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Eine Minute

Autor: Florian Wendland

 

Julius saß bei gedämpften Licht in seinem Wohnzimmer und starrte leidenschaftslos auf seine Hände, die den komplizierten Knoten der Schlinge von alleine anfertigten. Er hatte die Augen halb geschlossen, als wäre er high. Seine Sinne waren jedoch so klar wie selten zuvor. Zum ersten Mal seit langer Zeit, war er überzeugt, sich für das Richtige entschieden zu haben.

Die schwarzen, hohen Standlautsprecher in den Ecken flüsterten leise Musik. Sie klang melancholisch, ein wenig traurig und hoffnungslos. Sie passte zu seinem Gemüt. Die Band sang, wie schön es doch wäre jung, sorglos und verliebt zu sein. Sie erzählten von der Schönheit des Lebens, von seinem unermesslichen Reichtum und von wundervollen Augenblicken. Sicherlich gab es in seinem kurzen Leben auch solche Erinnerungen und Augenblicke, die er nie vergessen könnte. Jedoch lagen diese mittlerweile unter einer meterdicken Eisschicht von Trauer und Enttäuschung, der er vollkommen unterlegen war. Mehr als einmal hatte den Versuch gestartet, sich durch das Eis zu schlagen und die Trauer hinter sich zu lassen. Und jedes mal wenn er an der letzten Schicht angelangt war, wuchs von unten neues Eis heran. Irgendwann hatte er schließlich aufgegeben und der Druck des Eises war so groß geworden, dass sein Verstand und sein Lebensmut darunter hilflos erstickten.

Ihm war warm. Kleine Schweißperlen rollten von seiner Stirn über die Wangen, den Hals hinunter. Zwei Schweißtropfen bahnten sich ihren Weg in seine Augen und brannten unangenehm. Lediglich ein müdes, widerwilliges Zucken konnte er sich abringen. Sieh mal an, dachte er schwermütig, selbst deine Reflexe geben auf!

Seine Hände hatten die Schlaufe endlich fertig und traurig betrachtete er sein Werk. Es war zwar nicht die schönste Henkersschlinge, aber er war sicher, dass auch diese Amateurversion seinen Dienst tun würde. Wie bizarr das Leben doch manchmal war! Während er die Schlinge hin- und herschwenkte und seine Augen den kurzen, ruckartigen Bewegungen folgten, kam er mit seinen Gedanken überein, dass diese Schlaufe das Sinnvollste war, was er seit Jahren zustande bekommen hatte.

Schwerfällig zwang er sich vom Sofa auf die Beine und kletterte auf den hohen Eßtisch. Er stand direkt vor seinem riesigen Panoramafenster, durch das er auf die Skyline blickte. Tausend Dächer sah er, die steil aufragten, mit anderen verschmolzen und wieder abknickten. Aus diesem komplizierten Gewirr stachen hohe Schornsteine in den pechschwarzen Nachthimmel hinauf, wie die Dornen einer Rose. Er führte schweren Herzens das Tau über den Dachbalken, zurrte das untere Ende fest, so dass die Schlinge vor seinem Gesicht hing. Sorgfältig stellte er die Füße neben den Bilderrahmen seiner Eltern; trotz seines Vorhabens, wollte er nicht, dass er ihn aus Versehen zu Boden schleuderte. Sein Blick fand die große, digitale Wanduhr. 19:41 Uhr, die richtige Zeit um abzutreten!

Und trotz seiner Depression und einem gewissen Grad an Trauer, war er frohen Mutes, dass alles bald vorbei sein würde. Restlos alles. Niemals wieder sollten die Wunde seines Herzens aufklaffen und ihm Schmerzen zufügen. Einfach nur Ruhe, nach der er sehnsüchtig schmachtete.

Er steckte seinen Kopf durch die Schlinge; sein Puls war normal, sein Körper bereit. Er pustete ein letztes mal kräftig durch und machte einen Schritt vorwärts. Das Seil straffte sich mit einem langgezogenem Quietschen. In Windeseile ließ er seine Augen im Zimmer schweifen. Er sah die Bilder und Gemälde an den Wänden. Schließlich fiel sein Blick auf die Straße und da sah er sie!

Sie stand unter einer Laterne, die Hände in den Taschen, den Blick ihm zugewandt. Kann es sein? Kann das Mädchen mich sehen? Ihre Blicke fanden sich. Es durchzuckte seinen fallenden Körper bei diesem Blickkontakt. Das hell-gelbe Licht der Straßenlaterne verlieh ihrem Harr goldenen Schimmer. Sie lächelte ihm zu.

Plötzlich stellte er alles in Frage, zu dem er noch vor wenigen Sekunden Ja sagte. Er wollte nicht mehr sterben. Das wunderschönen, fremde Mädchens hatte ihm neuen Mut verliehen, so wie der Anblick des Ziels den ausgelaugten Marathonläufern neue Kräfte verlieh.

