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Die Kundschafter von Timothy Zahn

Reihe: Star Wars

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Die atemberaubende Geschichte einer unvorstellbar kühnen Expedition: Wenige Jahre vor den Klonkriegen begeben sich fünfzigtausend Männer, Frauen und Kinder an Bord eines gigantischen Raumschiffes. Ihr Ziel: die Kolonisierung ferner und bislang unbekannter Welten. Doch das Projekt steht von Anfang an unter einem ungünstigen Stern – denn mächtige Feinde wollen einen Erfolg der Mission mit allen Mitteln verhindern. Und so beginnt für die Kolonisten schon bald der Kampf ums nackte Überleben …

 

Rezension:

Timothy Zahn schuf mit dem Chiss Mitth'raw'nuruodo eine der charismatischsten Figuren des Star Wars Universums – kein Wunder also, wenn er regelmäßig auf ihn zurückgreift. Nun also reisen wir mit Zahn zu jenem Zeitpunkt, als sich Thrawns Schicksal mit dem der Republik verknüpft. Endlich erfahren wir auch die Hintergründe zu Zahns Roman Die Verschollenen, in dem Luke und Mara das Extragalaktische Flugprojekt, jenes eins verschollene Großprojekt der Alten Republik, wiederfinden.

Es ist eine Zeitreise zurück. Fünf Jahre vor dem Beginn der Klonkriege, Palpatine ist Kanzler und darum bemüht, seine heimliche Machtzunahme vor den Augen der Jedi zu verstecken. Dabei sind ihm all jene im Wege, die er nicht kontrollieren kann, etwa Jedi-Meister Jorus C’baoth. Doch Palpatine wäre nicht Sith-Lord geworden, hätte er nicht effektive Methode entwickelt seine Feinde aus dem Weg zu räumen. Das muss nicht immer ein direktes Attentat sein. So unterstützt Palpatine den widerborstigen Jedi bei dessen Lieblingsprojekt, dem Extragalaktische Flugprojekt. Soll der Jedi doch ins Unbekannte ziehen – Palpatine wird schon dafür sorgen, dass er nicht wiederkehrt.

So perfide der Plan auch ist, selbst ein Sith kann nicht alles wissen.

Denn im Unbekannten ist es nicht leer. Zum Beispiel befindet sich dort das Reich der Chiss. Eine humanoide Rasse mit blauer Haut und roten Augen – Thrawns Rasse.

Durch Zufall stößt das Schmugglerschiff Bargain Hunter auf der Flucht vor einer übelgelaunten Hutt (sic!) auf eine Kampfgruppe der Verteidigungsflotte der Chiss unter Thrawns Kommando. Der ist nicht nur neugierig und bemüht, eine mögliche Gefahr für die Chiss abzuschätzen, er befindet sich auch mitten in einem politischen Machtkampf, bei dem es darum geht, althergebrachte Traditionen in Frage zu stellen.

Denn eine Sklavenhalterrasse treibt am Rande des Chiss-Raumes ihr brutales Unwesen und Thrawn würde diese Gefahr gern präventiv beenden, leider ist es Chiss-Dogma, nie anzugreifen. Und so entwickelt der geniale Stratege ein Netz an Plänen, in denen die Vaagari ebenso eine wichtige Rolle spielen, wie eine Flotte der Handelskonförderation, die das Extragalaktische Flugprojekt im Namen von Darth Sidius zerstören soll.

Zahn wählt eine mehrdimensionale Erzählebene, um die verschiedenen Parteien in Stellung zu bringen, ohne dem Leser noch mehr Informationen zu geben, als er ohnehin durch die Filme und erschienenen Bücher hat. Besonders sein eigener Band „Die Verschollenen“ gibt ja genügend Hinweise über den Ausgang des republikanischen Großprojekts. Und eines sei gesagt: Die offenen Fragen jenes Romans werden beantwortet. Gerade was den Jedi-Hass der Besatzung anbelangt.

Aber auch etliche der Handlungsträger begegnen uns wieder. Formbi etwa, Jinzler oder Uliar.

Die wichtigste Figur neben Thrawn jedoch ist Jorj Car'das, dem späteren Informationsmakler, über dessen Verbindung mit Thrawn wir endlich eine ganze Menge erfahren. Als unerfahrener Schmuggler von den Chiss in Gewahrsam genommen, kann seine unbefangene und neugierige Art Thrawns Aufmerksamkeit erregen. Im Verlauf der Handlung entwickelt sich daraus eine Beziehung, die einer Freundschaft sehr nahe kommt. Zahn baut seine Lieblingsfigur beeindruckend aus, gerade wer die anderen Thrawn Bücher von ihm gelesen hat, wird der erweiterte Hintergrund gefallen.

Interessant ist auch die Darstellung von Palpatine. Hier wird nicht nur der fiese Oberschurke präsentiert – Palpatine muss sich mit langfristigen Problemen auseinandersetzen, von denen nicht einmal der Jedi-Rat etwas ahnt. Die ferne Bedrohung durch eine geheimnisvolle Rasse, die sich Jahrzehnte später als Yuuzhan Vong herausstellen werden, verlangt vom Sith Lord einiges an diplomatischem Geschick. Weg vom ausschließlich destruktiven Charakter, zeigt Zahn hier, dass auch ein Fast-Imperator ein Regierungschef ist, der etwas dafür tun muss, dass sein Reich bestehen bleibt und dass auch, wenn die Mittel fraglich sind, einige seiner Handlungen positive Auswirkungen besitzen. Schöne Ambivalenz!

 

Nicht ganz so sehr im Zentrum stehen hingegen Obi Wan und Anakin, die ihren Weg durch die Geschichte nehmen und mehr indirekt Einfluss auf sie ausüben. In der Auseinandersetzung zwischen Kenobi und C’baoth kann Zahn jedoch sehr schön das Dilemma des Jedi-Ordens aufzeigen, der immer tiefer in die politischen Verstrickungen der Alten Republik und an die Grenzen seiner moralischen Legitimation gerät. Das, was Anakin an C’baoth so faszinierend findet, wird er später auch am Imperator bewundern. Das effektive Lösen von Problemen, fern von langwierigen Diskussionen und unter Außerachtlassung behindernder Regeln, übt bereits zu diesem frühen Zeitpunkt eine große Anziehungskraft auf den jungen Padawan aus.

Timothy Zahn gelingt der Spagat zwischen spannender Handlung und Weiterentwicklung seiner Figuren hervorragend.

 

Fazit:

Das Prequel zu „Die Verschollenen“ klärt endlich diverse offene Fragen und sollte unbedingt davor gelesen werden. Zahn versteht es wie kein Zweiter, Bezüge zwischen den verschiedenen Romanen des erweiterten Star Wars Universums herzustellen und ohne Zweifel ist sein Thrawn darin eine der eindrucksvollsten Figuren. Star Wars und Timothy Zahn und einem neuen Höhepunkt!

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Titel:

Die Kundschafter

Autor: Timothy Zahn

Reihe:Star Wars

Original: Star Wars: Outbound Flight, 2006

Übersetzer: Michael Nagula

Blanvalet, April 2008

Paperback, 475 Seiten

Cover: Dave Seeley

 

ISBN-10: 3442368987

ISBN-13: 978-3442368983

 

Erhältlich bei: Amazon

Zur Serie:

STAR WARS

Weitere Infos:


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Erstellt: 13.06.2008, zuletzt aktualisiert: 07.06.2019 15:11