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Die grünen Frauen von Frank Duwald

Erzählungen

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Sechs Erzählungen, die zwischen angedeuteter Phantastik und Spiegelungen über das Leben und die Hingabe an das Schreiben/die Kunst pendeln: »Denn das Leben zeigt sich oft als Ungeheuer, als jenes Monstrum, dem wir nie begegnen wollten. Verlust, Tod, Sucht oder Angst sind die stärksten Motoren des Seins, die Maschinerie der mondlosen Nächte. Offenbarend als schlechte Träume, als Szenarien eines Herzstillstandes. Wie ein Halloween-Schrecken bereiten uns Bücher darauf vor, öffnen den Sarg schon beizeiten.« Jede dieser sechs Erzählungen erweist sich dabei als Kunstwerk, als Kleinod, dessen erzählerische Dichte den Leser von der ersten bis zur letzten Zeile in seinem Bann belässt – und so entstehen literarisch-wahrhaftige Bilder, die unvergessen bleiben.

 

Rezension:

Als Mastermind der Literatur-Website Dandelion – abseitige Literatur konnte sich Frank Duwald über Jahre hinweg den Ruf eines belesenen Kenners der Phantastik erarbeiten. Nicht wenige Klassiker und unbekannte Perlen der phantastischen Literatur holte er aus dem Verborgenen. Darunter auch Richard Lorenz, dessen Amerika-Plakate 2014 die Phantastik-Szene aufwirbelte, auch durch die tatkräftige Unterstützung Duwalds. So verwundert es nicht, dass sich Richard Lorenz nun mit einem enthusiastischen Vorwort im Erzählungsband seines Freundes Die grünen Frauen revanchiert. »Warum schreiben wir?«, ist die Frage, der Lorenz darin nachspürt und er schlägt damit einen schönen Bogen in die Welt der Geschichten, die Duwald von 1994 bis heute erschuf.

 

Aus jenem Jahr stammt Die Wörter an der Wand.

Das plötzliche Ende seiner Beziehung wirft den Icherzähler aus der Bahn, aus der Welt. Ein Graffiti öffnet ihm den Weg in seine Vergangenheit, deren Spuren er folgt und in dem Maße, wie er sich der Wirklichkeit entfremdet, findet er zu dem Ort zurück, den ein wichtiger Teil seines Selbst nie verlassen hatte.

Eine Geschichte voller Wehmut und unterschwelliger Trauer. Man spürt beim Lesen den Sog der Auflösung, dem der Protagonist folgt.

 

Die lange Nacht ist ein kurzer Reigen durch die Ereignisse einer Nacht in einem typischen Ort, die nicht zu einander zu passen scheinen und doch bestimmen sie irgendwie die Grenze zu den Dingen hinter ihrem gewohnten Gang.

Eine sehr intensive Sammlung von kleinen Geschichten, durch die Duwalds Blick auf die Andere Seite seiner Mitmenschen offenbar wird. Etwas Phantastisches liegt in Wesen um uns herum, ein Zwinkern, einen Seitenblick nur von uns entfernt.

 

Gespräche mit der Maschine ist eine klassische Science-Fiction Geschichte.

Auf einer Baumesse lernt der desillusionierte Angestellte Landmann einen seltsamen Vertreter kennen. Boner interessiert sich für die Möglichkeit, mit Maschinen Bindungen einzugehen. Es dauert nicht lange, bis deutlich wird, wie weit der Erfinder mit seinem Hobby bereits ist …

Duwald zeichnet seine Figuren gewohnt düster und treibt sie mit kräftigen Strichen in ihr Schicksal. Und obwohl klar wird, dass ihm der psychische Konflikt mehr interessiert, erdrückt die etwas zu bekannte Dystopievariante die Story.

 

Unser Leben ist geprägt von Entscheidungen und Gefühlen, wenn beides sich zu einem Knoten schlingt, kann es die perfekte Beziehung sein, ein glückliches Leben, ein wunderbarer Sommertag. Doch manchmal ist dieser Knoten auch so fest zu gezogen, dass wir ihn nicht mehr zu lösen vermögen.

Das Spiel kann beginnen beschreibt eine derartig feste Verschlingung von Leben, Liebe und Freundschaft. Und Frank Duwald bietet uns keine Lösung an.

 

An Robert Louis Stevenson erinnert Die Statuette.

Auf einer Dienstreise in die USA erwirbt der Protagonist in einem Küstenort nahe Salems die Statuette einer Frau, die ihn sofort fasziniert. Als er hinter ihr Geheimnis kommt, scheinen sich zunächst seine sehnsuchtsvollsten Wünsche zu erfüllen, doch es gibt einen Preis zu zahlen …

Die sorgfältig inszenierte Gruselgeschichte wandelt deutlich auf den Pfaden des Genres, aber diesmal gelingt es Duwald, sie sich mit seiner düsteren Tonart anzueignen.

 

»Die Statuette« erschafft auch genau die richtige Stimmung für das zentrale Werk der Storysammlung, die Titelgeschichte Die grünen Frauen.

Erneut ein Mann, der den überhohen Trümmerhaufen seines Lebens entkommen möchte und in die magische Einsamkeit ländlicher Abgeschiedenheit flieht. Tief im Wald macht er Urlaub, doch das, wovon er Urlaub machen möchte, hat er mitgebracht, nämlich sich selbst. Das wird ihm erst klar, als er beim Beobachten von Raben eine Frau kennenlernt, die wie er im Wald zu leben scheint, nur viel länger und intensiver …

Eine großartige Geschichte. Hier zeigt sich die Melancholie als kämpferisches Aufbegehren. Sie weiß über die Hoffnungslosigkeit, doch nur im Kontrast zur Helligkeit kann es Schatten geben. Der Ich-Erzähler kreist um sich und verpasst den richtigen Augenblick, diese Einkreisung zu durchbrechen. Vielleicht fürchtet er, in den magischen Kreisen, auf die er im Wald trifft, nicht zu bestehen, vielleicht hat er zu Recht Angst vor den Grünen Frauen oder dem grünen Mann in sich. Am Ende schreit ein Rabe. Ob er den Ruf versteht?

 

Das Buch erschien im Apex-Verlag und enthält Illustrationen von Alexandra F. vom Projekt wort:rausch. Sie bilden in ihrer Farbigkeit einen belebenden, hoffnungsvollen Kontrast zu den Geschichten und sind ganz eigenständige Interpretationen der Texte.

 

Fazit:

Mit seinem Story-Band »Die grünen Frauen« gibt uns Frank Duwald einen kleinen, melancholisch herbstfarbenen Einblick in sein persönliches Reich der Fantasie. Der Dandelion-Betreiber beweist Gespür für die Nuancen menschlicher Empfindungen in den Momenten des Scheiterns, des Bedauerns, des Verlassens. Ein Buch zum Innehalten.

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Eure Meinung:

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Buch:

Die grünen Frauen

Erzählungen

Autor: Frank Duwald

Taschenbuch: 174 Seiten

Apex-Verlag, 2. April 2019

Illustrationen: Alexandra F./Projekt wort:rausch

Vorwort: Richard Lorenz

Cover: Christian Dörge

 

ISBN-10: 3748526954

ISBN-13: 978-3748526957

eBook-ISBN: 978-3-7487-0098-2

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B07QCX1YXY

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Inhalt:

  • Die Wörter an der Wand
  • Die lange Nacht
  • Gespräche mit der Maschine
  • Das Spiel kann beginnen
  • Die Statuette
  • Die grünen Frauen

Weitere Infos:


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Erstellt: 16.08.2019, zuletzt aktualisiert: 30.09.2019 08:42