Er versuchte die Hände zwischen sich und das Tau zu bekommen. Er musste die Schlinge einfach davon abhalten, ihm den Hals zuzuschnüren. Dann straffte sich das Seil, die Schlinge zurrte sich gnadenlos zusammen, der Querbalken ächzte. Ein Ruck ging durch sein Körper...

All dies geschah im Bruchteil einer Sekunde!

 

Als er hinaustrat, verbiss sich der eisige, nasse Dezemberwind mit unsichtbaren Reißzähnen in seinem Gesicht. Tausend winzige Nadeln bohrten sich schmerzhaft in seine Haut. Die Kälte schien nur darauf gewartet zu haben, dass Julius aus der Tür kam und sprang ihn dann regelrecht an, wie eine Raubkatze ihre Beute.

Julius torkelte von der Wucht der Windbö getroffen, zurück in den Hauseingang und schloss seine Jacke. Er stellte den Kragen aufrecht, um wenigstens seine Lippen und die empfindlichen Kieferknochen vor der Kälte zu schützen. Dann trat er abermals auf die Strasse und sah sich um. Das Mädchen war nicht mehr zu sehen. Hatte er sich vielleicht alles nur eingebildet, aber sie hatte ihm doch zugewunken? Er war sich vollkommen sicher.

Seiner inneren Stimme nach, überquerte er die Straße und schritt geradewegs auf die Laterne zu, an der sie gestanden und zu ihm hochgesehen hatte. Hätte sie erkennen könne, das er sich das Leben nehmen wollte? Julius war sich nicht sicher. Als seine Füße sich jedoch an den Stellen befanden, an denen Minuten zuvor dieser Engel von einem Mädchen gestanden hatte, war er überzeugt nicht ertappt worden zu sein. Von hier aus hatte er lediglich einen knappen Einblick in sein Wohnzimmer.

Verdammt, das Licht brannte! Und dann war da noch etwas. Er sah es ganz deutlich an der rechten Zimmerwand. Ein Schatten! Ja, tatsächlich, díe Silhouette eines Menschen klebte an der Wand. Hatte er die Tür offengelassen? Er versuchte zu erkennen, in welchem Teil des Raumes sich der Fremdling befand, dessen Schatten gemütlich an der Wand entlangtänzelte. Vor- zurück; vor- zurück; vor zurück...

Gerade wollte er wutentbrannt die Treppe zu seiner Wohnung hinaufstürzen, da kroch ihm ein süßlicher Honigduft in die Nase. Julius verharrte in der Bewegung und schien vergessen zu haben, dass sich ein Fremder in seinem Wohnzimmer zu schaffen machte. Statt dessen schloss er die Augen, hob seinen Kopf in die Luft und schnüffelte. Er sah aus wie ein Hund, der die Fährte einer räudigen Hündin aufgenommen hatte.

Dieser Geruch, wo kam er bloß so plötzlich her? Julius drehte sich herum und schwankte plötzlich. Dieses unbeschreiblich schöne Aroma berauschte ihn. Wahrlich, als rauchte er einen Joint. Instinktiv klammerte er sich an den Laternenmast, um nicht zu fallen. Seine Knie fühlen sich an wie Gummi. Sie schlotterten und gewährten ihm keinen sicheren Halt mehr.

Obgleich der Honigduft seine Sinne lähmte, wusste er schlagartig, was es war: ihr Parfüm! Ganz sicher; so sicher war er sich noch nicht mal, als er beschloss sein verkorkstes Leben zu beenden. Er konnte sich selbst nicht erklären, warum er überzeugt war, dass es tatsächlich ihr Parfüm war. Ebenso gut hätte das aus einem der tausend Küchenfenster kommen können, aber diese Möglichkeit zog er nicht einmal in Betracht.

Seine Beine versteiften sich wieder und mit erhobenem Kopf, die Nase immer noch in der Luft, folgte er der unsichtbaren, doch unfehlbaren Spur des Mädchen.

Als er an die Häuserecke kam und rechts einbog, peitschte der Regen ihm ins Gesicht. Und auch der frostige Wind vergrub seine Kralle abermals in seiner Haut, doch spürte er dieses mal nichts.

Er schritt gemächlich voran, setzte sorgfältig einen Fuß vor den anderen. Gelegentlich riss der Duftstrom ab und in jenen Augenblicken hatte er das Gefühl, dass eine ganzen Ameisenkolonie sich in sein Gesicht fressen würde. Fand er den Geruch jedoch wieder, vergingen die Schmerzen und die Kälte binnen Millisekunden.

