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Fast ein Gigant

Reihe: Hellboy 5

Hörspiel

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Liz Sherman liegt im Sterben. Dabei verheilt die Schusswunde sehr gut; sie hat ihren Lebenswillen verloren. Während Dr. Manning, Abe Sapien und der Rest des B.U.A.P.-Teams hilflos die Ereignisse für den behandelnden Arzt rekapitulieren, hat sich Hellboy zusammen mit seiner Ex, Professor Corrigan, auf die Suche nach dem Verursacher gemacht – einen ungewöhnlichen Homunkulus, der Liz' Feuer in sich aufnahm. Statt auf den flüchtigen Homunkulus stoßen die beiden Ermittler erstmal auf zahllose aufgebrochene Gräber und zwei rumänische Vampirjäger. Von dort führt die Spur in die Berge in ein übel beleumdetes Kloster. Unterdessen hat der Flüchtige seinen älteren Bruder getroffen, das erste Geschöpf des Renaissance-Arztes und Alchemisten Paracelsus. Der erzählt ihm von ihren gemeinsamen Schöpfer, dessen Ende – und den weitreichenden Plänen, die er mit der Menschheit hat.

 

Fast ein Gigant ist der fünfte Teil der Hellboy-Reihe aus dem Hause Lausch. Wie die früheren Teile ist auch dieser in erster Linie ein Action-Thriller mit Horror-Flavor. Allerdings wird zu Beginn viel Zeit in die Charakterisierung von Figuren und ihren Beziehungen investiert: Im vierten Teil – Der Teufel erwacht II – war Liz' Team auf der Suche nach dem Vampir Giurescu auf eine verborgene Alchemistenwerkstatt gestoßen. Der dort ruhende Homunkulus raubte auf mysteriöse Art Liz' Feuer und damit ihren Lebenswillen. Während die Kreatur flüchtete, begann Liz dahinzuvegetieren. Diese Rekapitulation und die daran anschließenden Krankenhausgespräche motivieren nicht nur die folgenden Handlungen, sondern streichen auch die Sorge der B.U.A.P.-Mitglieder um Liz heraus und führen z. B. Abe als Telepathen und Agent Leach als "menschlichen Metalldetektor" ein. Auch Hellboys und Corrigans Nachforschungen sowie das Kennenlernen der beiden Homunkuli werden mit Charakterisierungen gestreckt. Diese Mischung – Rekapitulation und Charakterisierung mit actionlosem Plot – sorgt für einen eher langsamen Anfang. Doch dann, nach etwa der Hälfte des Hörspiels, nimmt der Plot fahrt auf und bald geht es auch richtig rund: Hellboy und Corrigan müssen sich mit allerlei Schurken von grausiger Gestalt auseinandersetzten, deren Herr ein ungewöhnliches Motiv hat. Meines Erachtens wäre es schöner gewesen, hatte man den Plot ein wenig früher zu entwickeln begonnen und dafür das massive Action-Feuerwerk am Ende etwas entzerrt.

Flankiert wird das Ganze wieder vom typischen Hellboy-Humor, der sich vor allem in flapsigen Sprüchen ausdrückt: "Siehst zwar aus wie 'n Teller bunte Knete, scheinst aber nicht völlig verblödet zu sein!"

 

Die Anzahl der Sprecher ist wie immer relativ groß – laut Booklet sind es dreiundzwanzig – allerdings deutlich weniger als bei den früheren Geschichten, was natürlich an der kürzeren Laufzeit liegt. Die Hauptfiguren werden wieder mit den Synchronsprechern aus den Filmen besetzt: Tilo Schmitz spricht Hellboy, Ranja Bonalana Liz Sherman und Joachim Tennstedt Abe Sapien – Bonalana und Tennstedt haben in dieser Folge allerdings nur wenig zu sagen. Nichtsdestoweniger machen alle drei ihre Sache erwartungsgemäß gut.

Auch Klaus Dittmann (Dr. Manning), Marco Reinbold (Agent Leach) und Simone Ritscher (Prof. Corrigan) schlüpfen wieder in die gewohnten Rollen und legen eine angemessene Performanz vor – Reinbold, über den ich Letztens gemeckert hatte, verbessert sich deutlich.

Damit zu den Neuzugängen: Die beiden Homunkuli werden von Helmut Krauss und Bernd Hölscher gesprochen. Während Hölscher vor allem aus anderen Lausch-Produktionen, aber auch aus Europas Reihe Dragonbound bekannt sein mag, ist Krauss ein echter Veteran: John Sinclair, Gabriel Burns, Sherlock Holmes, um nur einige der bekannteren Reihen zu nennen. Zwar spricht Hölscher seine Rolle sehr anständig, doch neben der Präsenz von Krauss kann er kaum bestehen. Schließlich will ich noch eine kleine Nebenrolle erwähnen: Paracelsus ist ebenfalls mit einem Veteranen besetzt – Peter Weis, den man vielleicht aus Sherlock Holmes oder Die drei ??? kennt. Er trifft die Rolle des greisen Alchemisten punktgenau – wunderbar!

 

Der Stil der Inszenierung der vorherigen Folgen wird konsequent beibehalten: Die Inszenierung ist gemäßigt modern. Es gibt keinen Erzähler im engeren Sinne, aber Hellboy übernimmt bisweilen dessen Funktion. Außerdem gibt es eingeschobene Tonbandaufnahmen von Lexikon-Artikeln, die erklären, was ein Homunkulus ist und dergleichen. Die satte Geräuschkulisse wird häufig zur Untermalung eingesetzt, steht allerdings oftmals für sich selbst. Mit guter Wirkung werden Stimmverzerrungen eingesetzt – die Stimmen der Lakaien werden so gepitched, dass sie zur grotesken Erscheinung beitragen. Die Musiken sind wie stets treffend und vielfältig, sie reichen von beeindruckender Orchestralmusik hin zu Metal-Klängen.

 

Fazit:

Während ein Teil des B.U.A.P.-Teams an Liz Shermans Sterbebett sich Gedanken um eine Heilung macht, jagen Hellboy und Professor Corrigan den Homunkulus, der Liz' Feuer stahl. Fast ein Gigant entwickelt die Figuren ein bisschen weiter und bietet einiges an brachialer Action. Sieht man von der etwas unausgewogenen Dramaturgie ab, so ist es ein sehr gelungenes Hörspiel, was besonders an den guten Leistungen der Sprecher, aber auch der übrigen Inszenierung liegt.

 

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Hörspiel:

Fast ein Gigant

Reihe: Hellboy 5

Vorlage von Mike Mignola

Produzent: Günter Merlau

Regie: Günter Merlau

Label: Lausch – Phantastische Hörspiele

Erschienen: April 2009

Umfang: 1 CD, ca. 60 min

Asin: B001PM1BIC

Erhältlich bei: Amazon

 

Sprecher (Auswahl):

Tilo Schmitz

Ranja Bonalana

Joachim Tennstedt

Klaus Dittmann

Simone Ritscher

Bernd Hölscher

Helmut Krauss

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.02.2010, zuletzt aktualisiert: 15.07.2019 20:03