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König Vold / Weihnachten in der Unterwelt

Reihe: Hellboy 7

Hörspiel

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Dr. Manning ruft Hellboy zu sich ins Büro; es gibt Wichtiges zu besprechen. Da ist zum Beispiel eine unvollständige Akte aus dem Jahr 1956 – und drängender noch sind die Gründe für einen Flug nach Europa zu klären. Hellboy grübelt. Damals hatte ihn sein Ziehvater Broom, der damalige Leiter der B. U. A. P., darum gebeten, seinen alten Freund Professor Rickman zu helfen. Rickman ist ein Ethnologe, der Hellboys Hilfe für ein kleines Experiment benötigt – er will den mythischen Gottesfeind König Vold beschwören. Missmutig wird Manning die Akte zu König Vold wieder schließen – nur um noch missmutiger eine jüngere zu öffnen: Dezember 1989. Eine Reise nach England. Codename: Weihnachtsmann. Lächerlich! Der Rote erinnert sich: Mrs. Hatch hatte am Abend des 24. im Sterben gelegen. Sie hatte viel Blut verloren, doch der Doktor konnte keine Wunde finden. Hellboy schon – es handelte sich um zwei kleine Stiche im Hals. Hellboy hatte einen bestimmten Verdacht.

 

König Vold ist im Wesentlichen eine klassische Kurzgeschichte, die allerdings um ein kleines Vor- und Nachspiel erweitert wurde. Es geht um die Begegnung mit einem unheimlichen Fabelwesen, das eine böse Überraschung bereithält. Die Spannungsquellen sind entsprechend die Rätsel – was will Rickman wirklich und was ist Vold wirklich – und die mit Vold verknüpfte unheimliche Bedrohung.

Weihnachten in der Unterwelt erinnert mehr an eine Erzählung – es ist eine sehr verkürzte, aber normale Ermittlung. Hellboy ermittelt im Fall der an einer mysteriösen Krankheit sterbenden Mrs. Hatch. Er sichert Spuren, er befragt Zeugen. Während in König Vold es eigentlich nur eine Szene gibt, gibt es hier eine ganze Reihe von Szenen. Zentrale Spannungsquellen sind wiederum das Rätsel – woran stirbt Mrs. Hatch wirklich – und die damit verknüpfte Bedrohung.

In beiden Geschichten gibt es natürlich noch einige Hellboy-typische Zutaten: Es gibt in beiden Geschichten Humor und Action. Die Action (es kreist die Rechte) wirkt auf mich in der ersten Geschichte etwas aufgesetzt, doch das ist nur ein kleines Detail. In der zweiten Geschichte fügt sie sich glatt ein. Der Humor ist in der zweiten Geschichte meines Erachtens etwas wirksamer: Es herrscht eine melancholische Grundstimmung – eine sterbende Frau zu Weihnachten – in der Hellboys Sarkasmus trotz der Dämpfung gut passt. Die üblichen flapsigen Sprüche und ein bisschen Humor, der aus dem Spiel mit den Erzählebenen entsteht, gibt es auch wieder.

Der Plotfluss ist zwar nur gemäßigt, aber den Geschichten völlig angemessen – großartig umgesetzt.

 

Die Anzahl der Rollen ist für ein Hellboy-Hörspiel recht gering – die Anzahl der Sprecher sogar noch geringer, denn einige von ihnen haben mehrere Rollen; das Inlay zählt vierzehn Sprecher auf. Es sind dieses Mal auch nur wenige bekannte Rollen dabei: natürlich Hellboy (Tilo Schmitz) und Dr. Manning (Klaus Dittmann), sowie Broom (Gerd Samariter), die ihre Sache gewohnt gut machen.

Bei König Vold sind zusätzlich noch zwei zu nennen. Helmut Gentsch spricht Professor Rickman. Man kann ihn vor allem aus Lausch-Produktionen wie Drizzt kennen, aber er war auch schon in Die drei ??? zu hören. Er macht seine Sache gut, auch wenn er in den Extremsituationen nicht ganz überzeugend wirkt, was aber zum Teil auch an der Rolle selbst liegt. Jürgen Holdorf gibt den König Vold selbst. Auch ihn kann man in Die drei ??? , Drizzt und anderen Lausch-Produktionen wie DSA hören, doch er hat darüber hinaus auch an Hörspielen wie Die drei !!! und einigen Hörbüchern mitgewirkt. Seine Performanz als geisterhaftes Fabelwesen ist beeindruckend, was sicherlich auch an der technischen Bearbeitung der Stimme liegt.

Bei Weihnachten in der Unterwelt ist zunächst eine Grande Dame des Hamburger Theaters zu benennen: Aranka Mamero-Jaenke spricht die sterbende Mrs. Hatch ganz famos; Nicht-Hamburger werden sie kaum kennen, zu mal sie nur wenige andere Hörspiele einsprach. Die beiden Folgenden sind vor allem aus anderen Lausch-Hörspielen – wie Drizzt – bekannt. Bernd Hölscher verleiht dem ratlosen Doktor seine Stimme, Otto Philipp dem deprimierten Priester. Beide müssen sich weder hinter der Performanz von Schmitz noch der von Dittmann verstecken. Als Letztes sei die junge Schauspielerin Mary Muhsal genannt, die lange Zeit in der Fernsehserie Marienhof zu sehen war. In anderen Hörspielen ist sie mir bisher noch nicht begegnet. Sie spricht das Mädchen Annie; Muhsals etwas unsichere Stimme mag etwas irritieren, passt aber gut zu einem pubertierenden Mädchen.

Die Gesamtperformanz der Sprecherriege ist also gut, wenn auch nicht herausragend zu nennen.

 

Die Inszenierung ist im Rahmen der Reihe unauffällig – sie ist gemäßigt modern mit Hellboy als Erzähler und einer Geräuschkulisse, die für sich selbst steht – Merlau geht völlig zu Recht davon aus, dass die Hörer ein aufschnappendes Zippo als solches auch ohne Erläuterung erkennen. Die begleitenden wuchtigen Musikstücke werden wiederum vom Hamburger Hörspiel Orchester eingespielt – auch da gibt es nichts auszusetzen.

 

Fazit:

Dr. Manning hat ein Hühnchen mit Hellboy zu rupfen – wozu diese beiden Reisen nach Europa? Hellboy erinnert sich an den gruseligen König Vold und den traurigen Fall der Mrs Hatch. Die siebte Folge der Hellboy-Reihe wartet mit zwei kurzen Geschichten auf, wobei die erste eher gruselig und die zweite eher tragisch-komisch ist. Die Folge ist kein Höhepunkt der Hörspielkunst, aber gute Unterhaltung; ich für meinen Teil freue mich nach dieser schon auf die nächste Folge.

 

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Hörspiel:

König Vold / Weihnachten in der Unterwelt

Reihe: Hellboy 7

Vorlage von Mike Mignola

Produzent: Günter Merlau

Regie: Günter Merlau

Label: Lausch

Erschienen: Mai 2010

Umfang: 1 CD, ca. 60 min

ASIN: 3939600539

Erhältlich bei: Amazon

 

Sprecher (Auswahl):

Tilo Schmitz

Klaus Dittmann

Helmut Gentsch

Jürgen Holdorf

Aranka Mamero-Jaenke

Mary Muhsal

 

 

Weitere Infos:


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Erstellt: 21.07.2010, zuletzt aktualisiert: 15.07.2019 20:03