Er lief und lief, bog in immer neue Straßen ein. Seine Umwelt vergaß er vollkommen. Er lief an zwei Leuten vorbei, die lauthals miteinander stritten. Julius kümmerte es nicht. Eine Autofahrer donnerte mit seinem Wagen gegen einen Lichtpfeiler, als die Räder auf der feucht-glitschigen Straße wegrutschten. Julius kümmerte das nicht. Hinter jeder Ecke hoffte er, ihr güldenes Haar wehen zu sehen.

So kam es aber nicht. Statt sie zu finden, versiegte der Duftstrom abrupt. Julius zuckte, als der Rausch des Honigs aus ihm entschwand. Wie eine Ohrfeige scheppert die Kälte auf ihn ein. So fühlte es sich jedenfalls an. Schnell richtete er seine durchnässten Kragen und zog den Kopf nach unten. Aber es war nicht nur sein Kiefer, der gequält aufschrie. Seine Ohren drückten und drohten zu platzen. Seine Stirn presste sein Hirn schmerzvoll zusammen.

Julius tänzelte von einem Bein auf das andere. Wo, zum Teufel, befand er sich? Er kannte diese Straße nicht. In jede Richtung blickte er, wendete sich schließlich herum und stand mitten vor dem riesigen Fenster einer Bar, dem Kleines Paradies! Und dann sah er sie endlich. Sie saß ihm zugewandt und las in einer Zeitschrift. Verflucht, war sie hübsch. So wunderschön und unberührt, wie eine mächtige Kaiserin erschien sie ihm.

Ohne seine nächsten Schritte zu überdenken betrat er die Bar. Die Luft war stickig, verqualmt. Laute Rockmusik hämmerte aus versteckten Boxen. Die Bassschläge ließen Gläser und Boden erzittern.

"Bist'e in der U-Bahn geboren, Freundchen?", fuhr der Barkeeper Julius an.

"Bitte, was?", schrie Julius zurück, ohne seine Blicke von dem Mädchen zu nehmen.

"Du sollst die beschissene Tür zu machen!"

Julius zog die Tür zu und machte einen unsicheren Schritt vorwärts. Oh Mann, was hatte er sich eigentlich dabei gedacht? Einem fremden Mädchen nachzulaufen, das einige Jahre älter war als er. Er haderte an seinem Vorhaben und kaute unsicher auf seiner Unterlippe. Vielleicht hatte das Mädchen ihm ja gar nicht zugewunken. Vielleicht war dies nur ein übler Trick seines Körpers, damit er sich nicht umbringt. Vielleicht...

Das Mädchen legte den Kopf in den Nacken und strich sich die Haare aus dem Gesicht. Dann blickte sie ihn an. Nein, dachte Julius, nein, nein, nein, das war keine Vision! Er war von ihrer makellosen Schönheit elektrisiert. Was soll ich nur machen? Oh mein Gott, jetzt winkt sich mich auch noch zu sich. Soll ich hinüber gehen? Er traf die Entscheidung schneller, als er gedacht hätte und kam langsam zu ihrem Tisch getrottet. Sie lächelte ihn an.

"Hallo", sagte sie lieblich. Die Musik klang plötzlich gedämpft, als hätte der Barkeeper sie leiser gestellt. Das bezweifelte Julius allerdings und trotzdem konnte er das Mädchen klar und deutlich hören, obwohl sie ruhig zu ihm sprach und nicht schrie. "Ich bin Helena." Er musste irgendwas sagen. Hallo, ich heiße... "Hast du auch einen Namen?"

"Äh, ja klar, emm... ich bin Julius", stotterte er verlegen. Das ging mächtig in die Hose. Sicherlich wird sie mich gleich auslachen und...

"Hallo Julius, schön deine Bekanntschaft zu machen. Willst du dich nicht setzen?" Sie wies auf den Stuhl ihr gegenüber. Wortlos zwängte er sich auf ihn und senkte seine Augen auf den Tisch.

"Ist da irgend etwas Besonderes an der Tischplatte?"

"Nein, nein", japste er hastig und sah ihr dann zum ersten mal aus nächster Nähe ins Gesicht. Ihre Haut sah so weich und zart aus wie Seide. Die kleine Stupsnase erinnerte ihn an Bilder von Königin Kleopatra, die stets mit einer solch spitzen Nase gemalt wurde. Die Lippen steckten voll Leidenschaft, voll Liebe. Er hatte nur noch den Wunsch diese Lippen zu küssen. Sie müssten sich fantastisch anfühlen. Überleg endlich, Julius. Wie verhältst du dich richtig! "Magst du etwas trinken, Helena? Ich habe genug Geld mit, um...", doch sie unterbrach ihn mit leichtem Kopfschütteln. Ihr süßes Lächeln erstarb dabei jedoch nicht.

"Nicht nötig", sagte sie und reichte ihm ein Taschentuch. Er sah sie fragend an. "Dein Gesicht tropft wie ein leckes Rohr."

