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Ghost

Reihe: Hellboy 6

Hörspiel

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

In Arcadia City herrschen Mord und Totschlag. Seit mehr als hundert Jahren. Wo bleibt nur all das Blut der Ermordeten? Ein Parapsychologe nahm an, dass sich die Emanationen der brutalen Gewalt an einem Ort sammeln und eine paranormale Entität manifestieren, die dann wiederum die Einwohner der Stadt zu Gewalttaten anstachelt – ein Teufelskreis. Ist diese böse Seele der Stadt der Grund, warum der Mafiosi Big Boss den Verräter Vinnie so grausam hinmetzelte? Ist sie der Grund, warum Herbert Izzo sterben musste? Viele Jahre später ist das Leben in Arcadia nicht weniger gewalttätig. Allerdings ist seit einiger Zeit eine interessante Person daran beteiligt: Ghost. Ghost ist eine Frau, die anscheinend keinen festen Körper hat – sie kann durch Wände gehen, schweben usw. Außerdem ist sie weis-durchscheinend. Man hält sie vielfach für einen – Geist. Sie tötet ihre Opfer jedoch auf für Geister ungewöhnliche Art: Sie jagt ihrem Opfer eine Salve aus ihrem Paar .45er Pistolen in den Leib. Grund genug für die B. U. A. P., Hellboy und Jo loszuschicken. Vielleicht lässt sich diese Ghost rekrutieren. Doch der beste paranormale Ermittler der Welt wird bald in ein Geschehen verwickelt, das weit größere Ausmaße annehmen könnte.

 

Ghost ist die Hörspieladaption des gleichnamigen Comics. Es ist ein Crossover zwischen Hellboy und der in Deutschland eher unbekannten Reihe Ghost um die gleichnamige Superheldin. Auch die sechste Folge der Hellboy-Reihe widmet sich einer dunklen Verschwörung. Zunächst ist es Hellboys Motivation, Ghost aufzuspüren, um ihr mal auf den Zahn zu fühlen. Vielleicht lässt sie sich für die B. U. A. P. rekrutieren, aber auf jeden Fall müssen ihre Morde gestoppt werden, selbst wenn sie in erster Linie die bösen Buben kalt macht. So weit ist es eine klassische hardboiled-Detektivgeschichte: die Suche nach einer wichtigen Zeugin, Klientin usw. Bis hierhin treiben typische Rätsel – Was ist mit Ghost? Was ist mit der bösen Seele der Stadt? Was ist mit Herbert Izzo und Big Boss? – und die im Hintergrund schwelende Bedrohung durch die böse Seele die Geschichte an. Sobald Hellboy aber Ghost findet, nimmt die Geschichte eine drastische Wendung. Einerseits werden die ursprünglichen Spannungsquellen weitgehend fallen gelassen – die Rätsel werden entweder gar nicht oder nur beiläufig gelöst. Dafür bricht die Gefahr über Hellboy und den Hörer recht unvermittelt herein – der große Rote muss sich einiger krasser Feinde erwehren, er langt wieder mal gehörig mit der Steinfaust zu und lässt die Fetzen fliegen – im wahrsten Sinne des Wortes. Leider geht der Umschwung meines Erachtens nicht so richtig auf, was vor allem am fehlenden konsequent weitergesponnenen roten Faden liegt. Erst gibt es eine lange Szene mit Big Boss und Izzo, dann treten Hellboy und Jo auf, dann muss sich Hellboy mit Ghost auseinandersetzten und schließlich gibt es den großen Showdown. Zwischendurch gibt es noch eine Szene mit der Polizei und Jo, die sich mittlerweile von ihrem Partner getrennt hat und nun eine Art fünftes Wagenrad geworden ist. Die Geschichte wirkt, wie ein Puzzle, bei dem einige Motive fertig gepuzzelt sind, aber noch nicht verbunden wurden. Man kann sehen, dass die Motive zusammengehören, weiß aber nicht so recht wie – die Übergänge fehlen halt. Damit können sich die Spannungsquellen auch nur schwerlich über ein Grundniveau aufbauen.

Neben den genannten Spannungsquellen sind natürlich Hellboys altbekannter flapsig-lakonischer Humor, kontrastierend einige angedeutete Ekelszenen, die aus exzessiver Gewalt erwachsen, und die phantastischen Figuren, von denen vor allem Ghost selbst zu nennen ist, wieder mit von der Partie.

