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Der Ring von Piers Anthony

Rezension von Michael Schmidt

 

Artikel im Spiegel vom 30.3.1972 :

Elektronische Handschellen:

Mit einem Mini-Sender glaubt der amerikanische Soziologe Prof. Gerald Smith vorzeitig entlassene Strafgefangene von weiteren Straftaten abhalten zu können. Über einen Polizeicomputer schlägt das Gerät Alarm, wenn der Überwachte den Sender wegwirft oder einen bestimmten Bezirk verlässt. Der Sender registriert ferner auffällige Puls – und Atembeschleunigungen. Smith, dessen Untersuchungen von der Uni Utah als „Fortschritt der Resozialisierungsbemühungen“ gefeiert werden, hat keine moralischen Bedenken gegen eine solche tief in die Privatsphäre eingreifende elektronische Überwachung. „Im Knast gibt es weniger Freiheit.“

 

Das Thema ist immer noch aktuell, unlängst wurde in Deutschland ein Pilotversuch durchgeführt, indem „Leichtkriminelle“ eine Fußfessel mit elektronischem Sender angebracht bekommen haben, wodurch eine Überprüfung stattfinden kann, sollten sie ihre Wohnung verlassen. Dies wird deshalb angedacht, da unsere Gefängnisse überlaufen sind, und so Kosten gespart werden können. Letzteres ein Thema, dass unsere Zeit beherrscht.

 

Genau dieses Thema greift der Roman „Der Ring“ auf. Jeff Font ist auf Rachefeldzug und entführt Pamela, die Tochter des Großindustriellen George McKissics. Doch es passieren zwei Dinge. Er hat die Falsche entführt und wird geschnappt.

Unter der Droge Wahr-Wahr stehend, wird er einem Verhör unterzogen. Ohne zu differenzieren, muss er die gestellten Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Die Droge lässt ihm keine andere Wahl. Intime Details seiner gemeinsamen Kindheit mit Pamela werden aufgedeckt und als Motiv erkannt.

Auch seine eigentliche Motivation wird ihm negativ ausgelegt. Font wollte mit der Entführung McKissic ein Geständnis erpressen. Er sollte seinen Vater reinwaschen, der wegen McKissic verurteilt wurde. Diese waren vorher Geschäftspartner bei der Maschinen AG, die den neuartigen Kreiselantrieb erfunden hatte. Font glaubt an eine Verschwörung. Dies alles führt zu seiner Verurteilung. Er muss den Ring tragen.

Ein kleines Teil ( der Ring ) wird in seinen Finger implementiert und so programmiert, dass er jedes Mal, wenn Jeff Font gegen die Gebote guten Bürgertums verstoßen würde, eine elektrische Schockwirkung in den Schmerzzentren des Körpers anregt. Wobei Dauer und Intensität von der „Tat“ abhängig gemacht wurden.

 

Die Idee an sich birgt großes Potential. Ansatzweise ist es gut gelöst, doch gibt es einiges an Ungereimtheiten. Gut fand ich die Szene, als Jeff im Central Park von vier Verbrechern angegriffen wird, und er bei jeder Verteidigung Schmerzen durch den Ring erleidet. Es zeigt sich in verschiedenen Momenten, wie unzureichend der Ring ist. In dem Fall im Park handelt der Ring dem Selbsterhaltungstrieb entgegen. Zum Schutze der Angreifer müsste Font sich totschlagen lassen, Dank seiner starken Konstitution gelingt es ihm, die Angreifer unschädlich zu machen, bevor er durch die Schmerzattacken bewusstlos wird.

Natürlich verliebt er sich in eine Frau. Genau die, die er aus Versehen entführt hat, und die ebenfalls Ringträgerin ist.

Die Auflösung ist typisch amerikanisch und erinnert ein wenig an Serien wie Dallas, das ist meiner Meinung nach auch der Schwachpunkt des Romans. Trotzdem ist das Thema interessant verarbeitet. Und auch durchaus lesenswert.

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Der Ring

Autor: Robert E. Margroff / Piers Anthony

Fischer Orbit 23 (1973)

Originalausgabe : The Ring (1968)

weitere Infos:


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Erstellt: 29.04.2005, zuletzt aktualisiert: 07.06.2019 15:11