Er führte seine Hand ans Gesicht. Es stimmte, er war klitschnass. Er nahm das Taschentuch und trocknete sich ab. Und ganz allmählich bekam er sich unter Kontrolle. Seine Nervosität schwand dahin und innerliche Ruhe kam auf.

"Kann ich fragen, wie alt du bist?" Gut, er hatte nun endlich festere Stimme. Jetzt war alles nur noch halb so dramatisch.

"Hast du doch schon getan! Aber warum willst du das wissen?" Gute Frage eigentlich! "Zahlen wirken so unglaublich trivial. Belassen wir es bei unseren Namen, einverstanden?"

"Einverstanden", erwiderte er und legte das zerknüllte Taschentuch in den Aschenbecher. "Hast du mich vorhin beobachtet? Von der Straße aus, meine ich."

"Sehe ich aus, wie jemand der anderen Leuten nachspioniert?"

"Ähh, nein, nein, natürlich nicht. Das war auch nicht böse gemeint", entschuldigte er sich rasch, mit einer Stimme, die sich vor Hast beinahe überschlug.

"Ganz ruhig, Julius, du brauchst dich nicht entschuldigen. Eigentlich hast du recht. Ich habe dich beobachtet, aber unabsichtlich. Als ich um die Ecke kam, da bis du mir einfach ins Blickfeld gefallen. Dein Fenster kann man ja auch gar nicht übersehen. Mußt einen tollen Ausblick haben von da oben!"

Er nickte:" Hm-Hm! Den hab ich wirklich. Aber nochmals zurück zu dir. Hast du gesehen, was ich gemacht habe? Irgend etwas vielleicht?"

Sie sah ihn mit hochgezogenen Brauen fragend an. Du Volltrottel, Julius. Bind dir doch ein Schildchen um den Hals: Hallo Helena, ich wollte mich vorhin umbringen!

"Mir ist nichts aufgefallen. Sollte es?" Er schüttelte den Kopf und war erleichtert. Wirklich, mit einem Mal fühlte er sich so glücklich, dass ihn wonnige Wärme ausfüllte. Sie hatte also nicht gesehen, wie er sich einen Strick um den Hals gelegt hatte und vom Tisch gesprungen war. Jetzt konnte es eigentlich nur noch bergauf gehen.

Er wollte sie fragen, aus welchem Teil der Stadt sie doch komme, da stand plötzlich der dicke, vollkommen in Leder gekleidete Barkeeper neben ihnen und glotzte sie fordernd an.

"Was'nu? Wollt'a was trinken oder nur labern. Denn hier müßt'a was bestellen, sonst heißt es Auf Wiedersehen", fuhr er die beiden pampig an. "Habt's verstanden?"

Bevor Julius reagieren konnte, stand Helena schon neben ihm und legte dem Barkeeper ihre zierliche Hand auf die Schulter. "Nicht nötig sich aufzuregen", antwortete sie, "wir verschwinden sofort. Also, Sie können wieder hinter Ihren Tresen gehen und weiter bis an Ihr Lebensende Bier zapfen." Mit leerem Blick nickte der Barkeeper und schlurfte zurück. "Komm", forderte sie ihn auf, "laß uns abhauen."

"Wohin denn? Draußen stürmt es!"

"Laß dich überraschen" und mit diesen Worten marschierte sie Richtung Tür. Julius sprang auf, schmiss den Stuhl um, der laut scheppernd zu Boden krachte und eilte Helena hinterher. Als die Tür hinter den beiden ins Schloß fiel, hämmerte die Musik wieder los. Selbst der Boden hier draußen vor der Bar vibrierte bei jedem Bassschlag. Aber eben war doch...

"Folge mir einfach", sagte sie und trippelte dann vergnügt die Straße herunter. Der stürmisch raue Wind und der prasselnde Regen schien sie nicht im geringsten zu stören. Sie war bereits ein wenig vorausgelaufen, als er schließlich seinen Kopf wieder tief in seinen Kragen drückte und ihr nachlief.

Bestimmt 15 Minuten waren sie unterwegs und hatten nicht ein Wort gewechselt. In Julis braute sich Neugier zusammen. Wo würde sie ihn wohl hinführen? Und irgendwann blieb sie dann vor einem Kiesweg stehen, der geradewegs in den Park führte.

"Da wären wir", strahlte sie ihn an.

Mit ungutem Gefühl lugte er an ihr vorbei, den Weg entlang. Zu Beginn standen noch schummrige Laternen und spendeten wenigstens etwas Licht. Doch kaum vier Meter nach der letzten Lampe, verlor sich der Weg in alles abtötender Finsternis.

"Ich habe kein gutes Gefühl dabei."

