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Der Garten des Uroboros von Michael Marrak

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Bei Ausgrabungen in Mexiko stößt der Archäologe Hippolyt Krispin mit seinem Team auf Hunderte menschlicher Skelette. Verscharrt über einem Uroboros-Relief, weisen viele von ihnen eine Besonderheit auf: sechs Finger und sechs Zehen.

 

Im afrikanischen Mali begibt sich der junge Dogon Pangalé auf die Reise in die sagenumwobene Stadt der Hunde. In ihren Ruinen wird er Zeuge der Zusammenkunft zweier Wesen, die so alt sind wie die Zeit selbst – und muss feststellen, dass ihn mehr mit ihnen verbindet, als ihm lieb ist.

 

In Peru erhält der Astronom Miguel Perea die Aufnahme eines Observatoriums aus Ecuador. Auf ihr fehlen sämtliche Sterne, die weiter entfernt sind als 150 Lichtjahre. Und das, was sie zu verdecken scheint, nähert sich der Erde mit unvorstellbarer Geschwindigkeit.

 

Drei Begebenheiten, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben. Doch sie verbindet ein uralter Kreislauf aus Werden und Vergehen: die Apokatastasis panton.

 

Rezension:

Der jüngste Roman Der Garten des Uroboros von Michael Marrak hat eine lange Editionsgeschichte hinter sich und ist deutlich eher entstanden als der 2018 so erfolgreiche Der Kanon mechanischer Seelen. Wie der Autor selbst betont, ist »Der Garten Uroboros« daher noch ein Werk aus der Zeit, in der er sich einer weniger phantastischen Stilistik bediente.

 

»Der Garten des Uroboros« setzt eine ziemlich abgefahrene Weltanschauung in Szene, die Apokatastasis, nach der sich alles in bestimmten Zeiträumen exakt wiederholt. Bis hin zu den kleinsten Gedanken. Was aber geschieht, wenn es jemandem gelänge, aus diesen Zyklen auszubrechen, oder gar mit allen Erinnerungen in den nächsten Zyklus zu wechseln?

 

Michael Marrak bedient sich einer zunächst etwas sperrigen Technik, in dem er vier Handlungsstränge aufbaut, die zeitlich und räumlich zum Teil weit voneinander entfernt agieren.

Neben den im Klappentext genannten, begeben wir uns im Prolog an die Seite eines jungen Chachapoyas in Peru im Jahr 1455. Chebál nimmt an einem anstrengenden Initiierungsritus teil und während er sich mit einem fiesen Kontrahenten und Nebenbuhler herumschlägt, stürzt uns Michael Marrak mit voller Wucht in die Welt eines verschwundenen Stammes, in die Gerüche und den Lärm des Urwalds – später paddeln wir zusammen Stromschnellen hinab und werden Zeugen eines unerklärbaren Phänomens. Unerklärbar für uns als Leser, denn die Chachapoya betteten das wundersamen Aufsteigen eines Berges aus einem See in ihre Folklore ein.

Die Sprachkraft des Autors, seine Fähigkeit, Naturbeschreibungen, Mythen und die inneren Konflikte seiner Figuren miteinander zu einer Einheit zu verbinden, verzaubert auch im zweiten exotischen Handlungsstrang um Pangalé, einem Dogon aus Mali in Westafrika. Pangalé begibt sich auf eine Reise zu den Ursprüngen uralter Legenden seines Stammes und erlebt dabei Ungewöhnliches, aber wie auch für Chébal, betten sich die Ereignisse ein in die Kämpfe eines jungen Menschen auf dem Weg von der Kindheit zum Erwachsenen. Mitunter kommen die Szenenwechsel im Roman so abrupt, dass man diese beiden Handlungsstränge leicht miteinander verschmilzt. In ihrer überbordenden Detailfülle belegen sie nicht nur die Recherchearbeit des Autors, sondern auch die Kunst, Orte und Kulturen zu visualisieren, wie es in der deutschsprachigen Phantastik nicht so oft anzutreffen ist.

 

Der Gegenpart zu diesen märchenhaften Abenteuererzählungen stellen die in der Jetztzeit angesiedelten Handlungsstränge dar. In ihnen nähern sich verschiedene Wissenschaftler dem als Prämisse gesetzten Weltbild. Während Hippolyt Krispin den archäologischen Spuren in Mexiko folgt und dabei sehr engen Kontakt zu einheimischen Wissensträgern aufnimmt, spürt der Astronom Miguel Perea zusammen mit der Anthropologin Adriana Flores in Peru den akut sichtbaren Anzeichen den Apokatastasis nach.

Auch hier bieten sich viele Möglichkeiten für kraftvolle Inszenierungen, aber letztlich folgt der Autor den Notwendigkeiten des Wissenschaftsthrillers und liefert eine nicht immer spannungsvolle Puzzle-Jagd. Einige dieser Puzzle-Teile werden auch gar nicht so deutlich offenbart oder in den Kontext eingebunden, sodass am Ende viele Fragen offen bleiben, die sich vielleicht bei einer zweiten Lektüre eher beantworten lassen.

 

Sehr schwierig ist Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Hintergrundkonzept. Der sehr enge Rahmen der Apokatastasis, für die sich Michael Marrak keine fremde Welt, sondern unsere geschnappt hat, kollidiert beim Lesen immer wieder mit dem eigenen Weltbild, allerdings ohne eine tatsächliche Auseinandersetzung. Was bedeutet dieses zyklische Untergehen und Neustarten denn nun? Gibt es einen außerirdischen Hintergrund und wenn, ja, wohin führt uns diese Erkenntnis? Dieser fehlende Abschluss der Metaebene ist die Schwäche des Romans. Bei allem Mitfiebern und der breiten Sympathie für die Figuren gelingt es Michael Marrak leider nicht, aus dem Rahmenkonzept etwas Überzeugendes zu schöpfen. Die Apokatastasis bleibt bei ihm eine schräge Idee ohne Strahlkraft. Und dennoch will man während des Lesens in den Szenen verweilen, so lebendig packen sie und berühren. »Der Garten des Uroboros« ist eine lohnenswerte Reise hinaus ins Unbekannte.

 

Fazit:

Mit »Der Garten des Uroboros« lockt uns Michael Marrak in den fernen Dschungel Perus, ins westafrikanische Mali und in eigenartige Rätsel der Vergangenheit. Ein Roman zwischen Wissenschaftsthriller, Märchen und Science-Fiction, der mit atemberaubenden Naturschilderungen Zeit und Raum zerstört.

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Eure Meinung:

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Buch:

Der Garten des Uroboros

Autor: Michael Marrak

Gebundene Ausgabe, 505 Seiten

Amrûn Verlag; Auflage, 21. März 2019

Cover und Illustrationen: Michael Marrak

 

ISBN-10: 395869392X

ISBN-13: 978-3958693920

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B07L5LHWCQ

 

Erhältlich bei: Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 07.06.2019, zuletzt aktualisiert: 21.08.2019 20:32