebenrolle hat, oder Sabine Bohlmann, die ich in der Rezension zu Die Thor-Brücke noch für ihre kecke Stimmlage kritisierte. Klaus Dittmann verleiht John Turner, Alices Vater, seine Stimme. Dittmann ist ein oft zu hörender Sprecher – Die Drei ??? , Hellboy, Die Morde des Émile Poiret, um nur einige zu nennen. Hier knüpft er an seine anständigen Leistungen an; die Performanz der unrühmlichen DSA-Folge Die Ruinen von Shaba 'Yal war wohl ein von der Regie verschuldeter Ausrutscher. Das Mordopfer Charles McCarthy kommt in den Erinnerungen der verschiedenen Zeugen zu Wort – gesprochen von Donald Arthur. Seine Stimme kennen die Hörer aus Film und Fernsehen – als Synchronsprecher von Peter Ustinov bzw. den Chefkoch aus Southpark – oder aus Hörspielen wie der Reihe Die Morde des Émile Poiret. Trotz der markanten Stimme gibt er den grässlichen Alten sehr überzeugend. Der Angeklagte James McCarthy wird von Christian Toberentz gesprochen. Über ihn kann ich nicht viel sagen; er wirkte schon in einigen Maritim-Reihen mit und spricht seine Rolle überzeugend, aber unauffällig.

 

Die Inszenierung ist wie stets gemäßigt altmodisch. Einen Erzähler im engeren Sinne gibt es nicht, aber Dr. Watson fungiert weitgehend als solcher. Die verjazzte Musik wird eher zurückhaltend eingesetzt. Die Geräuschkulisse scheint mir allerdings ein bisschen selbstständiger geworden zu sein – hier und da wird einzig auf Geräusche zurückgegriffen, um Details der Situation darzustellen. Eine positive Entwicklung, wie ich meine; hatte ich an der Inszenierung der früheren Folgen in Hinsicht auf Musik- und Geräuschkulisse wenig auszusetzen, so habe ich hier nichts mehr zu mäkeln.

Drei kleine Tracks mit Outtakes am Ende der Laufzeit versüßen das Fehlen von humorigen Szenen im Hörspiel selbst.

 

Fazit:

James McCarthy wurde für den Mord an seinen Vater Charles inhaftiert – allein die Nachbartochter Alice Turner glaubt an James' Unschuld und beauftragt Sherlock Holmes, um dieses auch zu beweisen. Mit Das Rätsel von Boscombe Valley bietet die Reihe zwar keinen herausragenden Fall, aber solide Krimi-Kost.

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Hörspiel:

Das Rätsel von Boscombe Valley

Reihe: Sherlock Holmes 42

Vorlage: Sir Arthur Conon Doyle

Produzent: Studio Maritim

Regie: Studio Maritim

Label: Maritim

Erschienen: November 2009

Umfang: 1 CD, ca. 50 min.

ASIN: 3867142475

Erhältlich bei: Amazon

 

Sprecher (Auswahl):

Christian Rode

Peter Groeger

Volker Brandt

Klaus Dittmann

Jo Kern

Donald Arthur

Christian Toberentz

 


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Erstellt: 30.12.2009, zuletzt aktualisiert: 14.05.2019 14:55