"Komm schon, Julius, es ist wunderschön im Park."

"Mein bester Freund wurde vor drei Monaten in diesem Park umgebracht. Ich habe Angst. Ich will nicht noch einmal die Stelle sehen, wo sein zu Tode geprügelter Körper lag. Die musste ich schon sehen, als ich von der Polizei abgeholt wurde", sagte er traurig, mit dünner Stimme.

Sie berührte sein Kinn, drehte seinen Blick auf ihr Gesicht und sah ihn eindringlich an:" Ich verspreche dir, dass wir diese Stelle nicht sehen werden. Es wird uns auch niemand etwas Böses wollen. Vertraust du mir?", fragte sie schließlich und hielt ihm ihre Hand hin.

Wirklich nur einen klitzekleinen Moment zögerte Julius, bevor er Helenas Hand nahm. Abermals schoss ein Blitz durch seinen Körper. Alle Glieder kribbelten aufgeregt bei dieser Berührung und die Angst schmolz dahin, wie ein Eis in der Sonne. Als er wieder in den dunklen Park blickte, sah er ihn mit anderen Augen. Die fürchterliche Dunkelheit erschien ihm plötzlich wie der sicherste Ort auf Erden. Wie ein Versteck, in dem sie keiner stören würde. Nur er und Helena, zusammen für alle Ewigkeit.

Sie schritt los und zog ihn an der Hand hinter sich her. Wie hatte er bloß denken können, dass ihnen etwas zustoßen könnte? Ihre Berührung verlieh im unglaubliche Stärke.

Dann tauchten sie in die Dunkelheit ein. Helena verließ den Kiesweg und tankte sich durch einen viel verworrenen Strauchbusch. Julius fragte schon gar nicht mehr, wohin sie nun schon wieder wollte. Er war sicher, dass sie das richtige tat.

Der letzte Ast streifte sein Gesicht und er schüttelte sich Blätter und kleine Zweige aus den Haaren.

"Da wären wir", sagte Helena, "mein Lieblingsplatz."

Enttäuscht blickte Julius auf eine schmächtige Lichtung, auf der drei verkümmerte Kiefern ihr trostloses Dasein bestritten. Dunkle, graue Wolken schwebten über ihren Köpfen und spuckten noch immer Regen aus. Das Gras wucherte wild und hoch.

"Das ist dein Lieblingsplatz?" Sie nickte mit euphorischem Lächeln. "Verkrüppelte Bäume und Steppengras sind deine Erfüllung?"

"Phantasielose können die wahre Schönheit dieses Ortes gar nicht erfassen. Bitte, sag nicht, dass du auch einer von diesen Menschen bist."

"Ich hatte noch nie viel Phantasie. Ich glaube mehr an die Macht von Fakten, als an Träumereien."

"Na dann", sprach sie mit mysteriöser Stimme, "wollen wir doch mal sehen, wie groß die Macht der Phantasie selbst in deinem Kopf ist. Schließe deine Augen!"

"Warum?"

"Tu es einfach!" Er gehorchte. "Entspann dich vollkommen und verdränge jegliche Gedanken. Konzentrier dich nur auf deine Umwelt." Seine Muskeln lockerten und seine Kopf leerte sich. "Versuch die Geräusche der Natur auszunehmen. Unterscheide sie voneinander." Er stand da und hörte die Bäume erschreckend laut rauschen. Die Regentropfen schepperten laut wie Maschinengewehrfeuer. Sein eigener Atem ging pfeifend und dröhnend, wie ein gewaltiger Dampfkessel. "Denk dir nun einen wunderschönen Sommertag. Die Sonne scheint!" Die prickelnden Tropfen auf seiner Haut ließen nach. "Es ist windstill!" Das Rauschen stoppte abrupt. "Vögel zwitschern in den Bäumen!" Und tatsächlich, er hörte die hohen, glücklichen Pieptöne verschiedener Vogelgattungen. Kann das sein? "Nun öffne deine Augen und sage mir nochmal, dass Phantasie keine Macht hat."

Er tat es und die helle Sonne stach ihm mitten in die Augen. Es schmerzte ihn und er schloss sie rasch wieder. Nach wenigen Augenblicken blinzelte er und ließ sie dann schließlich ganz offen. Was er sah, war unglaublich.

Helllichter Tag! Die Sonne stand hoch über dem Park. Vögel flatterten aufgeregt im Geäst der zahlreichen Birken umher. Anstelle der Krüppelkiefern wuchsen duzende Sonnenblumen und reckten ihre Köpfe der Sonne entgegen. Ein sonderbarer Duft stieg vom saftig grünen Gras auf und verlieh dem ganzen Sommercharakter.

Er war überwältig. Wie hatte sie das nur gemacht? Mit offenem Mund stand er inmitten einer herrlichen Umgebung, die er so schnell nicht wieder aufgeben wollte, denn er fühlte sich so wohl, wie schon lange nicht mehr.