 

Die Sprecherliste ist wie üblich recht lang – das Booklet zählt fünfundzwanzig Sprecher auf. Die wiederkehrenden Rollen sind selbstverständlich mit den Stammsprechern besetzt: Tilo Schmitz gibt gewohnt knarzig den Hellboy, Klaus Dittmann den affektierten Dr. Manning. Laut Booklet ist auch Ranja Bonalana als Liz Sherman wieder dabei, doch wenn das so ist, dann kann sie nur eine sehr kleine Sprechrolle haben – ihre Stimme ist mir beim Hören nicht aufgefallen. Auch bei den andren trifft man auf alte Bekannte: Andreas Krämer (Vinnie/Pig Guy) und Robert Schlunze (Gorilla-Rübe) hat man in einigen Nebenrollen in Lausch-Hörspielen gehört. Sie legen ihre Gangsterrollen komisch an, was meines Erachtens auch funktioniert. Kurt Glockzin und Simona Pahl stammen ebenfalls aus dieser Ecke. Glockzin, der auch in DSA mitwirkte, spricht den ambivalenten Herbert Izzo, Pahl die kratzbürstige Rächerin Ghost. Helmut Krauss ist nun ein anderes Kaliber. In Faith van Helsing, Gabriel Burns, John Sinclair und zahllosen weiteren Hörspielen kann man seine Stimme hören. Auch hier erfüllt seine Interpretation des brutalen Gangsters Big Boss die Szene mit seiner Präsenz. Die junge Schauspielerin Kim Pfeiffer ist mir als Hörspielsprecherin nicht bekannt; ihre Interpretation des Mediums Jo ist zwar solide, aber unauffällig.

Insgesamt ist die Performanz der Sprecherriege solide. Ausreißer nach unten gibt es keine, dafür glänzen Schmitz und Krauss, aber auch Pahl. Die Letztgenannte vielleicht ob ihrer wechselhaften Stimme sogar besonders.

 

Die Inszenierung ist eigentlich wie immer, nur anders. Wie immer ist sie gemäßigt modern mit Hellboy, der einige Erzählerfunktionen übernimmt, vieles aber auch für sich stehen lässt – Schritte, Schläge, das Durchladen einer Pistole wird nicht erläutert; völlig zurecht setzt man auf die Fantasie des Hörers, die Szene zu ergänzen. Überhaupt wird ein sehr dichter Klangteppich gewebt, der stets die Ereignisse begleitet – das klappern okkulter Utensilien, das Geräusch vorüberfahrender Autos, Hupen, ein Schuss, ein Schrei – ein urbanes Flair unterlegt Arcadia City.

Auch die Musik, die meistenteils begleitend, untermalend verwendet wird, unterstützt die Atmosphäre der jeweiligen Szene treffsicher: Ein zischelndes Becken, quäkende Trompeten, dräuende Hörner, vereinzelt die Drums, das Xylofon, Klavier, Bass und beim nekromantischen Zauberspruch eine atonal spielende Flöte – musikalisch spielt dieses Hörspiel in der ersten Liga mit.

 

Fazit:

Ins mörderische Spiel Arcadias steigt eine neue Spielerin ein: Ghost. Hellboy, der ihr für die B. U. A. P. auf den Zahn fühlen soll, wird in ein Geschehen verwickelt, das hinter all der Gewalt stehen könnte. Die sechste Folge fällt etwas ab: Die verschiedenen Szenen führen nicht konsequent genug zueinander, sodass die Spannung sich nicht recht entwickeln will. Glücklicherweise gibt es eine gute Sprecherriege und eine brillante tontechnische Begleitung, sodass das Hörspiel immer noch schön anzuhören ist.

 

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Hörspiel:

Ghost

Reihe: Hellboy 6

Vorlage von Mike Mignola

Produzent: Günter Merlau

Regie: Günter Merlau

Label: Lausch – Phantastische Hörspiele

Erschienen: April 2009

Umfang: 1 CD, ca. 60 min

Asin: B001PM1BI2

Erhältlich bei: Amazon

 

Sprecher (Auswahl):

Tilo Schmitz

Klaus Dittmann

Helmut Krauss

Robert Missler

Kurt Glockzin

Simona Pahl

Kim Pfeiffer

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 29.05.2010, zuletzt aktualisiert: 15.07.2019 20:03