"Setz dich", forderte Helena. "Laß uns ein bisschen reden. Lang gesät ist gemeinsame unsere Zeit nicht. Der Tag neigt sich langsam dem Ende, obgleich auch für uns die Sonne scheint."

Er ging in die Hocke und rollte mit einem Seufzer rücklings zu Boden. Sie setzte sich in den Schneidersitz und nahm seine Hand in ihre. Julius richtete sich auf und sah sie an.

"Über was willst du mit mir reden? Über irgend etwas Bestimmtes?", fragte er und küsste die zarten Spitzen ihrer Finger. Allein durch diesen unbedeutenden Kuss bekam er Hitzewallungen.

"Reden wir über dich!"

"Über mich?", wiederholte er verdutzt, "in meinem Leben gibt es nichts Interessantes, über das es sich lohnt zu reden. Glaube mir, Helena. In meinem Leben gibt es nur eine Sache, die sich wie ein roter Faden durch meine junges Dasein zieht. Und das ist der Tod!"

"Gut, dann reden wir über den Tod!"

"Muss das sein? Gibt es nichts Schöneres über das wir sprechen können?"

"Mag sein, dass der Tod nichts Schönes ist, aber gehört zum Leben nun mal untrennbar dazu. Er ist auch nicht umsonst, wie manch altkluge Leute einem immer wieder versuchen zu erklären. Nichts im Leben ist umsonst, nicht einmal der Tod, denn den bezahlst du mit dem Leben. Aber erklär mir, warum der Tod dir solche Angst bereitet?"

Er zog seine Hand zurück und verschränkte sie vor der Brust. Sein Blick war jetzt starr geradeaus gerichtet. Seine Kieferknochen traten hervor, als er überlegte, wie er wohl am besten beginnen könnte. "Als ich zwölf Jahre alt war, starb mein älterer Bruder bei einem Autounfall. Irgendein besoffenes Penner hatte ihn übersehen und seinen Schädel zertrümmert. Das schlimme war, dass dieser Typ seine Tat erst drei Monate später gestand.

Ein Jahr später verlor mein jüngerer Bruder sein Leben. Er ist in der Schule an einem Bonbon erstickt, dass er verschluckte, als er sich mit einem Klassenkamerad prügelte. Seine Freunde sagten, dass Conrad wie ein Besinnungsloser auf seine Brust getrommelt hatte, ehe sein Kopf zunächst rot, dann blau anlief, während er den Kampf nach Atemluft langsam verlor. Seine Beine knickten unter ihm weg und er schlug mit dem Gesicht auf den schmutzigen Schulhof. Der verständigte Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen und sprach von einem absolut dummen Zufall. Pech, damit erklärte er den Tod meines Bruders. Allein für dieses Wort hätte ich ihm den Kopf abreißen können.

Als ich dann mit siebzehn die Liebe eines Mädchens erlangte, hoffte ich, endlich den schlechten Seiten des Lebens Lebe wohl! zu sagen. Bedauerlicherweise hielt auch dieses Hochgefühl nur für ein halbes Jahr an, dann schlich sich Gevatter Tod erneut auf listige aber grausame Art in mein Leben. Elaine, so hieß meine Freundin, wurde am Morgen eines diesigen Januarmorgens letzten Jahres ermordet aufgefunden. Man hatte sie... hatte sie...", seine Stimme versagte. Er gluckste beim Sprechen regelrecht und schluchzte jedes mal, als er weiterreden wollte. Dicke, salzige Tränen quetschten sich aus seinen Augenwinkeln hervor.

"Schht, ist gut", beruhigte Helena ihn und strich ihm die Tränen von den Wangen. "Wenn du nicht mehr kannst, höre auf."

Er schüttelte entgegen ihrer Erwartung den Kopf:" Nein, diese Sache muss jetzt endlich ein Ende finden." Sie reichte ihm ein neues Taschentuch. "Danke. Ich wollte sagen, dass Elaine vergewaltigt und erdrosselt wurde. Die Tat hatte ein Familienvater begangen, der seinen Drang, weiterhin 17- jährige zu vögeln, nicht länger unter Kontrolle halten konnte.

Und vor nicht einmal drei Monaten starben meine Eltern bei einem Flugzeugabsturz- beinahe zeitgleich mit meinem besten Freund."

"Oh Schatz", sprach Helena voller Mitleid und drückte seinen Kopf an ihre Brust. "Komm her. Du hast in deinem jungen Leben viel zu viel mitgemacht. Es wird Zeit, dass dir endlich jemand die Liebe geben kann, die du verdienst."

Er regte sich nicht. Die Stelle am Beginn ihrer wundervoll weichen Brüste war zu schön. Einfach nur schön. Das war es. Mehr Worte konnte er dafür nicht finden. Vollkommene Geborgenheit erfüllte ihn. Das letzte mal hatte er das gefühlt, als seine Mutter ihn nach dem Tod seines jüngeren Bruders umarmt und geschworen hatte, für immer auf ihn aufzupassen.

"Was glaubst du passiert mit uns, wenn wir sterben?", fragte er sie mit geschlossenen Augen. Sie streichelte sanft sein Gesicht.

"Meine Vorstellung vom Tode ist etwas Eigentümlich. Ehrlich, Julius", erwiderte sie.

"Egal. Ich will es trotzdem wissen."

"Na schön", begann sie und blickte kurz an den sonnenerhellten Himmel. Eine Bussard hing in der Luft und hielt sich mit kurzen, schnellen Flügelschlägel an dieser Stelle. Dann schrie er kurz einen langen, hohen Schrei und verschwand. "Ich stelle mir den Tod als eine vollkommen andere Art von Leben vor. Eine Welt, in der es kein Leid und Schmerz gibt."

"Das übliche Kirchengelaber halt!"

"Wenn du das so siehst, betrachte es ruhig als Kirchengelaber. Du hast mich nach meiner Meinung gefragt und ich habe sie dir gesagt. Und doch glaube ich noch mehr."

"So?", er richtete sich auf und sah sie fragend an. Sie nickte.

"Ich glaube, wenn ein Mensch stirbt, erfährt er in den wenigen Sekunden, die zwischen Tod und Leben liegen, ein letztes Mal die wahre Liebe. Eine Liebe die so tief sitzt, dass man nicht mehr von ihr ablassen möchte. Der Mensch wird eine Gestalt sehen, die all seinen Träumen und Wünschen entspricht. Dieser Gestalt wird er nachlaufen, bis er durch sie das höchste aller Gefühle erleben darf."

"Du hast recht, das klingt ziemlich abwegig. Wie bist du denn auf eine solche Variante gekommen?", wollte er wissen und legte seinen Arm, um ihre Schultern. Sie rückte dicht an ihn heran.

"Ich bin nicht auf irgend etwas gekommen. Das klingt, als hätte ich mir das ausgedacht", antwortete sie. "Was ich dir eben erzählte ist meine feste, unwandelbare Vorstellung."

Zum x-ten male fanden sich ihre Blicke, nur das er diesmal nicht abriss. Julius' Puls machte Sprünge und sein Herz hämmerte wie verrückt. Sein Magen brodelte förmlich vor Verlangen. Langsam, als befürchtete er, sie könne sich ihm verwehren, senkte er seinen Lippen den ihren entgegen. Nur noch Millimeter trennten ihn von der Erfüllung eines Traumes. In heißer Erwartung öffneten sich ihre Lippen einen Spalt weit, wohingegen seine und ihre Augen zufielen.

Er war nun so dicht an sie herangekommen, dass er ihren Atem roch. Das Honigparfüm, den vergleichbar herben Duft ihrer Haut und das trockene Aroma von Puder hüllte ihn ein. Er schob seine Zunge nach vorn.

Da ertönte plötzlich ein schriller, kaum auszuhaltender Pfeifton. Ihre Köpfe schossen förmlich auseinander, als hätten beide gleichzeitig einen Kinnhacken bekommen.

Schlagartig verschwand der sommerlicher Park. Der Regen trommelte wieder auf sie hernieder und der Sturm in den Bäumen toste ohrenbetäubend. Fluchend sprangen sie vom klitschnassen Gras auf.

"Was war das?", fragte er sie, wobei er mehr schrie als sprach

"Oh nein. Gottverdammt!", konnte er verstehen. In ihrer Hand befand sich ein TelMi- Gerät, auf dem sie irgendeine Nachricht las. "Ich muss weg. Es tut mir leid, aber es gibt Probleme bei mir zu Hause. Arge Probleme!"

"Soll ich dich bringen?", bot er an, doch sie verneinte vehement.

"Nett gemeint, aber wir drehen den Spieß heute mal um. Ich werde dich erst absetzen und dann zu mir stratzen. Deine Wohnung liegt auf meinem Weg."

So marschierten die beiden schnellen Schrittes die pfützenübersäten Straßen entlang. Er war froh ihre Hand halten zu dürfen und als er seine Haustür erblickte, war er enttäuscht, denn nun musste er sie bald loslassen. Er schloss die Tür auf. Der dunkle Hausflur kam ihm so unglaublich fremd vor. Als hätte er ihn mehrere Jahre nicht gesehen.

"Jetzt heißt es Abschied nehmen!", sagte Helena.

"Ja, sieht wohl so aus", erwiderte er schweren Herzens. Sie schien ihm seine Trauer anzusehen.

"Hey, sieh mal her." Er blickte auf. Im nächsten Augenblick spürte er ihre Lippen auf den seinen. Sie öffnete sich und ihre warme, schlanke Zunge bahnte sich ihren Weg in seinen Mund, wo sie auf seine Zunge traf und mit ihr spielte. Es war kein langer Kuss, aber er entsprang aus purer Liebe. Schließlich lösten sich ihre Lippen voneinander.

"Darf ich dir was sagen?"

"Aber immer", sagte sie verträumt.

"Ich liebe dich, wie keinen anderen je zuvor. Du hast in dieser einen Nacht Gefühle in mir hervorgerufen, die ich zu fühlen ohne dich nie in der Lage gewesen wäre. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie glücklich ich bin. Nichts ist schlimmer, als die Vorstellung, das dies unser letzter Kuss war und ich dich nicht wiedersehen werde. Bitte sag, das es nicht so ist." Flehend sah er sie an.

"Wir werden uns wiedersehen!"

Er pustete erleichtert:" Dann geh jetzt nach Hause, meine kleine Helena. Erledige, was du zu tun hast. Ich werde auf eine Nachricht von dir warten." Julius hob ihre rechte Hand an seinen Mund und hauchte einen seichten Kuss auf deren Rücken. Sie blinzelte ihm zu und schenkte ihm ein letztes liebevolles Lächeln, bevor sich die Haustür hinter ihr schloss.

Julius stapfte froh die Treppen hinauf zu seiner Dachgeschosswohnung und fingerte den Schlüssel aus der Hosentasche hervor. Plötzlich erinnerte er sich, das er vor diesem Abenteuer einen Eindringling gesehen hatte. Leise schloss er auf und trat ein. Die Küchentür zu seiner rechten und die Schlafzimmertür zu seiner linken waren geschlossen. Lediglich die Tür des Wohnzimmers stand einen Spalt weit offen. Vorsichtig trat er zu ihr herüber und spickte durch den Spalt. Immer noch klebte der Schatten an der Wand. Julius nahm seinen ganzen Mut zusammen und wuchtete die Tür auf und sah...

sich! Eigentlich nicht sich, sondern eher seinen strangulierten Körper, der mit dem Rücken ihm zugewandt hing und kaum merklich baumelte. Vor-zurück; vor-zurück; vor-zurück. Bevor Entsetzen oder Schock über ihn Besitz ergreifen konnte, fielen ihm Helena's Worte ein. Was hatte sie doch gleich über ihre Art des Todes gesagt?

Ich glaube, wenn ein Mensch stirbt, erfährt er in den wenigen Sekunden, die zwischen Tod und Leben liegen, ein letztes Mal die wahre Liebe. Eine Liebe die so tief sitzt, dass man nicht mehr von ihr ablassen möchte. Der Mensch wird eine Gestalt sehen, die all seinen Träumen und Wünschen entspricht!

Plötzlich klärte sich alles, als verzögen sich die dicken Regenwolken und das strahlende Blau des Himmels wäre sogleich wieder zu sehen. Mit innerer Ruhe und Zufriedenheit trat er an sein Panoramafenster und sah auf die Straße. Es überraschte ihn überhaupt nicht, dass er unter der Laterne Helena sah und sie lächelnd zu ihm aufblickte.

Er lächelte zurück, hob seine Hand und winkte ihr zu. Sie tat es ihm gleich. Sie sagte etwas und tatsächlich hörte er ganz, ganz leise ihre Stimme: Du wirst sehen, die Liebe im Herzen, die nimmt man mit!

"Ich danke dir", flüsterte Julius und kehrte ihr den Rücken. Noch während er zum Sessel herüberging, verschwand das Mädchen, das ihn auf so wundersame Weise heimgesucht hatte, wieder hinter einer Häusercke. Julius hingegen ließ sich sorglos in seinen Sessel fallen und wartete neugierig auf das, was als nächstes passieren würde. Sein Blick fand die Wanduhr. In eben diesem Moment sprang sie auf 19:42 um. Und aus der Musikbox säuselte ganz sanft, den Lippen Helena's gleich, die letzte Zeile des ach so schönen Liedes:

Heaven is a wounderful place- I want to go there!

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Disclaimer

Die Charaktere dieser Geschichte, sowie alle Handlungen sind geistiges Eigentum des Autors. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten oder Handlungen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Der Autor verfolgt kein kommerzielles Interesse an der Veröffentlichung dieser Geschichte.

Freigabe zur Weiterveröffentlichung besteht, soweit vom Autor nicht anders angegeben nur für "FantasyGuide.de". Für alle weiteren Veröffentlichungen ist die schriftliche Zusage des Autors erforderlich.

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Erstellt: 21.05.2005, zuletzt aktualisiert: 27.09.2016 09:58